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Mi., 15.11.2017

Braunschweig-Trainer Lieberknecht über Verletzte, Erwartungen und das 0:6 in Bielefeld Lieberknecht: »Da gibt es kein Jammern«

Torsten Lieberknecht (44) trainiert Zweitligist Eintracht Braunschweig schon seit dem 12. Mai 2008.

Torsten Lieberknecht (44) trainiert Zweitligist Eintracht Braunschweig schon seit dem 12. Mai 2008. Foto: dpa

Bielefeld (WB). Während seine Spieler im Kraftraum schwitzten, begab sich Torsten Lieberknecht aufs Laufband. Danach nahm sich der Trainer von Eintracht Braunschweig Zeit für ein Telefoninterview und sprach vor dem Zweitligaspiel am Freitag bei Arminia Bielefeld (18.30 Uhr, Schüco-Arena) über das 0:6 im Mai , die Ex-Arminen in seinem Team, falsche Erwartungen und das Wiedersehen. Die Fragen stellte Jens Brinkmeier.

Herr Lieberknecht, wir wären am Freitag zu gerne bei Ihrer Ansprache kurz vor dem Spiel dabei. Sagen Sie einfach nur: »Null zu sechs« und schicken Ihre Spieler dann auf den Platz?

Torsten Lieberknecht: Nein, das wäre der komplett falsche Ansatz. Nach der herben Niederlage mussten wir ja auch weiter unserem Ziel nachgehen. Wir hatten noch die Möglichkeit, mit einem guten Ergebnis gegen Karlsruhe, vielleicht doch noch auf diesen Aufstiegszug aufzuspringen. Damals ging es darum, die Jungs auf den nächsten Gegner zielgerichtet vorzubereiten. Das ist uns gegen Karlsruhe gelungen, wir haben das Spiel gewonnen und hatten die Niederlage damit aus den Köpfen. Danach mussten wir trotzdem in die Relegation. Aber das ist Vergangenheit. Jetzt ist es ein neues Spiel in der neuen Saison.

 

In der Relegation hatten Sie gegen Wolfsburg knapp das Nachsehen. Lag das auch noch an den Nachwirkungen des 0:6?

Lieberknecht: Nein. Man hat ja gesehen, woran es lag. Wir haben trotz der vielen guten Möglichkeiten in beiden Begegnungen kein Tor geschossen und in Wolfsburg unglücklich verloren. Jeder hat gesehen, dass es einen sehr unglücklichen Elfmeter gegen uns gab. Zu Hause haben wir in der ersten Halbzeit fantastisch gespielt, das hatte also gar nichts mehr mit dem 0:6 zu tun. Natürlich hat das Spiel in Bielefeld damals bei uns zwei, drei Tage nachgewirkt. Es war die große Herausforderung für mich als Trainer und auch für die Mannschaft, uns zu schütteln und zu zeigen: Wie geht man damit um? Wir haben in den vergangenen Jahren nie so eine herbe Niederlage einstecken müssen. Dann kam sie eben zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Aber wir haben danach wieder zu uns gefunden, und gegen Wolfsburg dann auszuscheiden tut zwar auch weh, aber das ist jetzt alles abgehakt.

»Ich bin vorwärts gerichtet«

Wie gehen Sie mit solchen Enttäuschungen um?

Lieberknecht: Ich bin grundsätzlich immer vorwärts gerichtet. Niederlagen gehören zum Sport dazu. Aber die sind bei mir immer motivierend. Es geht eben darum, das nächste Spiel anzugehen. Wenn man mit einer Mannschaft mitfühlt und nah bei seinen Spielern ist – jeder ist ja unterschiedlich in dem, wie er die Niederlage verarbeitet –, ist es immer eine Herausforderung. Für mich ist es kein Thema, Trübsal zu blasen.

 

Vor der Saison wurde Eintracht als Aufstiegsmitfavorit gehandelt. Nach 13 Spieltagen belegen Sie mit 17 Punkten Platz 10. Waren die Erwartungen falsch, der Druck zu hoch oder hatten Sie einfach zu viele Verletzte?

Lieberknecht: Da müssen Sie die fragen, die diese Erwartungen haben. Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Wir gehen immer mit einer sehr gesunden Einstellung in eine Zweitligasaison. Wir wissen, dass gerade in diesem Jahr die Reihen auch wieder sehr, sehr eng sind. Jedes Spiel wirkt noch ausgeglichener. Von daher ist es für mich kein Thema, wer uns da wo hin hievt. Das ist alles Jux und Tollerei, Stammtischparolen. Das ist ja ein schon Pawlowscher Reflex, den haben wir jedes Jahr: Der Absteiger ist gleich der Aufstiegsfavorit. Der Aufsteiger will 40 Punkte und nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Bei uns kommt in dieser Saison natürlich hinzu, dass vier Stammspieler fehlen. Manch einer lamentiert ja gerne: Wir haben so viele verletzte Spieler. Aber wenn man dann mal guckt, haben von den verletzten Spielern die meisten gar nicht gespielt. Bei uns sind es aber wirklich vier Stammspieler, die ausfallen. Aber auch da gibt es kein Jammern. Jetzt haben andere Jungs die Chance, sich zu beweisen.

 

Auch Ex-Armine Patrick Schönfeld fehlte fast die komplette bisherige Saison. Bei seinem Zwei-Minuten-Comeback vor der Länderspielpause traf er prompt zum 2:2-Endstand gegen Darmstadt. Wird er am Freitag dabei sein?

Lieberknecht: Patsche hatte schon in der vergangenen Saison mit dieser Virusinfektion zu kämpfen, die ihn körperlich auf den Stand null gebracht hat. Bei ihm müssen wir immer sehen, wie er die Trainingswoche verkraftet. Es kommt auf ihn an, wie er sich fühlt. Zuletzt war es sehr wichtig, dass er wieder dabei war, denn unsere Verletzten wie Kumbela, Boland, Baffo sind Spieler, die die Mannschaft mit führen. Sie fehlen jetzt in der Kabine, und Patsche ist einer, der in der Lage ist, diese Aufgabe zu übernehmen.

»Der Trainer hat 44 Ideen im Kopf«

Onel Hernandez, auch ein Spieler mit DSC-Vergangenheit, ist dagegen Stammspieler.

Lieberknecht: Bei ihm muss man das über einen längeren Zeitraum verfolgen. Er kam aus der Regionalliga, von der Wolfsburger U23, und hatte dort aufgrund von einer Verletzung wenig gespielt. Dann habe ich ihn in einem Spiel mal 15 Minuten gesehen, und war Feuer und Flamme. In seiner Anfangsphase bei uns ist er sofort durchgestartet, weil er außergewöhnliche Fähigkeiten hat in der Dynamik und in Eins-gegen-Eins-Situationen. Aber er ist ein junger Spieler, der in der 2. Liga Konstanz zeigen muss.

 

Sie haben nur zweimal verloren, aber auch erst drei Spiele gewonnen (acht Unentschieden), auswärts gelang noch gar kein Sieg. Wie wollen Sie das am Freitag ändern?

Lieberknecht: Es ist ein neuer Anlauf, auf den wir uns wieder gut vorbereiten. Dann geht der Trainer auf das Laufband und hat dabei 44 Ideen im Kopf. Irgend ein Gedanke bleibt dann mal haften, und wir hoffen, dass es der entscheidende ist für Freitag (lacht).

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