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Do., 29.06.2017

Für die Rückkehr in Arminias erste Elf ist Fabian Klos bereit, sein Spiel umzustellen Klos: »Wir werden das zusammen schaffen«

Fabian Klos und Trainer Jeff Saibene: »Zwischenmenschlich gab es nie Probleme.«

Fabian Klos und Trainer Jeff Saibene: »Zwischenmenschlich gab es nie Probleme.« Foto: Thomas F. Starke

Bielefeld (WB). Über keinen anderen Arminen ist in den vergangenen Monaten so viel spekuliert worden wie über Fabian Klos . Bleibt er? Geht er? Jahrelang galt der Stürmer als unumstrittene Stammkraft. Bis Jeff Saibene im März zum Fußball-Zweitligisten kam. Klos (29, Vertrag bis 2019) war unter dem neuen Trainer nur noch Joker. Mit Redakteur Dirk Schuster spricht Klos nun offen über sein Verhältnis zum Coach und die Bereitschaft, seinen Stil zu verändern. Mit einer dauerhaften Jokerrolle würde er sich aber nicht abfinden.

Nach den ersten Trainingstagen gab es von Trainer Jeff Saibene und auch von Sportchef Samir Arabi viel Lob für Sie. Sind Sie voll motiviert für eine weitere Saison bei Arminia, Herr Klos?

Fabian Klos: Wir sprechen zwar erst über zwei Tage und noch nicht über zwei Wochen Training, aber es freut mich natürlich, wenn den handelnden Personen auffällt, dass ich motiviert zur Sache gehe. Denn das ist es, was ich mir im Urlaub fest vorgenommen habe.

 

Gehen Sie denn davon aus, dass Sie die Saison in Bielefeld spielen werden?

Klos: Da muss ich ein bisschen weiter ausholen: Der Klassenerhalt im Mai war eine Mega-Erleichterung, ein super Saisonabschluss. Trotzdem war ich mit meiner Situation zum Schluss nicht hundertprozentig zufrieden. Und ich denke, das ist auch verständlich, weil ich über Jahre meine Leistung gebracht habe und Stammspieler war. Trotzdem habe ich mich zum Wohle der Mannschaft hinten angestellt. Der Erfolg des Teams und des Vereins standen absolut im Vordergrund. Nach dem Klassenerhalt gab es zwischen Samir Arabi, meinem Berater Kai Michalke und mir ein Gespräch darüber, wie der Verein mit mir plant. Wir haben festgehalten, dass wir – anders als in den Vorjahren – diesmal nicht alle Anfragen abblocken. Ich habe aber zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass hier nach sechs Jahren, nur weil ich ein paar Spiele auf der Bank gesessen habe, plötzlich alles Mist ist und ich unbedingt weg will. Dafür bin ich nicht der Typ.

 

Und was, wenn sich an Ihrer Situation im Vergleich zur Endphase der Vorsaison nichts Grundlegendes verändern wird?

Klos: Ob sich die Situation ändert, liegt ja in erster Linie an mir. Am Dienstag gab es nach dem Training ein Gespräch mit Jeff Saibene, in dem er mir gesagt hat, dass ich einen sehr positiven Eindruck auf ihn mache. Ich habe in der Pause auch nicht geschmollt und mich ungerecht von ihm behandelt gefühlt. Man hat ja immer die Möglichkeit, einen Trainer in der Vorbereitung neu zu überzeugen. Und ich glaube, ich bin auf einem guten Weg. Körperlich hatte ich noch nie so gute Voraussetzungen. Und ich bin selbstbewusst genug zu sagen: Wenn es mir gelingt, das umzusetzen, was der Trainer von mir verlangt, dann wird er an mir nicht vorbeikommen. Das wird mir aber nicht mit Worten gelingen, sondern nur mit Taten. Wir haben super Spieler im Kader, auch dank der Neuen. Aber ich bin überzeugt, dass ich in die erste Elf gehöre.

 

Sie sind es ja auch gewohnt, Stammspieler zu sein.

Klos: Eine Stammplatzgarantie gibt es im Fußball nicht. Ich hatte bei Arminia nie eine. Einen Stammplatz habe ich mir unter jedem Trainer erarbeitet. Ich habe auch absolut das Gefühl, von Jeff Saibene eine faire Chance zu bekommen. Der Trainer hat eine sehr ehrliche Art. Ich habe ihm gesagt, dass wenn er bei mir Dinge im Training sieht, die ihm nicht so gefallen, möge er sie bitte direkt ansprechen. Wenn wir einen permanent offenen Austausch pflegen, kann das nur helfen. Zwischenmenschlich haben wir sowieso noch nie ein Problem gehabt. Ich bin überzeugt, dass der Trainer und ich es zusammen schaffen, dass er mich da hinbringt, wo er mich haben möchte.

 

Allerdings haben die anderen Trainer, unter denen Sie bei Arminia gespielt haben, in aller Regel um Sie und zwei, drei andere herum ein Team gebaut. Saibene wählte einen anderen Weg. Sind Sie denn bereit, Ihr gewohntes Spiel umzustellen?

Klos: Absolut. Ich habe dem Trainer gesagt, dass mir bewusst ist, dass es viele Kleinigkeiten besonders im taktischen Bereich gibt, die ich in der Vorsaison nicht zu seiner vollen Zufriedenheit gelöst habe. Er hat mir gesagt, dass ihm aufgefallen sei, dass ich dafür ein Bewusstsein entwickelt habe. Ich bin sehr selbstkritisch. Als Spieler muss man sich auf einen neuen Trainer, auf Veränderungen einlassen. Das ist mir nicht leicht gefallen in der abgelaufenen Saison. Ich war ein anderes System gewohnt. Wenn du sechs Jahre lang einen Spielstil pflegst, braucht es etwas Zeit, bis die neuen Automatismen sitzen. Daran arbeite ich. Es bestärkt mich natürlich, wenn der Trainer schon nach zwei Tagen zu mir sagt: ›Hey, da ist eine andere Einstellung, eine andere Körpersprache, ich merke das.‹ Aber ich will das über die gesamte Vorbereitung aufrecht erhalten und länger.

 

In Andraz Sporar hat der Klub kürzlich einen neuen Klos-Konkurrenten verpflichtet.

Klos: Ich kann alleine vorne spielen, aber auch genauso gut in einem System mit Doppelspitze. Ich kann mich auch mal ins Mittelfeld fallen lassen und habe oft genug gezeigt, dass ich die Bälle auch verteilen kann. Ich sehe mich künftig als einer von zwei Stürmern. Konkurrenz ist gut. Aber am Ende habe ich doch immer gespielt und meine Tore gemacht.

 

Ist es eine Option für Sie, die Vorbereitung und die ersten Spiele abzuwarten, um dann neu zu überlegen, ob Sie bleiben? Die Wechselperiode dauert ja noch bis Ende August.

Klos: Mir geht es darum, mich direkt in die Anfangself zu spielen. Sollte es so kommen, dass ich alles versucht habe und der Trainer trotzdem nicht auf mich setzt, kann es natürlich sein, dass man sich noch einmal überlegt, was das Beste für alle ist. Das wäre sicher auch im Sinne des Vereins. Aber ich laufe nicht weg und scheue mich auch nicht vor dem Konkurrenzkampf. Doch ich will spielen, ganz klar. Mit einer dauerhaften Jokerrolle könnte ich mich nicht abfinden. Das entspräche nicht meinem Eigenanspruch.

 

Was bedeutet Arminia Ihnen?

Klos: Es ist vielleicht etwas für Fußballromantiker: Aber ich glaube, es ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich, dass jemand so lange bei einem Verein ist wie ich. In den sechs Jahren, die ich hier bin, ist Arminia mir extrem ans Herz gewachsen. Das gibt man nicht so einfach auf. Vieles wird nach der Vorbereitung klarer sein. Kann ich den Trainer überzeugen? Lässt der Trainer sich ein Stückweit auch auf mich ein?

 

Was müsste ein anderer Klub bieten können, um für Sie interessant zu sein?

Klos: Er müsste mich vor allem sportlich reizen. Insofern war ich über die eine oder andere mediale Spekulation schon überrascht. Zu Kaiserslautern oder Duisburg gab es nie einen Kontakt. Was bringt es mir, zu einem Verein zu wechseln, der mutmaßlich auch in erster Linie gegen den Abstieg spielen wird? In der 2. Liga gibt es maximal eine Handvoll Klubs, die interessant sein könnten.

 

Zählt Dresden dazu?

Klos: Ich werde keinen Klub kommentieren. Es gab in dieser Sommerpause ein paar lose Anfragen. Aber es lag bisher kein konkretes Angebot auf dem Tisch.

 

Wäre auch das Ausland eine Option?

Klos: Wenn man zum Beispiel über England spricht, spricht man gleichzeitig über ganz andere Gehälter als hier. Ich bin auch keine 23 mehr, sondern gehe auf die 30 zu. Sollte ein englischer Verein mit einem entsprechenden Angebot kommen, müsste man reden, zumal Arminia finanziell ja weiter nicht auf Rosen gebettet ist. Aber das soll nicht bedeuten, dass ich beim erstbesten Angebot aus England sofort weg wäre. Ich telefoniere auch nicht jeden Tag mit meinem Berater und frage ihn: Hast du einen Verein für mich?

 

Was bedeutet Ihnen die Kapitänsbinde?

Klos: Ich müssten lügen, wenn ich sagen würde, dass mir die Binde nichts bedeutet. Ich habe mir meine Rolle hier über Jahre erarbeitet. Ich habe gelesen, dass der Trainer den Kapitän im Laufe der Vorbereitung bestimmen möchte. Wenn er zu der Überzeugung kommt, dass ich für das Amt weiter der Richtige bin, würde ich es gerne weiter ausüben. Wenn nicht, müsste ich das genau so akzeptieren, wie ich in der Vorsaison meinen Bankplatz akzeptiert habe. Man sollte so ein Amt aber auch nicht unterschätzen. Julian Börner hat es in den letzten Spielen der Vorsaison super gemacht, dabei hatte er natürlich meine Unterstützung. Das Amt ist eine Riesen-Ehre, aber es gibt auch manchmal unangenehme Seiten.

 

Hat sich das Verhältnis zu Ihren Mitspielern und umgekehrt durch Ihre Jokerrolle, die Sie öffentlich klaglos akzeptierten, am Saisonende verändert?

Klos: Ich habe diese Rolle nicht nur öffentlich klaglos akzeptiert, ich habe auch intern keinen Mucks gemacht. Es gab kein schlechtes Wort von mir. Im Gegenteil. Ich habe meinen Sturmkonkurrenten Andreas Voglsammer sogar starkgeredet. Ich hatte an meiner Situation zu knabbern, aber ich habe das mit mir ausgemacht und nicht in die Kabine getragen. Ich glaube, dass mein Verhalten meine Position innerhalb der Mannschaft eher gestärkt als geschwächt hat.

 

Finden Sie, dass Ihnen nach sechs Arminia-Jahren von allen der Respekt und die Wertschätzung entgegengebracht werden, die Sie verdienen?

Klos: Ich verlange nicht, dass mir hier der rote Teppich ausgerollt wird. Im Fußball sind eben nicht alle Romantiker. In den Führungsetagen gibt es Leute, die in erster Linie an den Verein denken müssen. Und dazu gehört auch zu schauen, welche Ablöse man für einen Spieler generieren könnte. Insbesondere gilt das für einen Klub wie Arminia. Mir ist wichtig, dass ein Großteil der Fans weiß, was er an mir hat, und dass ich in den sechs Jahren hier jeden Tag mein Herzblut in den Klub gepumpt habe. Wenn die Fans in den sozialen Medien zuhauf schreiben: ‘Bitte bleib hier’, dann freut mich das, weil es für einen Fußballer nichts Schöneres gibt.

Kommentare

Bleibt Klos ??

Das ist wirklich vorbildlich, wie sich F. Klos verhält.
Das der Kader jetzt deutlich reduziert wurde und
Saibene vielen jungen Spielern vertraut finde ich super. Hoffentlich hat er das nötige Glück bei den
Spielen und wir krebsen nicht wieder am Tabellenende rum. Der Start wird wichtig sein, ein
Aufsteiger am Anfang ist nicht so toll. Die Regensburger leben noch von ihrer Aufstiegseuphorie und das macht sie gefährlich.

Was wäre wenn...

... Kramny mit Klos hätte weiter machen dürfen?
Jeff nicht gekommen wäre? Die Systemumstellung nicht funktioniert hätte?
Ganz einfach, dann wären wir jetzt absolut pleite und in der 3. Liga. Oder vielleicht auch wie 1860 in der Regionalliga. Ich wünsche Klos, das er seine Ziele erreicht. Es wird aber schwer für ihn einen Stammplatz zu bekommen. In England könnte ich mir ihn richtig gut vorstellen.

Selbstreflexion

Sich objektiv zu beurteilen ist ein hoher Anspruch. Ein gesundes Selbstbewußtsein aber nötig, wenn man im Leben Erfolg haben will. Allerdings muß man auch akzeptieren, in bestimmten Bereichen limitiert zu sein. Dies trifft auch auf Fabian Klos zu. Jeff Saibene bevorzugt einen beweglichen Stürmertyp mit einer gewissen Grundschnelligkeit. Beide Attribute erfüllt Fabian Klos nicht und beide Defizite lassen sich aus meiner Sicht auch nur bedingt trainieren. Somit teile ich den Glauben von Fabian Klos nicht, er könne unter Saibene zum Stammspieler aufsteigen. Mehr als die Jokerrolle wird für ihn nicht zur Verfügung stehen.

Lieber Klos statt Saibene

Ich bin der Meinung, daß so ein Spieler wie Klos, der seit 6 Jahren seine Knochen hinhält, immer seine Leistung gebracht hat, wichtiger ist als Saibene. Der ist Weihnachten wieder weg, hat dann nur Chaos in den Verein gebracht, und freut sich dann, das er hier für seine Unfähigkeit viel Geld erhalten hat. Das er weiß, das er hier nicht alt wird, sieht man daran, daß seine Familie nicht mitkommt. Bloß Arabi und Laufer erkennen solche Zeichen nicht

Klingt sehr gut

Worte sind ja oft genug Schall und Rauch, aber dem Fabian Klos nehme ich ab, was er in dem Interview sagt. Er hat oft genug auf dem Platz bewiesen, dass Arminia für ihn nicht einfach nur ein Arbeitgeber ist. Wir sollten uns alle wünschen, dass es mit ihm so weitergeht, wie er es sich selbst erhofft. Es könnte eine sehr gute Saison werden (sofern die Qualität der Neuzugänge den Hoffnungen entspricht).

5 Kommentare

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