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Mi., 12.07.2017

Trainingslager, Tag 9: Arminia-Trainer im großen Interview Saibene: »Es kann ja nicht mein Ziel sein, dass Fabian Klos nicht spielt«

Trainer Jeff Saibene (links) während des Trainingslager des DSC Arminia Bielefeld in Zell am See.

Trainer Jeff Saibene (links) während des Trainingslager des DSC Arminia Bielefeld in Zell am See. Foto: Thomas F. Starke.

Von Dirk Schuster

Zell am See-Kaprun (WB). Arminia Bielefeld kehrt am späten Donnerstagabend aus dem Trainingslager in Österreich zurück. Vor der Abreise nahm sich Jeff Saibene, Trainer des Fußball-Zweitligisten, Zeit für ein ausführliches Interview. Mit Redakteur Dirk Schuster sprach er über die Wichtigkeit eines guten Arbeitsklimas, Fabian Klos’ neuen Stil und warum er unzufrieden wäre, sollte Arminia in den kommenden Jahren keine Spieler verkaufen.

Herr Saibene, was läuft schon gut, was muss noch besser werden?

Saibene: Dafür, dass wir erst seit gut zwei Wochen im Training sind, sind wir schon sehr weit. Das hat man in den Testspielen gesehen. Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wie schreitet die Integration der Neuzugänge voran?

Saibene: Perfekt. Ich habe das Gefühl, dass sie schon seit Monaten da sind.

Morgen in einer Woche steigt daheim gegen Norwich City der letzte Test. Werden die Fans dann jene Elf zu sehen bekommen, die acht Tage später auch zum Saisonstart gegen Regensburg auflaufen wird?

Saibene: Weitestgehend wird gegen Norwich jene Elf spielen, die man dann auch für den Auftakt im Kopf hat. Allerdings bleibt auch danach ja noch etwas Zeit, und der Konkurrenzkampf ist eng.

Wie weit sind Ihre Gedankengänge hinsichtlich der neuen Stammelf zum jetzigen Zeitpunkt schon fortgeschritten?

Saibene: Nicht sehr weit. Es bleiben noch zweieinhalb Wochen. Alle sind sehr motiviert. Ich finde die Stimmung im ganzen Verein unglaublich positiv.

An den Testspieltagen haben Sie von einer kräftezehrenden Trainingseinheit am Vormittag abgesehen, damit die Spieler für die Partie am Nachmittag frisch sind. Viele Trainer machen genau das Gegenteil. Was steckt bei Ihnen dahinter?

Saibene: Für viele ist das neu, aber für mich hat sich das sehr bewährt. In Thun hatte ich einen Athletiktrainer, von dem ich sehr viel gelernt habe. Das probiere ich hier umzusetzen. Das große Thema ist die Intensität, und die ist in vielen Einheiten sehr, sehr hoch. Wir arbeiten viel mit Ball, aber auch das sehr intensiv. Es gibt keine Pausen. Wenn wir am Freitag zum ersten Mal wieder in Bielefeld trainieren, dann haben die Jungs drei Wochen lang keinen freien Tag gehabt. Aber Samstag und Sonntag ist es dann so weit.

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Ich finde, Samir hat einen super Job gemacht.

Jeff Saibene

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Sind Sie mit der Breite des Kaders zufrieden?

Saibene: Nimmt man die Jungen heraus, dann haben wir zurzeit 19 Feldspieler. Das ist eigentlich wenig. Aber ich finde das super. Ich hole im Training lieber zwei, drei Nachwuchsspieler dazu, um auch die an den Profibereich heranzuführen. In der Vorsaison hatten wir 23, 24 Feldspieler. Das hat mich sehr viel Energie gekostet, weil zum Beispiel Sebastian Schuppan auf die Tribüne musste oder Manuel Junglas. Das macht mir keinen Spaß. Das werden wir jetzt nicht mehr haben. 

Wer hat die neuen Spieler ausgesucht?

Saibene: Wir entscheiden immer alles zusammen, nie unser Sport-Geschäftsführer Samir Arabi oder ich alleine. Wir haben mit dem ganzen Trainerteam plus den Scouts alles zusammen entschieden. Wir haben interessante Spieler gemeinsam auf Video angeschaut und eine Prioritätenliste erstellt. Es sind fast alle Spieler gekommen, die wir wollten. Das gibt es selten. Ich finde, Samir hat einen super Job gemacht. Zum Trainingsauftakt war der Kader schon fast komplett. Ich werde nie ein Alibi suchen. ich bin sehr zufrieden mit dem Kader. Jetzt müssen wir das Beste daraus machen.

Sie haben Linksverteidiger Mert Cingöz (18) aus dem eigenen Nachwuchs mitgenommen, um ihn als Backup für Florian Hartherz zu testen. Welchen Eindruck haben Sie von ihm?

Saibene: Es tat ihm gut, hier dabei gewesen zu sein, um Erfahrungen zu sammeln. Aber um in der 2. Liga zu spielen, braucht es noch ein bisschen. Wir wollen ihn behutsam aufbauen. Ich denke, es wäre gut, für die Linksverteidigerposition noch einen Backup zu haben. Eine Notsituation haben wir allerdings nicht, da sowohl Stephan Salger als auch Nils Teixeira ebenfalls auf dieser Position spielen können. Ich würde mir aber nicht den Kopf zerbrechen, wenn wir so zusammenblieben.

Es heißt, Anthony Jung von RB Leipzig, der in der Vorsaison an den Erstligisten FC Ingolstadt ausgeliehen war, sei ein Kandidat?

Saibene: Er ist einer von vielen interessanten Kandidaten. Man muss schauen, was finanziell möglich ist und ob so ein Spieler überhaupt in die 2. Liga will.

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Aber ich will auch Spieler entwickeln und sie verkaufen, damit Geld reinkommt.

Jeff Saibene

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Spricht man mit den neuen Spielern, sagen nahezu alle, dass sie bei Arminia »den nächsten Schritt« machen wollen.

Saibene: Das ist meine Aufgabe – und vor allem auch mein Ziel. Mein Ex-Klub FC Thun hat voriges Jahr zwei Spieler verkauft, darunter im Januar Christian Fassnacht für 1,2 Millionen Euro an Young Boys Bern. Wenn Arminia in den nächsten Jahren keine Spieler verkaufen würde, wäre ich absolut nicht zufrieden. Natürlich möchte ich eine gute Mannschaft haben. Aber ich will auch Spieler entwickeln und sie verkaufen, damit Geld reinkommt. Das ist eines meiner großen Ziele, denn ich finde, auch das zeichnet einen guten Trainer aus. Ich kann die Spieler nur begleiten und probieren, ihnen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen und in dem sie gute Leistungen abrufen können. Dazu gehören aber auch konsequente Entscheidungen, die auch mal wehtun.

Gibt es einen der neuen Spieler, auf den Sie besonders gespannt sind?

Saibene: Andraz Sporar kenne ich gut aus Basel. Dort hat er in einem System mit nur einer Spitze gespielt. Er hatte starke Konkurrenten vor sich wie Seydou Doumbia und Marc Janko. Andraz war die Nummer drei, kam wenig zum Einsatz, war zudem viel verletzt. Aber ich bin überzeugt von ihm. Auch wenn er in der Vorbereitung noch nicht viele Tore geschossen hat, denke ich, dass er für die Spieler um ihn herum sehr wichtig ist. Auf ihn, aber auch auf die anderen bin ich sehr gespannt. Alle, die jetzt da sind, haben etwas Spezielles.

Fabian Klos wirkt so, als hätte er sich viel vorgenommen.

Saibene: Ein Defensivverhalten, wie er es im Moment an den Tag legt, habe ich bei Fabi noch nie gesehen. Was mich beeindruckt: Er sucht die Fehler ausschließlich bei sich. Ich habe lange mit ihm geredet. Er sagte: Trainer, ich muss mich verbessern, ichmuss meine Ernährung umstellen, ichmuss das umsetzen, was Sie von mir verlangen. Ichmuss mehr laufen. Dafür, wie er das auf dem Platz umsetzt, kann ich ihn nicht genug loben. Aber es sind erst zwei Wochen der Vorbereitung herum. Er muss so weitermachen – und wir begleiten ihn dabei. Er ist so beliebt in Bielefeld, er ist Kult, er hat so viele Tore geschossen – es kann ja nicht mein Ziel sein, dass Fabian Klos nicht spielt. Aber es gab Gründe dafür, dass er am Ende der vergangenen Saison nicht gespielt hat. Und er hat sich damit befasst. Er hat zu Hause Videos unserer Spiele angeschaut und sich gefragt: Was muss ich machen, damit ich wieder spiele? Ich hoffe, dass er den Trend in den nächsten Wochen bestätigt. Dann wird er für uns eine Riesenwaffe.

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Marco hat Humor. Er ist eine Persönlichkeit. Ich bin froh, dass er da ist.

Jeff Saibene

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Der Punkteschnitt in den bisher neun Partien unter Ihrer Regie beträgt 1,6 pro Partie. Von den Stammspielern der Vorsaison ist nur Reinhold Yabo nicht mehr da. Punktet Arminia in der neuen Saison nahtlos so weiter?

Saibene: Nimmt man die letzten zehn Saisonspiele – also auch das gewonnene gegen Kaiserslautern unter Interimstrainer Carsten Rump – zum Maßstab, dann waren wir in diesem Zeitraum die fünftbeste Mannschaft der Liga. Nur Stuttgart, Hannover, Braunschweig und St. Pauli waren besser. Das ist kein Zufall. Wir haben eine gute Basis, um eine erfolgreiche Saison zu spielen. Es fängt natürlich alles wieder bei Null an, aber ich habe ein gutes Gefühl.

Wenn jetzt noch ein Angebot beispielsweise aus England für, sagen wir, Julian Börner auf den Tisch flattern würde, würden Sie dann jetzt noch zustimmen?

Saibene: Nein. Wenn einer unserer Spieler in einer Partie drei Tore schießt und ein Klub bietet sechs Millionen Euro, dann wäre das vielleicht etwas anderes. Aber es ist nicht unser Ziel, noch jemanden abzugeben.

Henri Weigelt (19) hat beim 0:1 im Test gegen FK Ufa in der Innenverteidigung überzeugt. Würden Sie ihm zutrauen, so eine Qualität im Ernstfall auch konstant über einen längeren Zeitraum abzurufen?

Saibene: Absolut. Ich finde, dass er gegen Ufa ein sehr gutes Spiel gemacht hat. Die anderen drei Innenverteidiger – Julian Börner, Stephan Salger und Brian Behrendt – sind erfahrener. Aber wenn einer oder mehrere dieser drei gesperrt oder verletzt wären, würde ich Henri ohne mit der Wimper zu zucken bringen.

Demnach dürfte Ihnen die Torwartposition mit den drei jungen Ortega Moreno (24), Rehnen (20) und Gaye (19) ebenfalls wenig Kopfschmerzen bereiten.

Saibene: Für sie gilt dasselbe. Natürlich ist Ortega Moreno schon etwas weiter als die anderen. Aber auch bei Nikolai und Baboucarr hätte ich null Bedenken.

Torwarttrainer und Rückkehrer Marco Kostmann ist der einzige Neuling in Ihrem Trainerteam. Wie passt er hinein?

Saibene: Ich kannte ihn nicht, aber er passt als Typ super ins Team. Marco hat Humor. Er ist eine Persönlichkeit. Ich bin froh, dass er da ist.

Haben Sie in Bielefeld inzwischen eine Wohnung gefunden?

Saibene: Ja, wenn wir nach Hause kommen, müsste sie bezugsfertig sein.

Sie hatten im Trainingslager Besuch von alten Freunden aus der Schweiz, mit denen Sie beim FC St. Gallen zusammenarbeiteten. Alle haben Sie als Mensch und auch als Chef in den höchsten Tönen gelobt. Ist es ein Ziel, nirgendwo verbrannte Erde zu hinterlassen?

Saibene: Ich finde es schon schön, dass es so ist. Am liebsten wäre es mir, erfolgreich zu sein und gleichzeitig einen guten Umgang zu pflegen, sodass sich jeder wohlfühlt, um gute Leistungen bringen zu können. Ich denke, das ist entscheidend.

 

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