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Di., 29.08.2017

Arminia-Coach sieht sein Team nicht am Limit – Pause tut gut Saibene: »Wir werden noch besser«

Die Stimmung bei Arminia ist bestens. Trainer Jeff Saibene (Mitte) gönnt seinen Spielern freie Tage.

Die Stimmung bei Arminia ist bestens. Trainer Jeff Saibene (Mitte) gönnt seinen Spielern freie Tage. Foto: Thomas F. Starke

Von Jens Brinkmeier

Bielefeld/Berlin (WB). Die Belohnung für den hervorragenden Ligastart erfolgt nicht sofort, aber sie kommt. Arminia Bielefelds Trainer Jeff Saibene lässt seine Spieler noch bis einschließlich Freitagvormittag trainieren, die nächste Einheit steht dann aber erst wieder am Montagnachmittag an.

Saibene wird zu seiner Frau in die Schweiz reisen, und auch seine Spieler sind froh über die Auszeit in der Länderspielpause. »Unsere Spielweise ist sehr kraftraubend, da tut die Pause gut«, sagte Rechtsverteidiger Florian Dick nach dem  hart erkämpften 1:1 am Sonntag beim Aufstiegskandidaten Union Berlin.

Startrekord aus der Saison 2000/01 verpasst

Zehn Punkte haben die Bielefelder, die in der Vorsaison nur ganz knapp dem Abstieg in die 3. Liga entgingen, aus den ersten vier Spielen geholt. Zwar wurde der Startrekord aus der Saison 2000/01 (vier Siege am Stück) verpasst und die Tabellenführung eingebüßt, doch das störte keinen Arminen.

Jeff Saibene hatte schon vor dem Spiel in Berlin geäußert, er wolle unabhängig vom Ergebnis eines: »Die Leute sollten sehen, dass wir nicht zufällig oben stehen. Das war mir extrem wichtig. Es war nicht so, dass wir 0:4 untergegangen sind und keinen Ball gesehen haben. Nein, jetzt haben wir sogar auch noch einen Punkt in Berlin geholt. Das war ein super Auftritt«, sagte der Coach erfreut.

Der Luxemburger kann eine Topbilanz vorweisen. Seit seinem Dienstantritt am 20. März hat er mit dem DSC von 13 Ligaspielen nur eines verloren. Sechs Partien wurden gewonnen, sechs endeten unentschieden. Das entspricht einem Punkteschnitt von 1,85.

Was derzeit noch viel wichtiger ist: Nach nur vier Saisonspielen hat Arminia bereits ein Viertel der für den sicheren Klassenerhalt nötigen Zähler gesammelt. Der Vorsprung auf den drittletzten Platz beträgt sieben Punkte.

»Ich habe keine Müdigkeit gesehen«

Das Spielsystem des Trainers (hohes Verteidigen, Pressing) verlangt seiner Mannschaft einiges ab. »Die Mannschaft bringt viele Opfer, alle laufen sehr viel«, erklärte der Coach und nannte als Beispiel Fabian Klos. Der Stürmer laufe im Schnitt etwa 11,5 Kilometer pro Spiel, »früher waren es 8,5«.

Dass der hohe Aufwand zu Problemen führen könne, schloss Saibene aus. »Ich habe überhaupt keine Bedenken, die Jungs sind fit. Ich habe keine Müdigkeit gesehen«, sagte der 48-Jährige und schob im Brustton der Überzeugung nach: »Wir werden mit den weiteren Spielen immer besser werden.«

Das klang wie eine Mischung aus Zuversicht, Selbstvertrauen und Warnung an die Konkurrenz an der Spitze. Doch klar ist: Der Klassenerhalt steht über allem. Und da macht die Statistik Hoffnung: Noch nie ist eine Mannschaft nach so einem guten Saisonstart abgestiegen.

Nächstes Ligaspiel gegen den MSV Duisburg

Das nächste Ligaspiel des DSC ist am 9. September (13 Uhr) die Heimpartie gegen Aufsteiger MSV Duisburg. Saibene geht davon aus,  dann auch wieder auf Abwehrchef Julian Börner (Kapselverletzung) bauen zu können . Ebenso hofft der Trainer auf Mittelfeldspieler Tom Schütz, der aufgrund seiner Achillessehnenprobleme noch gar nicht zum Einsatz gekommen ist.

Außerdem sollen angeschlagene Spieler wie Manuel Prietl, Florian Dick und Florian Hartherz in der Länderspielpause kürzertreten. Um dann ausgeruht in den September starten zu können, in dem mindestens vier Punktspiele anstehen (die Partie in Nürnberg ist noch nicht terminiert).

Zwei Arminen haben übrigens keine Pause. Neuzugang Andraz Sporar tritt mit Slowenien in der WM-Qualifikation an: Am Freitag müssen die Slowenen in der Slowakei bestehen, am Montag folgt das Heimspiel gegen Litauen. Sören Brandy kehrt derweil schon am Samstag nach Berlin zurück. Er nimmt am Abschiedsspiel der Ex-Unioner Torsten Mattuschka und Karim Benyamina teil.

Die Verletzung, die sich Unions Stürmer Sebastian Polter gegen Arminia zuzog, erwies sich als Rückenprellung. Zunächst war eine Nierenquetschung befürchtet worden.

Kommentare

Nach oben bitte

Vor mir aus kann es gerne weiter nach oben gehen. Letztlich ist eine Entschuldung wohl nur in der Bundesliga möglich. In diesem Jahr scheint es keinen Überflieger in Sachen Aufstieg zu geben und das sollte man durchaus im Auge behalten. Auch wenn ich bisher die 10 Punkte als erstes Viertel des Klassenerhaltes ansehe, so sollte man doch Ziele ins Auge fassen, die den Club nach vorne bringen. Der kleinere Kader ist m.E. hier bestimmt ein positiver Aspekt. Jeder Spieler hat die Chance sich im Training zumindest auf die Bank zu spielen. Die Frustration der Dauertribünengäste sollte somit der Vergangenheit angehören. Der Teamgeist gehört für mich zu den entscheidenden Faktoren. Dieser Spirit zeichnete die Aufsteigermannschaft mit den Pokalsensationen aus, doch er ging dann irgendwann verloren. Im letzten Jahr war für mich davon über lange Phasen nichts zu erkennen. Das scheint sich nun wieder geändert zu haben und dieses ist ganz sicher ein Verdienst des Trainerteams. Die Mannschaft hat nun über vier Spieltage vorgelegt und ich fände es wünschenswert, wenn auch die Zuschauerzahl nun dem neuen Geist Rechnung tragen würde. Warum nicht einfach mal eine neue Bestmarke setzen und den kalkulierten Schnitt um 2.000 pro Spiel übertreffen?

Nicht den Blick verstellen lassen

Der Kader des DSC war in der Saison 16/17 nur bedingt zweitligatauglich und spielerisch limitiert. Diese Feststellung ist nicht respektlos, sondern beschrieb den damaligen Istzustand.Spieler wie Schuppan, Görlitz Junglas und Hesl wurden dem Anspruch der 2.Liga nicht gerecht.Und auch z.Zt. gibt es Leute, die spielerische Defizite aufweisen. Aber eben nicht mehr so viele, wie in der letzten Saison. Und da der Verein finanziell keine großen Sprünge machen kann, wird der Kader erst in der Saison 18/19 qualitativ weiter verbessert.Ulm, Brandy und Hartherz werden die nächsten Kandidaten sein, die ensprechende Plätze frei machen werden. Und sollte Saibene seinen Vertrag in Bielefeld erfüllen, glaube ich, dass Arminia 2019 um den Aufsteig mitspielen wird.

Wo soll das denn hinführen?

"Wir werden noch besser". Wo soll das denn hinführen? Zum Aufstieg? Oder eher zum Übermut? Gründe zum Übermut gibt es nicht und passt auch nicht zum Charakter der Mannschaft. Aber das Team ist doch schon so viel stärker wie in der letzten Saison. Ist das wirklich noch die "limitierte" Truppe der letzten Jahre, wie sie einige Anhänger respektlos betitelt hatten? Oder waren es die vorherigen Trainer?

Ich denke, es wurde an den richtigen Stellschrauben in den Köpfen gedreht. Dazu kam in den ersten vier Spielen das nötige Quentchen Glück dazu. Und den kleinen Kader nicht zu vergessen: dadurch hat jeder Spiele die Chance auf Einsatzzeiten. Das motiviert noch einmal ein Stückchen.

Es könnte mal wieder eine ruhige Saison ohne Zittern geben. Oder etwa doch nicht? Müssen wir vielleicht am Ende der Saison doch zittern? Etwa um den Aufstieg? Arminia ist nicht normal. Da kann alles passieren!

3 Kommentare

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