So., 03.09.2017

Kommentar zum TV Duell zwischen Merkel und Schulz Zwei zu Zwei

Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel und der SPD-Kanzlerkandidat und SPD-Vorsitzende Martin Schulz während des TV-Duells.

Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel und der SPD-Kanzlerkandidat und SPD-Vorsitzende Martin Schulz während des TV-Duells. Foto: dpa/Screenshot

Von André Best

War das TV-Duell am Sonntagabend nun tatsächlich Martin Schulz’ letzte Chance? Wahrscheinlich ja. Hat er sie genutzt, so dass er doch noch Bundeskanzler werden kann? Wahrscheinlich nein.

Es war das politische Fernsehereignis des Jahres mit gigantischen Einschaltquoten. Es war lebhaft, aber so richtig spannend war auch dieses TV-Duell nicht. Immerhin: Der Erkenntnisgewinn war größer als bei vorherigen Duellen, beispielsweise bei der Rente und in der Türkei-Frage.

Das TV-Duell hat keinen klaren Sieger hervorgebracht. Realistisch betrachtet steht unterm Strich ein flottes Unentschieden, ein 2:2, mit leichten Vorteilen für den Herausforderer. Schulz griff an, wirkte dabei jedoch etwas künstlich und leistete sich in seiner Wortwahl einige peinliche Schnitzer. Merkel war häufig in der Defensive.

Auch viele Gemeinsamkeiten

Trotz der bekannten Kontroversen spürte man auch viele Gemeinsamkeiten. Diskutiert wurde trotzdem. Schulz versuchte bei der Flüchtlingspolitik und in der Türkei-Frage zu punkten. Er kämpfte zwar, wollte Merkel aufs Glatteis führen, hat es aber nicht geschafft, Sympathiepunkte zu sammeln.

Der Herausforderer hat seine letzte Chance nicht nutzen können. Das liegt nicht nur an seiner eher unsympathischen Art, sondern auch an den schlechten Voraussetzungen. Niemand hat wohl ernsthaft geglaubt, Merkel würde so sehr patzen und ihren großen Umfragevorsprung in einer Sendung aufs Spiel setzen. Dafür ist sie nach zwölf Jahren als Kanzlerin zwar zu erfahren, wirkte aber bisweilen überraschend unsicher. Insgesamt war Schulz zu forsch, zu direkt, zu polternd, Merkel zu scheu, zu defensiv, zu schüchtern.

Welch eine Bilanz

Nach dem TV-Duell wird es die entscheidende Wende nicht geben. Vielmehr steht die Frage im Vordergrund, ob es eine schwarz-gelbe oder eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen geben wird. Reicht es am Ende für Union und FDP, wird Angela Merkel trotz aller Skepsis dazu nicht Nein sagen können. Sie neigt offenbar eher Jamaika zu, weil ihr die Koalition mit der FDP von 2009 bis 2013 noch in zu schlechter Erinnerung ist und sie FDP-Chef Christian Lindner nicht wirklich mag. Dann lieber auch gleich mit den Grünen. Das hätte den Vorteil, dass mit Katrin Göring-Eckardt eine weitere Frau mit am Tisch sitzt, die nicht auf Krawall aus ist.

Für Merkel war das TV-Duell als Kandidatin wohl das letzte ihres Lebens. Für Schulz möglicherweise auch. Aber anders als er wird Merkel darüber erleichtert sein. Trotz ihres nicht immer erfolgreichen Abschneidens kann sie mit Genugtuung auf die Polit-Shows blicken. Allein schon mit den TV-Duellen hat sie einen Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Viermal stand sie »im Ring«, vier Mal hat sie zumindest nicht klar gewonnen, und vier Mal wurde sie dennoch Kanzlerin. So wird es kommen. Welch eine Bilanz.

Kommentare

Nebenkriegsschauplaetze, proxy war, Ersatzthemen

Um von den unangenehmen aber wahren Wahrheiten abzulenken, hat an schon vor langer Zeit Ersatzthemen - ja, man muss es so sagen - erfunden: jung gegen alt und Familien gegen Kinderlose.

Bei Lichte betrachte funktioniert aber jeweils das Eine ohne das Andere eben nicht.

Der Coup ist gelungen, das Wahlvolk laesst und liess in die Irre fuehren.

Demokratie?

BeI der letzten Bundestagswahl wurden 40% (!!!!) der Waehler nicht beruecksichtigt.

Diese 40% bestanden aus Nichtwaehlern, ungueltigen Stimmen und Stimmen, die fuer Parteien abgegeben wurden, die die 5% Huerde nicht geschafft haben.

Ob Merkel oder Schulz die Mehrheit von vielleicht auch wiederum nur 60% gewinnt ist im Sinne der Meiner Überschrift ziemlich unerheblich.

Die wahren Gewinner sind die ersten Verlierer

Auszug aus Wikipedia zur Bundestagswahl 2013.

"Ein Rekordhoch (15,7 %) gab es bei den Stimmen für Parteien, die, wie die FDP und die erstmals angetretene Alternative für Deutschland, an der 5-Prozent-Hürde scheiterten und somit bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt wurden. Das führte dazu, dass die im Parlament vertretenen Parteien von unter 60 % der Wahlberechtigten gewählt wurden, obwohl die Wahlbeteiligung mit 71,5 % um 0,72 Prozentpunkte über dem historischen Tiefstand der Bundestagswahl 2009 lag, und dazu, dass die Unionsparteien trotz ihres Ergebnisses von lediglich etwas über 40 % eine absolute Mehrheit der Sitze nur knapp verfehlten. In der Folge wurde erneut Kritik gegen die Sperrklausel laut."

Anders herum machte die Koalition aus Nichtwaehlern, ungueltigen Stimmen und Waehlern, die Parteien waehlten, die an der 5% Klausel scheiterten, insgesamt um 40 Prozent aus. Diese Koalition hat also eindeutig die Wahl gewonnen und doch verloren, da sie nicht beruecksichtigt wird. Gehen wir von 630 Sitzen aus, dann haetten 252 unbesetzt bleiben muessen und nur 378 Sitze besetzt werden duerfen.


Die reale Wahlbeteiligung lag bei 70,2% nach Abzug der ungueltigen Stimmen. Von diesen bekam zum Beispiel die CDU 41,5%. Auf 100% bezogen, waeren dies nur knapp 30%.

Es bedarf hier keiner weiteren Worte zu diesem Thema.


Die soziale Ungerechtigkeit hat jetzt schon gesiegt und wird weiterhin durchgefuehrt.


Weiterhin bekommen Beamte eine Pension von ueber 70% ihres letzten und damit hoechsten Bruttos, obwohl sie nie Beitraege bezahlten, waehrend Rentner der gesetzlichen Rentenversicherung unter 50% ihres Durchschnittbruttos bekommen.

Ein schlechter Witz in Tueten, der durch nichts zu begruenden ist.

Auch hier bedarf es keiner weiteren Worte...










....

Zwei zu Zwei

Warum diese Bescheidenheit mit dem 2 : 2 im TV-Duell, wenn in den Blitzumfragen und in den sozialen Medien die Kanzlerin "vorne" zu sehen ist. Nur die ZDF-Umfrage will beide "Kontrahenten" fast gleichauf gesehen haben. Nach dem Duell wissen wir nun endgültig, dass der Islam zu Deutschland gehört, so die Bekräftigung unserer Bundeskanzlerin. Ich werde mich auch diesmal nicht mit meiner Kritik zu der politisch-medialen Sprechblasenverantaltung zurückhalten. Kannte ich die gestellten Fragen nicht schon aus den Medien? Also kannte ich auch schon als eifriger Leser diverser Quellen die Antworten. Geschickt wurde das Thema "Innere Sicherheit" ausgeklammert. Und das Thema "Abschiebung" zeigte die Luftblasen, die wir schon den diversen Befragungen kennen. Nun findet Infratest die Kanzlerin vorne. Neunundfünfzig Prozent sahen die Kanzkerin in der ersten Häfte des Duells "vorne", 47 Prozent glaubwürdiger und 46 Prozent sympatischer. Also wird die Kanzlerin nach der Bundestagswahl einen Koalitionspartner suchen müssen, obwohl die Wahl nach dem Duell klar sein dürfte. Schließlich gab es viele Gemeinsamkeiten, Die man bei den Koalitionsverhandlungen bei der SPD nicht mehr suchen muss. Die Neuauflage der GROKO wirft ihre Schatten voraus.

4 Kommentare

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