Mo., 04.09.2017

WESTFALEN-BLATT bietet in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg eine ausführliche Analyse Debat-O-Meter: Patt zwischen Merkel und Schulz

Von doppel-plus bis doppel-minus – so konnten Angela Merkel und Martin Schulz bewertet werden.

Von doppel-plus bis doppel-minus – so konnten Angela Merkel und Martin Schulz bewertet werden. Foto: Lars Rohrandt/Screenshot

Freiburg/Berlin (WB/LaRo). Fast 20.500 Menschen haben am Sonntagabend die Möglichkeit genutzt, mit dem Debat-O-Meter Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz während des TV-Duells zu bewerten. Zudem gab es eine Vor- und Nachbefragung.

Das WESTFALEN-BLATT veröffentlicht hier in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg eine ausführliche Analyse der gewichteten Daten des  Debat-O-Meters, mit dem Zuschauer live am Computer, per Smartphone oder Tablet die Bundeskanzlerin und den Herausforderer mit plus und minus beurteilten. Die Wissenschaftler sprechen von der »wohl größten Echtzeitabstimmung zu einem TV-Duell«.

Wer hat die Debatte gewonnen? Ergebnisse der Nachbefragung

- Die Wahrnehmung über den Debattensieger ist nahezu ausgeglichen: Merkel 38,9 %, Schulz 40,3 %, keiner: 20,8 %.

- Im Ost/West-Vergleich zeigen sich nur geringe Unterschiede (39,0/38,9 %, Schulz: 36,2/41,3).

- Merkel punktet bei den Frauen (41,3 %, Männer: 36,3 %) und Älteren >35 (39,8 %, Jüngere: 36,0 %) stärker, während Schulz bei Männern (43,4 %, Frauen: 37,4 %) und Jüngeren (45,4 %, Ältere: 38,8 %) überzeugt.

Vorbefragung: erwarteter Sieger

- Merkel wurde als Sieger der Debatte erwartet, sowohl bei Allen (45,6 zu 23,3 %; kein Sieger: 31,1 %) als auch bei den Unentschlossenen (35,6 zu 19,9 %).

- CDU-Wähler stehen zuvor entschlossener hinter Merkel (78, 6 %) als die SPD-Anhänger hinter Schulz (54,1 %).

- Merkel ging mit einer Favoritenrolle ins TV-Duell.

Welche Partei würden Sie wählen? Ergebnisse der Nachbefragung

Dies ist keine Wahlprognose. Die Zahlen reflektieren die Verteilung der Zuschauer der vier Sender, die zugleich am Debat-O-Meter teilgenommen haben. In den Klammern befinden sich als Vergleich die Zahlen der Vorbefragung. In Prozent:

CDU/CSU: 29,1 (26,1)

SPD: 25,1 (19,3)

Grüne: 5,9 (5,4)

FDP: 11,3 (10,9)

Die Linke: 5,9 (6,4)

AfD: 8,2 (8,0)

unentschlossen: 14,4 (23,5)

werde nicht wählen: 0,2 (0,4)

Kernaussagen:

- Der Anteil der Unentschlossenen nimmt deutlich ab. Das TV-Duell hilft den Zuschauern, eine Wahlentscheidung zu treffen.

- Sowohl CDU/CSU als auch SPD können nach dem Duell in der Wählergunst zulegen. Die SPD profitiert aber etwas mehr.

Wählerwanderung: Ergebnisse der Nachbefragung

Mehr als die Hälfte der zu Anfangs unentschiedenen Wähler kann nach dem Duell eine Wahlentscheidung treffen. Besonders profitieren können die Parteien der Duellanten, wobei die SPD stärkere Zugewinne erreicht als die CDU. »Wen würde Sie wählen?« – Angaben in Prozent der Befragten:

CDU/CSU: 17,9

SPD: 22,7

Grüne: 4,1

FDP: 4,6

Die Linke: 2,6

AfD: 3,9

eine andere Partei: 0

Unentschlossen: 43,9

Werde nicht wählen: 0,02

Wen würden Sie, falls möglich, direkt wählen? Ergebnisse der Nachbefragung

In Klammern stehen die Werte der Vorbefragung. In Prozent:

Merkel: 46,5 (45,8)

Schulz: 39,2 (32,6)

keinen: 14,3 (21,6)

Kernaussagen:

- Merkel gewinnt gegenüber der Vorbefragung leicht, Schulz kann hingegen deutlich zulegen. Dies gilt noch stärker für die Unentschlossenen (Schulz: von 30,2 auf 39,2; Merkel: von 33,4 auf 34,2.

- Beide Kandidaten erhalten starke Unterstützung aus dem eigenen Lager (Merkel: 92,4 %, Schulz: 86,7 %).

Auswertung nach Themenfeldern: Ergebnisse der Live-Messung

Mit dem Debat-O-Meter kann man über die Tasten »doppel-plus« (2 Punkte), »plus« (1 Punkt), »minus« (-1 Punkt) und »doppel-minus« (-2 Punkte) auf dem Bildschirm jederzeit während der Diskussion eine Einschätzung der Kandidaten abgeben. Für die Auswertung wurden diese Bewertungen saldiert, dass heißt von den positiven Werten wurden die negativen abgezogen und dann gemittelt, also durch die Zahl der Bewertungen geteilt). So lässt sich über die Debatte sowie nach einzelnen Themen die Rangfolge ermitteln. Insgesamt gab es 1,53 Millionen Bewertungen; hier sind die Daten ungewichtet.

- Gesamt : Merkel gewinnt über alle Teilnehmer hinweg (0,42 zu 0,31). Schulz gewinnt bei den Unentschlossenen (0,52 zu 0,21). Weitere Kernaussagen: Schulz überzeugt im Themenfeld Migration. Merkel gewinnt im Themenfeld Innere Sicherheit.

- Vorstellungsrunde : Merkel gewinnt über alle Teilnehmer hinweg (0,27 zu 0,03). Schulz kann bei den Unentschlossenen punkten (0,18 zu -0,05).

- Migration : Schulz schneidet sowohl bei allen Teilnehmer leicht besser (0,35 zu 0,31) und bei den Unentschlossenen deutlich besser (0,48 zu 0,08) ab .

- Außenpolitik : Merkel gewinnt über alle Teilnehmer hinweg (0,57 zu 0,40). Schulz kann bei den Unentschlossenen punkten (0,64 zu 0,38).

- Soziale Gerechtigkeit: Merkel (0,37 zu 0,22) gewinnt über alle Teilnehmer hinweg, Schulz kann klar bei den Unentschiedenen gewinnen (0,54 zu 0,16).

- Ja-Nein-Runde: Merkel gewinnt knapp über alle Teilnehmer hinweg (0,32 zu 0,28), Schulz kann klar bei den Unentschiedenen gewinnen (0,49 zu 0,14).

- Innere Sicherheit: In diesem Themenfeld kann Merkel sowohl bei allen (0,64 zu 0,23) als auch den Unentschlossenen (0,57 zu 0,45) gewinnen.

Die Tops und Flops: Ergebnisse der Live-Messung

Was waren die Tops und Flops während der Debatte? Das Debat-O-Meter kann genau anzeigen, bei welchen Aussagen die Zuschauer besonders zustimmten oder ablehnten. Dabei werden die Bewertungsmöglichkeiten von doppel-plus in eine +2 bis doppel-minus in -2 übersetzt. Durch die Zusammenfassung dieser Werte kann man den Puls des Duells nachzeichnen. Die angegebenen Zeiten beziehen sich auf das Video in der ARD-Mediathek.

Angela Merkel: Den besten Wert bei allen Teilnehmenden erzielte Merkel im Themenfeld Migration bzw. Integration mit der Ansage, für »Null-Toleranz« gegenüber einem nicht mit dem Grundgesetz konformen Islam (Debattenminute ca. 25:38) einzutreten. Ihr schlechtester Wert war im Themenfeld Außenpolitik zu beobachten, als sie ausführte, dass eine völkerrechtliche Verpflichtung zum Familiennachzug bestehe und Deutschland diesbezüglich noch Nachholbedarf aufweise (ca. 42:27). Auch die Unentschlossenen lehnten diese Aussage stark ab. Für die Gruppe der Unentschlossenen hatte Merkel ihre beste Stelle bei der inneren Sicherheit, als sie ein klares Nein gegen Terrorismus formulierte und für eine freiheitliche Lebensweise eintrat (ca. 1:26:14).

Martin Schulz: Die besten Werte für Schulz waren ebenfalls im Themenbereich Migration zu sehen. Erstens, als er ausführte, dass Personen, die im Namen der Religionsfreiheit andere Grundrechte einschränken wollten, »in Deutschland nichts verloren« haben (Debattenminute ca. 27:40). Und zweitens, als er ankündigte, als Bundeskanzler die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abbrechen zu wollen (ca. 26:35). Diese Einschätzung teilten alle Teilnehmenden und auch die Unentschlossenen. Abgelehnt wurde durch die Teilnehmer der Angriff auf Merkel im Themenfeld Innere Sicherheit, als er sie des »Schwarzen- oder Roten-Peter-Spiels« bezichtigte (ca. 1:33:20). Seinen schlechtesten Wert erhielt Schulz von den Unentschiedenen, als er den Islam als eine Religionsgemeinschaft »wie jede andere auch« bezeichnete (ca. 22:20).

Bewertung der Kandidaten: Vorbefragung und Nachbefragung

Was halten Sie ganz allgemein von den Kandidaten, ist vor und nach dem Duell gefragt worden. Die Teilnehmer bewerteten dabei Merkel und Schulz auch hier auf einer Skala von -2 bis +2.

Nachbefragung:

- Beide Kandidaten können an Ansehen in allen Gruppen gewinnen (Merkel von 0,33 auf 0,42; Schulz von -0,07 auf 0,30).

- Stärker profitiert Schulz und kann bei den Unentschiedenen (von 0,00 auf 0,45) Merkel (0,05 auf 0,20) überholen.

Vorbefragung:

- Merkel wird über alle Teilnehmer gesehen besser als Schulz bewertet (0,33 zu -0,07).

- CDU-Anhänger stehen geschlossener als SPD-Anhänger hinter dem eigenem Kandidat (1,49 zu 1,22).

- Merkel wird im SPD-Lager weniger abgelehnt als Schulz im CDU-Lager (-0,4 zu -0,85).

- Von Unentschlossenen werden beide relativ gleich bewertet (Merkel: 0,05; Schulz: 0,00).

Sympathie, Glaubwürdigkeit und Kompetenz: Vorbefragung und Nachbefragung

Vor und nach dem Duell wurden die Teilnehmenden auch gefragt, wie glaubwürdig, sympathisch und kompetent die beiden Spitzenkandidaten von SPD und CDU/CSU sind. Skala auch hier von von -2 bis +2:

Kernaussagen Nachbefragung:

- Beide Kandidaten können zulegen – an Sympathie (Merkel: von 0,39 auf 0,49; Schulz: von 0,00 auf 0,28), Glaubwürdigkeit (Merkel: von 0,30 auf 0,40; Schulz: von 0,02 auf 0,35) und Kompetenzzuschreibungen. Schulz profitiert aber stärker, wenngleich er über alle Teilnehmer gesehen hinter der Kanzlerin bleibt.

- Anders sieht es bei den Unentschiedenen aus: Hier zieht Schulz an Merkel vorbei.

- Beide erhalten starke Zustimmung durch das eigene Lager, wenngleich Merkel im SPD-Lager weniger abgelehnt wird, als dies für Schulz der Fall ist.

Kernaussagen Vorbefragung:

- Merkel ist vor dem Duell im Hinblick auf Sympathie (0,39 zu 0,00), Glaubwürdigkeit (0,30 zu 0,02) und Kompetenz (0,48 zu -0,05) positiver bewertet worden als Schulz, der insgesamt neutral eingestuft wird.

- Insgesamt ist Merkel vor dem Duell von den eigenen Anhängern in den drei Bereichen geschlossener positiv eingeschätzt worden, als dies für Schulz der Fall gewesen ist (Sympathie: 1,34 zu 1,14; Glaubwürdigkeit: 1,41 zu 1,08; Kompetenz: 1,50 zu 0,99).

Die Analyse im Video

Kommentare

Debat-O-Meter

Betrifft: Auswertung des Debat-O-Meters
Warum wird das Ergebnis dieser ca. 90 minütigen Debatte nicht als Grafik dargestellt?
Könnte es sein, dass ein völlig anderes Ergebnis sich darstellen würde.
Die Moderatoren und die Presse verbreiten einen Eindruck, dass alles zugunsten von Frau Merkel gelaufen sei. Das mag zwar deren Wunsch sein, entspricht aber nicht den Tatsachen (Stern Kolumnist Hans-Ulrich Jörges).
Sind unsere Medien auch schon gleichgeschaltet wie in der Türkei?
Fede

1 Kommentare

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