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Mi., 16.08.2017

Verhärtete Fronten – Arminias Finanzchef Meinke »gesprächsbereit« »Ultras« laden Vereine ein

Im Mai in Karlsruhe schlugen die Dresden-Fans über die Stränge. Dies sei eine »bewusste Provokation« gewesen.

Im Mai in Karlsruhe schlugen die Dresden-Fans über die Stränge. Dies sei eine »bewusste Provokation« gewesen. Foto: imago

Von Jens Brinkmeier

Bielefeld (WB). Kurz vor dem Start in die 1. Fußball-Bundesliga scheinen die Fronten zwischen großen Teilen der aktiven Fanszene sowie DFB, DFL und einigen Vereinen ex­trem verhärtet.

Für den 3. September hat eine »Ultra«-Vereinigung Vertreter aller 36 Erst- und Zweitligavereine per Mail zu einem Treffen nach Erfurt eingeladen. Arminia Bielefelds Geschäftsführer Gerrit Meinke erklärte gegenüber dem WESTFALEN-BLATT, er könne sich eine Teilnahme daran durchaus vorstellen. »Wir würden natürlich gerne wissen, was das Ziel dieser Zusammenkunft sein soll, was auf der Agenda steht. Aber grundsätzlich sind wir gesprächsbereit«, sagte Meinke.

Der 49-Jährige würde wohl mit Arminias Fanbeauftragtem Thomas Brinkmeier nach Erfurt fahren. Die Krawalle von Rostock waren für Meinke dabei kein Anlass, seine Gesprächsbereitschaft zurückzuziehen: »An meiner grundsätzlichen Haltung ändert sich nichts.« Fest zugesagt für das Treffen haben offenbar schon Union Berlin und Dynamo Dresden.

Gesprächsbedarf bei anderen Vereinen größer

Am Rande des Supercups zwischen Borussia Dortmund und Bayern München (5. August) habe er schon mit Geschäftsführerkollegen anderer Vereine über das Thema gesprochen, berichtete Meinke. »Grundsätzlich wollen wir uns der Thematik annehmen. Das gilt natürlich besonders, wenn unsere Fanszene Gesprächsbedarf sieht«, äußerte Meinke.

Arminias Finanzboss verwies aber auch darauf, dass es bei anderen Klubs deutlich mehr zu bereden gebe. So haben zum Beispiel die Ultras von Hannover 96 ihre Androhung am Wochenende wahr gemacht und im Pokalspiel beim Bonner SC auf Anfeuerung der eigenen Mannschaft verzichtet. In Hannover gibt es Proteste gegen die Übernahmepläne von Martin Kind, der sich zudem deutlich gegen die »Ultras« positioniert hat.

»Ultras« von Dynamo Dresden hatten am Ende der vergangenen Saison für Aufsehen und viel Kritik gesorgt, weil sie beim Auswärtsspiel in Karlsruhe in Camouflage-Outfits durch die Stadt marschiert waren; die Parole lautete »Krieg dem DFB«. Nach Auskunft der Gruppierung ging es ihr darum, durch diese »größtmögliche Provokation« auf Missstände aufmerksam zu machen. Es finde seit längerer Zeit keine Kommunikation mit dem DFB statt, die Basis werde aus den Augen verloren. Zudem wehren sich die »Ultras« gegen die Strafen (Stadionverbote, Zuschauerausschlüsse etc.) des DFB, die vor keinem ordentlichen Gericht standhielten.

Vertreter deutscher »Ultra«-Gruppen treffen DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch

»Wir brauchen vertrauensvolle Gespräche mit Personen, die uns ernst nehmen«, hofften die »Ul­tras Dynamo« Mitte Mai. Am 27. Juli gab es dann ein Gespräch zwischen etwa 50 Vertretern deutscher »Ultra«-Gruppen und dem DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch sowie dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Hendrik Große-Lefert in Dresden.

Koch berichtete auf seiner Facebook-Seite von diesem Treffen und widersprach in seinem Beitrag einem Bericht der »Bild«-Zeitung, er sei dort bedroht worden. »Ich habe, weil Vertraulichkeit vereinbart wurde, bis heute nichts zum Inhalt dieser Unterredung erklärt. Ich habe allen Medien gegenüber unter Hinweis auf die Vertraulichkeit des Gesprächs bislang jede Stellungnahme zum Treffen abgelehnt und deshalb auch zu keinem Zeitpunkt und an keiner Stelle erklärt, in diesem Gespräch persönlich bedroht worden zu sein. Übrigens auch deshalb nicht, weil ich gar nicht bedroht worden bin«, schrieb Koch.

Kommentare

Global-lokale Geldkreisläufe

Ja, je länger man sich mit diesem schmerzhaften Thema auseinandersetzen muss, um so mehr nervt es. Aber nur weil die Erkenntnis schmerzt. Es ist sonnenklar, dass die Geldkreisläufe zwischen dem "globalen Fussball" und dem unterklassigen nationalen Fussball bis runter in was für eine Liga auch immer nicht getrennt sind. Alle Effekte, die an der Spitze der Pyramide erzeugt werden (Blasen, Crashes etc.), haben weitreichende Folgen bis tief nach unten in der Pyramide. Und je mehr Kohle von Akteuren oben reingepumpt wird, umso heftiger wird es für alle. Ich sehe kein Ende der Fahnenstange, weil mittlerweile ganz andere Interessen im Spiel sind als unmittelbare Geschäftemacherei.

An der Nase herumgeführt

Tja, @Bielefeld1967.Was ist die Lehre aus der Leere bei einer anderen großen Bielefelder Zeitung ? Traue Deinen Mitmenschen immer einen gewissen Grad an Intelligenz zu, mit diesem Leitsatz fährt man besser. Wer das nicht befolgt, hat nach meiner Überzeugung nicht alle auf dem Kasten. Inzwischen muss man schon Werbung in eigener Sache betreiben mit dieser Verlinkerei. Nicht meine Sache. Für Transparenz, für ehrliche und FREIE Meinungsäußerung, alles für Arminia.

Wen interessiert der globale Fussball?

Wen interessiert es in Bielefeld wenn Uli aus München daher schwätzen tut?Und nach dem Experiment China gehts dann auf dem Mond weiter?Sollen sie weiter expandieren,weiter Kohle scheffeln...irgendwann ist die Fahnenstange dann doch zu Ende.Ich schaue schon lange keine CL mehr.Es interessiert mich nicht.Dieser Superquatschpokal hier nervt auch nur...sollen die großen ruhig ihre Weltliga spielen.Ich finde die zweite Liga hier extrem spannend und genau richtig für meinen Verein.Alles globale Drumherum ist eh zeitlich begrenzt,dieses Wunschdenken ist endlich und wird nicht funktionieren.Von daher,nur der DSC..

... aber schweigen ist Gold ...

13 Kommentare, der eingesessene Bielefelder sagt: Hier ist ja mehr los als auf dem Jahnplatz. In einer anderen Zeitung versucht man ja seit gestern, die "Ultra-Diskussion" wieder zu entfachen. Man liebt diese Themen, läuft dann ja alles von alleine. Selbst die Katja hat Diskussionsbedarf angemeldet. Und obwohl die Kommentare mittlerweile per copy+paste eingestellt werden könnten, da mehrmals im Jahr gleich kommentiert, kommt kein Gespräch auf. Da ist Kevin wohl allein zu Haus ;-)!
Ansonsten hat es heute Morgen in H um kurz nach acht Uhr begonnen zu regnen. Daher wurde wohl kurz danach ein neuer LIDL im Raum Hannover eröffnet: LangeweileInDenLeineauen muss das wohl zukünftig heißen. Warum dann Hartalm ("Das WB ist doch der nördlichste Bayernkurier), sich dann hier KaJa nennen muss, mag eines seiner wenigen Betriebsgeheimnisse sein, die noch offen sind. Gut, sind die Namenskürzel seiner Frau, woanders nennt sie sich D88, nun denn ... Zumindest wünscht man sich bei solchen "Internet-Hooligans" manchmal das Gewaltmonopol außerhalb des Staates. Auch ohne Pyro kann vieles in Brand gesteckt werden! Gelistete werden wissen, wie damit umzugehen ist. Alles für Arminia!!!

Die Unmöglichkeit, den Stöpsel auf die Flasche zu kriegen

Leider hat Beutelipper recht. Wie man den Stöpsel auf die Flasche des Kommerzes wieder draufkriegen soll, kann ich mir nicht mehr vorstellen. Financial Fairplay - dem ich eh nie so viel Wirkung zugetraut habe - wurde jetzt mit einem lächerlichen Manöver ausgetrickst. Um auf Uli Hoeneß´ Traum von den 300 Millionen Zuschauern in China zurückzukommen: wozu brauchen sie dann im Konfliktfall noch die Fans in Europa (in der EU leben m.W. ca. 550 Millionen Menschen)? Ja, nur eine weltweite Verweigerung würde helfen. Wahrscheinlichkeit: 0. Die WM in Katar wäre eine gute Gelegenheit. Leider erst in 5 Jahren. Bis dahin wird die Schraube noch weiter gedreht sein. Andererseits bliebe bis dahin Zeit, Protest zu organisieren. Wenn die Schlauen unter den Ultras doch ihre Energie nur anders einsetzen würden...

Ich möchte auf eine kritische Gruppe aufmerksam machen, die sich jüngst formiert hat, und denen die teilweise unschönen und abschweifenden Elemente der Ultras fehlen: FC Play Fair. 11 Freunde berichtete am 10.5.17, Spiegel Online am 5.6.17. Die haben aber sicherlich dafür keine street credibility in den Stadien.

Der Druck wächst...

Genau hier ist doch der springende Punkt.Ultras unterstützen maximal,sind erwünscht,solange alles in der Norm bleibt...der Wunsch nach legalen Pyros ist doch sichtbar.Wenn einem nicht zugehört wird,muss man sich das hart erarbeiten...nichts anderes sehen wir gerade.Einem Ultra ist die Zugehörigkeit,oder Liga egal,in der sein Verein kickt.Er ist immer da und supportet.Hooligans hauen geplant drauf,das ist ein kleiner,aber feiner Unterschied.Alle Aktionen im Pokal waren abgesprochen und den Ultras und so langsam dämmert es in Frankfurt.

@Block1

Über Pyrotechnik habe ich gar nichts geschrieben. Von mir aus sollen sie irgendwelche ungefährliche Sachen unter Aufsicht irgendwo abbrennen. Wenn ich nur glauben könnte, dass es dabei bleibt. Aber das ist nicht mein Thema, wird es auch nie sein. Wenn es so läuft, wie im Moment, ist es kriminell, gibt es andere Möglichkeiten, von mir aus.

Unter "Point of no Return" verstehe ich allein die Entwicklung im Fußball. Da wird es kein "Zurück" mehr geben, das ist sicher. Da würde nur weltweitere Verweigerung helfen, aber das ist unrealistisch. Wer eine WM nach Katar vergibt, der würde auch in Kauf nehmen, Bundesliga oder CL vor leeren Rängen zu spielen oder die Spiele ins Ausland zu verlagern, wenn die Einnahmen von woanders fleißen.

Die Fahnenstange ist sehr lang...

Point of no return ist noch lange nicht erreicht.Es war doch erst die erste Pokalrunde hier...Der DFB POKAL ist doch die Veranstaltung schlechthin für gemeinsame Aktionen der Ultras im Stadion.Dort sind alle oberen Ligen vertreten,da kann man sich präsentieren und EINIGKEIT vermitteln.An anderer Stelle wurde ein Bericht der Zeit empfohlen,zu diesem Thema.Dieser Empfehlung schließe ich mich gerne an.Mir war dieses Treffen in Dresden mit Koch und Co bekannt.Wenn Funktionäre nichts mehr sagen und nur noch zuhören,hat man schon etwas erreicht.Die Ultras haben sehr offen argumentiert und die erste Pokalrunde sollte dieser Argumentation genügend Ausdruck verliehen haben...Prompt kommt die positive Antwort von Grindel und Co...Kalte Fackel und Rauchtöpfe sind eine echte Alternative,ich habe es vor langer Zeit schon mal woanders erwähnt.Absolut ungefährlich und wird im Norden längst legal praktiziert.Abgesperrte Bereiche im Stadion und Gänsehaut ist garantiert bei Flutlichtspielen mit Choreo...

17 Kommentare

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