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Di., 14.03.2017

Der Fußballzweitligist und sein Trainer stehen vor der Trennung Arminia hat das Vertrauen in Kramny offenbar verloren

Unterschiedliche (Aus-)Richtungen: DSC-Sportchef Samir Arabi (links) und Trainer Jürgen Kramny.

Unterschiedliche (Aus-)Richtungen: DSC-Sportchef Samir Arabi (links) und Trainer Jürgen Kramny. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Sitzt Jürgen Kramny auch beim nächsten Zweitligaspiel des DSC Arminia am Freitag gegen Kaiserslautern noch auf der Bank? Es sieht nicht danach aus.

Am Montagabend haben die Verantwortlichen, wie berichtet, über die Zukunft des Trainers beraten. Alles deutet darauf hin, dass sie ihm heute den Stuhl vor die Tür stellen.

Arabi ohne Bekenntnis zu Kramny

»Es gibt immer mehrere Stellschrauben. Eine ist der Trainer, eine die Spieler, eine andere das System«, sagte Samir Arabi. Auch am Montag vermied der Sportchef ein Bekenntnis zu Kramny, ließ offen, ob der Coach auch im so wichtigen Spiel gegen Lautern noch in der Verantwortung stehen wird.

Für Kramny käme es dann zum Duell mit seinem Vorvorgänger. Als Norbert Meier noch beim DSC im Amt war, moserten nicht wenige über seinen nüchternen Ergebnisfußball. Heute würden die selben Leute sich kaum etwas sehnlicher wünschen, als dass Meier noch da wäre und den Klub nach 2016 auch 2017 ebenso unspektakulär wie ungefährdet zum nächsten Klassenerhalt führen würde.

Alarmstufe Rot – wieder mal

Stattdessen herrscht in Bielefeld mal wieder Alarmstufe Rot, steht der nächste Coach vor dem Rauswurf. Kramny wirkte auch am Montag noch angeschlagen, als er zum Trainingsbeginn um 9.58 Uhr mit seinen Spielern aus der Kabine kam. Der 45-Jährige führte beim Auslaufen nach der »leb­losen Vorstellung« (Arabi) beim 0:1 am Sonntag in Nürnberg ein ausgedehntes Gespräch mit den Führungsspielern Fabian Klos und Julian Börner. Ob des Trainers Worte noch Gehör fanden?

»Ich wiederhole nach einer Nacht darüber schlafen noch einmal: So steigen wir ab«, bekräftige Arabi am Montag erneut, was er schon kurz nach der erschreckenden Darbietung im Frankenland geäußert hatte und betonte: »Die Situation ist sehr, sehr ernst.«

Aufsichtsratssitzung: Der Trainer steht »im Mittelpunkt«

Zwar kann der 38-Jährige nicht allein entscheiden, wie es weitergeht. Ein gewichtiges Wort hat er aber allemal mitzureden. Die anderen, die Einfluss auf die Entscheidung pro oder contra Kramny nehmen, sind zuvorderst Aufsichtsratschef Hartmut Ostrowski, Präsident Hans-Jürgen Laufer, ­Finanz-Geschäftsführer Gerrit Meinke und natürlich Sponsor, Gönner und Darlehensgeber Gerhard Weber.

DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer. Foto: Thomas F. Starke

Bis auf Letztgenannten, der im Aufsichtsrat durch Dr. David Frink (Vorstand der Gerry Weber International AG) vertreten wird, saßen alle am Montagabend gemeinsam in einer langen Gremiensitzung (erst nach Redaktionsschluss beendet), bei der das Thema Kramny »im Mittelpunkt« stand, wie Präsident Laufer betonte. Zwar erklärte er, dass in der jetzigen Situation alles und jeder, auch der Aufsichtsrat in seiner Funktion als Kontrollorgan, kritisch hinterfragt werden müsse. Arabi allerdings brauche um seinen Job nicht zu fürchten. »Samir Arabi hat sehr, sehr viel geleistet für den Verein, das vergessen viele«, sagte Laufer. Dass auch der Sportchef heftig in der öffentlichen Kritik steht, findet der Präsident »nicht fair«.

Laufer erklärte, dass auch er selbst schon gefragt worden sei, wann er die Konsequenzen aus Arminias Talfahrt zu ziehen gedenke, erklärte dazu aber: »Das ziehe ich überhaupt nicht in Betracht, denn das wäre feige.«

Wie weiter? Nochmal mit Rump?

Arminias Gremienvertreter haben natürlich alle gesehen, wie wehr- und hilflos sich der DSC in Nürnberg seinem Schicksal ergeben hat. Und weil es nicht das erste Mal war, dass Arminia sich unter Kramny derart desolat präsentierte, dürfte die Zeit für den Trainer abgelaufen sein. Jemanden zu finden, der es besser kann, der der Mannschaft und am besten gleich dem ganzen Verein neues Leben einhaucht, ist eine Herkulesaufgabe. Darum werde der Verein Arabi zufolge auch »mit aller Sorgfalt, Akribie und Ernsthaftigkeit prüfen«, wie es nun weitergehen soll. Um gegen Lautern dann womöglich noch einmal Carsten Rump die Verantwortung zu übertragen. Schon ein Mal, nach der Entlassung im Oktober von Rüdiger Rehm, sprang der Co-Trainer ein, wählte offenbar die richtige Ansprache und gewann mit einer taumelnden Arminia zwei von drei Pflichtspielen in Liga und Pokal.

Laufer: An den Finanzen darf es nicht scheitern

Fakt ist: Die DFL-Statuten würden ein erneutes Engagement des 35-jährigen Assistenten, der nach wie vor nicht im Besitz einer Fußballlehrerlizenz ist, vorübergehend erlauben. Und der Klub hätte ein wenig Zeit gewonnen.

Nach der Partie gegen Lautern folgt eine Länderspielpause. Kein schlechter Zeitpunkt, um dann einen neuen Coach zu präsentieren. Ein erster Testgegner stünde auch schon fest. Am Mittwoch, 22. März, bestreitet Bielefeld ein Freundschaftsspiel beim Bundesligisten VfL Wolfsburg (15.30 Uhr).

Finanziell, erklärte Laufer, müsste sich Arminia im Falle einer erneuten Trainerentlassung zwar strecken. »Scheitern darf es daran aber nicht«, sagte er.

Kommentare

6 Trainer in 6 Jahren

Einstieg Arabi März 2011
Abgänge
Lienen Juni 11
Von Ahlen Sep 11
Krämer Feb 14
Meier Juni 16
Rehms Okt. 16
Kramny März 17
KEINE Entdeckung von Talenten und Implementierung vom DSC Nachwuchs...das ist eine Bilanz

"»Es gibt immer mehrere Stellschrauben. Eine ist der Trainer, eine die Spieler, eine andere das System«, sagte Samir Arabi." Da hat sich Herr Arabi ja wieder mal elegant außen vor gelassen.

Na, dann hat es Arabi ja mal wieder geschafft. Kramny über die Klinge springen lassen und dafür den eigenen Hals gerettet. Kann Arabi morgens eigentlich noch in den Spiegel schauen ? Spätestens, wenn Arminia in der Regionalliga spielt, werden die Verantwortlichen des Vereins hoffentlich erkenne, wem sie die ganze Misere in erster Linie zu verdanken haben.

Alles was Leo-Armine schreibt trifft zu! Diese Vereinsführung inkl. S. Arabi hätte es sogar schwer einen Amateurklub zu führen. Sie haben es geschafft alles zu "versauen", was in den letzten Jahren aufgebaut wurde. Schade!!!!!

Stillstand

Das Bekenntnis des Präsidenten zu S. Arabi ist meiner Meinung die falsche Entscheidung. Natürlich kann niemand von außen die tatsächliche tägliche Arbeitsleistung von Herrn Arabi beurteilen. Es bleibt aber das sichtbare Ergebnis und das können tatsächlich alle beurteilen. Samir Arabi ist gescheitert und das ist nicht erst seit wenigen Wochen so. In den letzten zwei Jahren ist es ihm nicht gelungen die Mannschaft zweitligatauglich zu machen. Die Kette von Fehlverpflichtungen ist schier endlos und reicht von Petersch und Fießer über Peer Kluge bis in die komplett gescheiterte Kaderplanung 201672017. Wenn der Präsident das nicht sehen möchte, dann sollte er selbst auch seine eigene Qualifikation überprüfen. Reicht sie unter den gegebenen Umständen aus, oder sollte jemand mit mehr Power die Sache übernehmen?

Wenn der Trainer entlassen wird, alles andere aber beim Alten bleibt verspielt der Verein eine große Gelegenheit einen Neustart hinzulegen.
"Alles steht auf dem Prüfstand". Wirklich? Arabi wird nicht in Frage gestellt. Der Präsident fände es feige, wenn er selbst abtreten würde. Aha, kann man natürlich so darstellen.
Eine ergebnisoffene schonungslose Kritik der Erignisse dieser verkorksten Saison sieht für mich gänzlich anders aus. Bin jetzt gespannt, inwieweit der Aufsichtsrat den entscheidenden Akteuren (mit Ausnahme des Trainers, denn dessen Tage sind wohl gezählt - nächstes Bauernopfer) das Vertrauen ausspricht.
Für mich ist eins klar: Sollte nur der Trainer ausgetauscht werden und ansonsten alles beim Alten bleiben, dann wird Arminia dauerhaft in der 3. Liga "vergammeln" bzw. den Fahrstuhlmannschafts-Status behalten. Dann wird zukünftig aber nur noch zwischen 3. und 4. LIga "verkehrt" und dann stellt sich die Frage ob eine Insolvenz nicht doch die bessere Alternative wäre. Beispiel gefällig? Duisburg, Aachen.
Die haben zwar wirtschaftlich auch zu knapsen, schleppen aber keine über 20 Mio. Mühlstein am Fuß mit sich rum.
Mit einem "weiter so" wird es schwer sein eine erneute Euphorie in Bielefeld zu entfachen wie nach dem letzten Abstieg. Und kurz vor der Saison braucht man Arabi auch nicht mehr auszutauschen. JETZT werden die Weichen für die neue Saison gestellt: Transfers, Vertragsverlängerungen, etc.

Ich fühle mich durch die handelnden Personen einfach nur noch bespaßt.

Der Verein macht sich einfach nur noch lächerlich.

Na dann weiter so!

Vielleicht wäre auch ein Freundschaftsspiel gegen Alemannia Aachen angebracht, da kann man sich dann schon mal Erfahrungen reinholen, wie es sich mit einem beispiellosen Abgang so lebt in der 4.Liga.

Es ist wie im richtigen Leben auch - Arabi war seinerzeit, als er anfing, vielleicht der Richtige. Hat damals nur mit dem Trainer daneben gelegen. Aber umgekehrt war Arminia auch ein Glücksfall für Arabi. Wo sonst wäre ein Scout zum Manager aufgestiegen?
Seine Einkaufspolitik ist hier schon oft genug "gewürdigt" worden. Es wäre schön, wenn der Präsident einmal der Realität in die Augen schauen könnte.
Kramny war doch eh nur dritte Wahl, weil sich kein anderer fand, der mit diesem Kader und mit diesem Sportdirektor arbeiten wollte.

Hoffe, dieser Kommentar ist nicht zu kritisch, um veröffentlicht zu werden.

8 Kommentare

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