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Fr., 10.02.2017

Arminia Bielefelds früherer Torwart Dennis Eilhoff ist in seinem Traumberuf angekommen Vom Keeper zum Kommissar

Seit drei Jahren führt Dennis Eilhoff ein Berufsleben zwischen Streifenwagen und Fachhochschule. Der 34-Jährige wird bald Polizeikommissar.

Seit drei Jahren führt Dennis Eilhoff ein Berufsleben zwischen Streifenwagen und Fachhochschule. Der 34-Jährige wird bald Polizeikommissar. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Dennis Eilhoff ist es gewohnt, Uniform zu tragen. Früher waren Namen darauf gedruckt wie Arminia Bielefeld, TuS Koblenz, Dynamo Dresden. Heute steht auf seiner Uniform: Polizei.

Seit zweieinhalb Jahren befindet sich der ehemalige Profifußballer in der Ausbildung zum gehobenen Dienst. Neben dem Studium an der Fachhochschule Bielefeld gehört derzeit auch die Arbeit in der Praktikumsbehörde in Wiedenbrück dazu. Dort fährt der 34-Jährige auch Streife. Und wie andere in der Behörde im Kreis Gütersloh arbeitet auch der ehemalige Fußballprofi im Wach- und Wechseldienst Das heißt: Frühdienst, Spätdienst, Nachtdienst. »Der Schichtdienst macht mir nichts aus. Mit dem Biorhythmus habe ich keine Probleme«, sagt der zweifache Familienvater. 

Fragebogen im Internet

Im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit hat Dennis Eilhoff einen Fragebogen erstellt. Thema: »Gefühlte (Un)Sicherheit – das subjektive  Sicherheitsempfinden bei Fußballfans«. Die Beantwortung der 14 Fragen nimmt fünf bis sieben Minuten in Anspruch. Damit das Ergebnis möglichst repräsentativ ausfällt, hofft Eilhoff auf rege Beteiligung. Den Fragebogen finden Sie hier.

Wenn alles nach Plan läuft, wird Eilhoff Ende August vereidigt und darf sich ab 1. September Polizeikommissar nennen – fast genau sechs Jahre nach seinem letzten Einsatz als Profifußballer. 1:4 verlor er damals mit Dynamo Dresden in der 2. Liga gegen Eintracht Frankfurt. Es war der neunte Spieltag – schon am zweiten gegen Hansa Rostock hatte sich der ehrgeizige Keeper eine schwere Kapselverletzung im Mittelfinger seiner linken Hand zugezogen. Aber Eilhoff biss die Zähne zusammen. Nach der Saison gab er dann sein Karriereende bekannt. Eilhoff wurde Sportinvalide. Und stand wie so viele andere Ex-Profis vor der Frage: Was nun?

»Für mich kam nur die Polizei in Frage«

Weil die Handverletzung schon früh in der Saison auftrat, konnte Eilhoff in Ruhe über seine Zukunft nachdenken. Doch viel Zeit brauchte er nicht. »Als klar war, dass ich kein Profi mehr sein kann, habe ich schnell entschieden, dass ich den Fußball beiseite schiebe und etwas ganz anderes machen werde. Und da kam für mich nur die Polizei in Frage.«

Die Umstellung vom Fußballer- ins normale Berufsleben sei ihm nicht schwergefallen. »Emotional war das nicht so schwierig. Ich hing nicht so extrem am Fußball«, sagt Eilhoff. Er möchte das nicht falsch verstanden wissen: »Profifußball hat mir sehr viel Spaß gemacht. Aber jetzt möchte ich meinen ursprünglichen Traum verwirklichen und Polizist werden.«

Während andere Kinder vom Leben als Fußballprofi träumen, träumte er den Traum vom Polizistenleben. »Ich wollte das schon, als ich noch ein kleiner Junge war. Es gibt alte Fotos, wie ich auf einem kleinen Polizeimotorrad sitze«, sagt Eilhoff. Heute sitzt er im Streifenwagen. Und wirkt wie einer, der dort angekommen ist, wo er hinwollte.

Dennis Eilhoff als Arminia-Torwart in Aktion. Foto: Starle

Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum es nach Worten seines derzeitigen Chefs so unkompliziert war, den früheren Fußballer in den Kollegenkreis der Wache Wiedenbrück zu integrieren. Den Ex-Profi, erklärt Thomas Pöhling , lasse Eilhoff nicht raushängen. »Die Person an sich, aber auch die Einstellung von Dennis Eilhoff zum Dienst und zum Kollegenkreis machen es unmöglich, ihn nicht sofort als Mitarbeiter und Kollegen wahrzunehmen«, sagt der Polizeihauptkommissar und Dienstgruppenleiter. Starallüren seien ihm bei Eilhoff keine aufgefallen: »Es ist genau vom Gegenteil auszugehen. Dennis Eilhoff tritt äußerst sympathisch und überaus kompetent auf.«

Einen Promi-Bonus gibt es nicht

Eilhoff selbst meint: »Ich glaube nicht, dass die Kollegen in mir den früheren Fußballprofi sehen. Die sehen mich ganz normal als Dennis.« Einen Promi-Bonus für den Ex-Profi würde es laut Pöhling nicht geben. »Das verbietet alleine die Fairness und die Wertschätzung gegenüber den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Aber so wie ich Dennis Eilhoff hier kennenlernen durfte, bin ich der festen Überzeugung, dass er sich einen Promi-Bonus auch nie gewünscht hätte«, betont Pöhling.

Es kommt vor, dass Eilhoff (36 Erstligaspiele für Arminia ) im Dienst auch schon mal erkannt wird. Beim Pollhans-Markt, einem großen Bürgerfest in Schloß Holte-Stukenbrock, wollten Besucher Selfies mit ihm machen. »Die Kollegen mussten schmunzeln, das kannten sie so noch nicht«, sagt Eilhoff. Er schon. Fußballeralltag eben. Doch er weiß: »Als Fußballprofi hatte man schon eine Vorbildfunktion – als Polizist aber noch viel mehr. Man hat eine besondere Rolle in der Gesellschaft. Es wird genau hingeguckt, wie man sich in Uniform gibt.«

Die Selfies auf Pollhans hat er machen lassen. Wenn Gesten wie diese helfen, die Sympathiewerte der Polizei zu verbessern, sei das doch ein schöner Nebeneffekt. In Wiedenbrück habe ihn neulich jemand durch das Fenster des Streifenwagens erkannt. Eilhoff ließ die Scheibe runter. »Er hat mich gefragt: Warst du nicht früher mal Torwart? Wir haben dann nett geplaudert.«

Keine Lust mehr auf ein Nomadenleben

Mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden, stört Eilhoff sowieso nicht. Was ihn sehr wohl gestört hätte, wäre eine Fortsetzung seines Nomadenlebens gewesen: »Als Spieler war ich an jedem zweiten Wochenende unterwegs. Mal Rostock, mal Freiburg. Wäre ich im Fußball geblieben – als Trainer, im Management oder in welcher Rolle auch immer – wäre das so weitergegangen. Aber ich bin einfach zu sehr Familienmensch, als dass ich weiter kreuz und quer durch die Republik ziehen wollte.«

Zumal er weiß, dass der Mikrokosmos Profifußball mehr Jobsuchende anzieht als er freie Stellen bietet. Eilhoff hatte schon am Anfang seiner Profikarriere großen Wert auf seinen Schulabschluss gelegt. Er machte Abitur. »Zum Glück«, betont er.

Heute kickt der Ex-Keeper nur noch gelegentlich in der Polizeimannschaft mit. »Zum Spaß.« Aufpassen müsse er trotzdem. Wegen des Mittelfingers seiner linken Hand. Zwar schössen die Polizeikollegen nicht ganz so hart wie früher seine Gegner in der Bundesliga. »Aber da sind schon ein paar Raketen dabei, die einen guten Bums haben«, sagt Eilhoff. Eine Verletzung dürfe er nicht riskieren, er sei ja erst mal nur »Beamter auf Widerruf«. Im letzten Abschnitt seines Studiums warten noch ein paar praktische Prüfungen – Eilhoff möchte auf den letzten Metern nichts mehr riskieren. Denn er will sich ja noch einen Traum verwirklichen. Im Vorjahr wurden den Absolventen der Polizei-Fachhochschule die Urkunden für ihr Bachelor-Studium in der Schüco-Arena ausgehändigt. Eilhoff würde sich freuen, wenn es dieses Jahr wieder so wäre. Dann hätte er auf der Alm noch mal ein Heimspiel. Wenn auch nicht im Arminia-Trikot.

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