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Fr., 04.08.2017

Sekt oder Selters: In DSC-Spielen fällt die Entscheidung oft am Ende Arminia zieht das Drama an

Andraz Sporars Treffer zum 2:1 gegen Regensburg war ein Beispiel für späte Wendungen bei Spielen von Arminia Bielefeld.

Andraz Sporars Treffer zum 2:1 gegen Regensburg war ein Beispiel für späte Wendungen bei Spielen von Arminia Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

Von Friedrich-Wilhelm Kröger

Bielefeld (WB). Wer seinen Fußball aufregend braucht, kann sich bedenkenlos Arminia zuwenden. Der Zweitligist versteht sich wie kein anderer auf Herzfrequenzsteigerungsspiele.

War der DSC beteiligt, ließ die Entscheidung fast in der Hälfte aller Begegnungen der vergangenen Saison bis zum Schluss auf sich warten. In 19 von 34 Partien fielen in den letzten zehn Minuten noch Tore, in 16 davon bedeutende. Arminia zieht das Drama an.

Heimspiel gegen Regensburg, 90. Minute: Sporar trifft zum 2:1

Den ersten Hinweis darauf, dies könne auch so bleiben, lieferte die Mannschaft gleich zu Beginn der neuen Saison. Andraz Sporar traf in der 90. Minute zum 2:1 gegen Jahn Regensburg. Da war sie wieder, diese Szene im vorletzten, letzten, allerletzten Moment, die die Bielefelder schon kennen.

Nicht immer mit einem Happyend. Spät, später, Arminia – das bedeutet eben auch: Sekt oder Selters. »Die 2. Liga ist ein Abnutzungskampf«, sagt Sportchef Samir Arabi, »da werden die Spiele erst am Ende entschieden«.

Dazu noch eine Statistik: Gleich 27 Arminia-Partien der Spielzeit 2016/2017 gingen unentschieden aus oder mit der Minimal-Differenz von einem Treffer. Nur zwei Resultate tanzten komplett aus der Reihe: das 0:4 in Düsseldorf, das 6:0 gegen Braunschweig.

Ein kurioses Eigentor des Würzburgers Diaz rettete dem DSC in der Nachspielzeit beim Einstand von Jeff Saibene einen Punkt. Foto: Starke

Heimspiel gegen Fürth, 92. Minute: Davari-Patzer führt zum 1:1

Dabei hat auch Trainer Jeff Saibene, seit März im Amt, schon ganz schön schwitzen müssen. Wer könnte jemals die bizarre Kerze vergessen, mit der Würzburgs Junior Diaz kurz vor Abpfiff den Saibene-Einstand rettete . Es war wohl eines der größten Dusel-1:1 der 2. Liga, leider blieb es nicht ohne gefühltes Gegenstück.

Der Fürther Ausgleich durch Serdar Dursun in der zweiten Minute der Nachspielzeit nach einem Abklatscher von DSC-Torwart Daniel Davari war ein brutaler Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt. »Das steckt mir immer noch im Hals«, räumt Saibene ein.

Der Trainer ist jetzt seit zehn Spielen da. Auch er kommt bereits auf acht Partien, in denen ab der 82. Minute hüben wie drüben Tore fielen. Seine Bilanz nach Punkten in dieser Phase: plus 1. Immerhin. Vor der Verpflichtung des Luxemburgers war das anders, da ließen die Bielefelder gegen Ende mehr Zähler liegen als sie holten.

Nicht immer gibt es ein Happy End. Gegen Fürth wurde in der Vorsaison ganz zum Schluss der Sieg verschenkt. Foto: Starke

Nur zwei von neun Last-Minute-Treffern zu Gunsten des DSC

Und mit der 90. Minute einschließlich Nachspielzeit haben sie offenbar einen Extravertrag abgeschlossen. Allein neunmal gab es in der vergangenen Saison sowie im ersten Spiel in dieser Saison Last-Minute-Treffer. Siebenmal waren sie essenziell, aber nur zweimal zu Gunsten des DSC. An der optimalen Gestaltung des Schlussakkords müssen die Arminen also arbeiten, gegen Regensburg war es ein guter Anfang.

»Ein sehr schöner Moment« sei das gewesen, sagt Saibene und prognostiziert auch für die Zukunft, dass es sehr oft sehr knapp zugeht: »So werden viele Spiele laufen.« In Bielefeld sieht es so aus, als sei Nervenstärke besonders unabdingbar. Gerade gegen den nächsten Gegner ist erhöhte Wachsamkeit angezeigt.

Als Saibene erfuhr, dass Greuther Fürth den DSC nicht nur beim letzten Alm-Auftritt bis ins Mark getroffen hatte, sondern auch beim Hinspiel mit dem 2:1 in der 90. Minute, da staunte er nicht schlecht. »Ausnahmesituationen« nennt er das. Die in Spielen mit Bielefelder Beteiligung fast die Regel sind.

Gegen St. Pauli dauerte es bis zur 93. Minute, ehe Fabian Klos den Ball zum glücklichen 1:1 über die Linie stocherte. Foto: Starke

Kommentare

Leider nicht mehr sichtbar

Letztes Jahr habe ich mich riesig über den Klassenerhalt von Arminia gefreut. Leider finde ich jetzt im Fernsehen keine Zusammenfassungen der 2t und 3t Ligaspiele mehr. Nur Internet ist mir auf Dauer zu wenig um emotional dabei zu bleiben. Schade, mit Arminia war es echt oft spannend!

Was heißt mentale Stärke im Fußball?

Auch die großen Finals der letzten Jahre waren häufig sehr eng und wurden oft erst spät entschieden. Das Wort ´Abnutzungskampf´ wurde in dem Zusammenhang oft verwendet. Gut an dem Artikel hier gefällt mir, dass zumindest andeutungsweise nicht nur die physische oder die „nervliche“ Komponente dieses Abnutzungskampfes angeführt wird, sondern auch die Bedeutung von „Wachsamkeit“, wie es hier genannt wird. Tatsächlich wird im Spitzensport in anderen Disziplinen, auch in Mannschafts-Ballsportarten, schon lange mit sportpsychologisch oder neurowissenschaftlich fundierten Methoden gezielt an Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit der Athleten gearbeitet. Phil Jackson z.B., einer der erfolgreichsten NBA-Trainer der jüngeren Zeit, wendet Praktiken der Achtsamkeit im Training an. Mich würde interessieren, ob und ggf. wie bei Arminia an Konzentration und Aufmerksamkeit gearbeitet wird.

Wahrnehmung

Während Arminia gefühlt fast immer den Kürzeren zieht, steht als Gegenbeispiel der "Bayerndusel". Tatsächlich gleichen sich solche Sachen statistisch fast immer aus. Fussball halt. Wenn da nur nicht diese Wahrnehmung wäre...

3 Kommentare

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