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Mo., 11.09.2017

0:4 – Aufsteiger Duisburg holt Bielefeld in die Realität zurück »Das hatte mit Profifußball nichts zu tun«

Julian Börners Blick geht ins Leere. Für ihn und die anderen Arminen heißt es nun: Mund abputzen, weitermachen.

Julian Börners Blick geht ins Leere. Für ihn und die anderen Arminen heißt es nun: Mund abputzen, weitermachen. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Dem Höhenflug folgt die Bruchlandung: Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld ist knallhart auf dem Boden der Realität aufgeschlagen. Bei der krachenden 0:4 (0:1)-Klatsche am Samstag gegen den MSV Duisburg bot der DSC wie berichtet eine desolate Darbietung. Sport-Geschäftsführer Samir Arabi schimpfte: »Das hatte mit Profifußball nichts zu tun.«

Dabei waren die Ostwestfalen nach zuvor zehn Zählern aus den ersten vier Partien voller Zuversicht in das Spiel gegen den Aufsteiger gegangen. »Wir strotzen vor Selbstvertrauen«, hatte Trainer Jeff Saibene noch am Donnerstag gesagt.

Wie schmal der Grat zwischen Selbstvertrauen und einem Anflug von Überheblichkeit ist, erfuhr der Coach dann leidvoll gegen Duisburg. »Wir dürfen nie das Gefühl haben, es geht von alleine«, mahnte Saibene und sprach von einem »Einstellungsproblem« bei seinen Profis: »Ich hoffe, dass das einmalig war.«

Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten, Präzision – ungenügend

Natürlich ahnt der 48-Jährige, dass nach den nun folgenden Auswärtsspielen am Sonntag in Darmstadt (Sonntag 1:2 gegen Bochum) und am darauffolgenden Mittwoch in Dresden aus dem ausgezeichneten Saisonstart schnell ein durschnittlicher geworden sein könnte.

»Wir wollen vor den beiden nächsten Spielen den Teufel jetzt nicht an die Wand malen. Aber so wie wir gegen Duisburg gespielt haben, geht es auf keinen Fall. In Sachen Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten, Präzision und Passspiel war das absolut ungenügend. Wenn Arminia ohne Leidenschaft, ohne Biss spielt, sind wir ganz schnell wieder unten in der Tabelle«, warnte Saibene.

Arminia sieht bei allen vier Gegentreffern nicht gut aus

Dagegen war Duisburgs Trainer Ilia Gruev gut gelaunt. »Wir haben richtig gut gespielt und verdient gewonnen«, sagte der Bulgare. Gleichwohl wusste Gruev natürlich auch, dass die Ostwestfalen seinen Spielern bei allen vier Treffern teils erheblich unter die Arme gegriffen hatten.

Beim 0:1 spielte Florian Dick einen völlig missglückten Rückpass auf Torwart Stefan Ortega Moreno, der für die Duisburger Stanislav Iljutcenko und Moritz Stoppelkamp (19. Minute) zur Vorlage geriet. Beim 0:2 gab Florian Hartherz nur den Zuschauer, als sein Abwehrkollege Julian Börner sich im Duell mit Oliveira Souza Cauly (55.) schwer verhedderte. Beim 0:3 griff den Brasilianer Cauly (59.) gar keiner mehr an.

Und beim 0:4 liefen in Simon Brandstetter und Kingsley Onuegbu (90.) gleich zwei Meidericher allein auf den bemitleidenswerten Ortega Moreno zu, um Arminia den Rest zu geben. Trotz des Kantersieges sagte Gruev: »Wir bleiben bescheiden.« Ein Satz wie eine Steilvorlage für Saibene, der meinte: »Eine Bescheidenheit zu zeigen wie zuvor, wird uns gut tun.«

Aufmunternder Beifall von der Südtribüne

Dass bis auf Ortega Moreno und mit Abstrichen Patrick Weihrauch kein Armine seine Form auch nur annähernd erreichte, spricht dafür, dass der Höhenflug zu Serienbeginn das nahezu gesamte Team überfordert hat.

Arabi: »Jeder Einzelne muss sich hinterfragen, was er da auf den Platz gebracht hat. Mit so vielen Ausfällen sind wir nicht konkurrenzfähig. Dem einen oder anderen werden wir deutlich sagen, dass es so nicht geht. Es scheint, als hätten einige in der Länderspielpause den Knopf aus-, aber nicht wieder angemacht.«

Trotz der Pleite gab es für die Arminen von der Südtribüne sogar aufmunternden Beifall. »Wir verlieren 0:4 gegen einen Aufsteiger und die Fans applaudieren trotzdem. Das ist nicht selbstverständlich«, erkannte Kapitän Börner, der meinte: »Es gibt nichts schönzureden. Wir sind einfach noch nicht da, wo wir nach dem vierten Spieltag schon standen.« Zwar fielen die Ostwestfalen nur um einen Rang auf Position vier zurück, gefühlt war es jedoch ein Erdrutsch.

Pleite ein reinigendes Gewitter

Neben Börner gab auch der eingewechselte Mittelfeldspieler Tom Schütz nach einer Verletzungspause sein Comeback. Im Hinblick auf das Darmstadt-Spiel wird der 29-Jährige wieder eine echte Alternative für die Startformation sein. Stürmer Fabian Klos, der gegen Duisburg nach einem Foul von Torwart Mark Flekken nur 54 Minuten durchhielt, dürfte Klubangaben von Sonntag zufolge ebenfalls einsatzbereit sein.

Saibene hofft, dass das 0:4 ein reinigendes Gewitter war: »Mir ist es lieber, alle haben zusammen mal einen schlechten Tag. Jetzt sind wir mal gut durchgeschüttelt worden.«

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