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Mo., 18.12.2017

Arminias Trainer ist nach der 2:3-Pleite in Regensburg enttäuscht wie nie Saibene stellt die Charakterfrage

Flehend blickt Jeff Saibene zum Himmel. Doch auch von dort kommt keine Hilfe, seine Mannschaft verliert 2:3 in Regensburg.

Flehend blickt Jeff Saibene zum Himmel. Doch auch von dort kommt keine Hilfe, seine Mannschaft verliert 2:3 in Regensburg. Foto: Thomas F. Starke

Von Jens Brinkmeier

Regensburg (WB). Jeff Saibene ist seit knapp neun Monaten Trainer bei Arminia Bielefeld. So sauer und enttäuscht wie  nach dem 2:3 am Samstag beim SSV Jahn Regensburg war der 49-Jährige aber noch nie. Die (Nicht-)Leistung der meisten seiner Spieler hatte dem Coach die Weihnachtsstimmung komplett verhagelt.

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gratulierte Saibene zunächst seinem Gegenüber, Jahn-Trainer Achim Beierlorzer, dann setzte der Luxemburger zu seiner ersten Wutrede an. »Das war ein hoch verdienter Sieg für Regensburg. Wir waren absolut nicht präsent und haben die richtige Einstellung und Mentalität vermissen lassen. Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Hier im letzten Spiel des Jahres so einen Auftritt hinzulegen... Die Jungs können froh sein, dass jetzt Pause ist, sonst hätten sie in den nächsten Tagen einiges erleben müssen. Aber das werden wir nachholen, das gebe ich ihnen schriftlich«, schimpfte Saibene.

Dann gebührte dem zufriedenen Sieger das Wort, der festhalten konnte, seine Spieler hätten »alles investiert und sich dafür mit dem Sieg belohnt«, wie Beierlorzer sagte. Davon konnte beim DSC nicht die Rede sein.

»Ich werde mich an heute erinnern«

Deshalb folgte kurz danach, im kleinen Kreis, Saibenes zweite Wutrede des Tages. »Einstellung, Mentalität, Wille – wenn wir das alles nicht an den Tag legen, sind wir ein Abstiegskandidat. So wie heute. Ich habe dafür keine Erklärung. Natürlich haben wir darauf hingewiesen, was hier verlangt ist. Aber es braucht auch Typen, die es umsetzen«, wetterte er: »Es hat so ausgesehen, als ob einige schon im Urlaub gewesen wären. Es hat Charakter gefehlt. Es ist oft der Fall, dass wir nachlassen, wenn es eigentlich gut aussieht. Ich werde mich an heute erinnern. Es hatte nichts mit der Fitness zu tun, sondern nur mit der Einstellung. Manche sind scheinbar zu bequem. Die Spieler sollten sich fragen: Will ich weiterkommen oder mein Leben lang bei Arminia gegen den Abstieg spielen.«

Mit einem Sieg hätte der DSC das Punktekonto auf 28 erhöht und wäre punktgleich mit dem Tabellenvierten (Ingolstadt) in die Winterpause gegangen. Stattdessen haben die Arminen nach den zwei Niederlagen in Sandhausen (1:3) und nun in Regensburg dafür gesorgt, dass der Vorsprung auf Platz 16 nur noch sechs Punkte beträgt.

»Purer Durchschnitt«, ätzte Saibene

Arminia wird als Tabellenneunter überwintern, oder noch einen Platz schlechter, falls Bochum heute Abend (20.30 Uhr) beim FC St. Pauli gewinnt. Nach dem Traumstart mit zehn Punkten aus den ersten vier Spielen kamen in den folgenden 14 Partien nur noch 15 dazu. »Purer Durchschnitt«, ätzte Saibene und machte deutlich, dass ihm Durchschnitt auf Dauer viel zu wenig ist.

Nicht einmal Durchschnitt war das, was seine Spieler bei Aufsteiger Regensburg abgeliefert hatten. Dabei lief zunächst alles für den DSC. Andreas Voglsammer brachte die Gäste mit seinem achten Saisontor in Führung (12. Minute), doch von da an ging nichts mehr. »Wir haben nach dem 1:0 komplett die Linie verloren. Wir haben keine Zweikämpfe und keine zweiten Bälle mehr gewonnen. Das war absolut ungenügend«, sagte Kapitän Julian Börner.

Durch Treffer von Benedikt Gimber (14.), Marco Grüttner (25.) und ein Eigentor von Florian Hartherz (78.) drehte der Jahn die Partie auf 3:1. Das Tor von Konstantion Kerschbaumer in der Nachspielzeit war nur Ergebniskosmetik. »Wir können die 25 Punkte schönreden, aber zwei Leistungen wie zuletzt gehen mir gehörig gegen den Strich«, schimpfte Voglsammer.

Kommentare

Gutes Coaching

Die Mannschaft hat gegen Regensburg mehr falsch als richtig gemacht. Das liegt aber nicht an Jeff. Er hat nach dem Ausfall von Dick die mutmaßlich beste Alternative gewählt. Leider mussten wir dann einen total überforderten Spieler erleben. Die Auswechselung hätte auch schon eher kommen können. Der 3. Innenverteidiger hat sich dann auch besser eingefügt.
Das Jeff diese Leistung nicht billigt ist klar. Das er dies so in der Öffentlichkeit kommuniziert, macht ihn noch sympathischer. Also Jeff greif durch! Den Urlaub verkürzen und trainieren. So eine Einstellung zum Beruf und zum Verein geht gar nicht. Einige waren nur noch körperlich auf dem Platz.

Enttäuscht

Ich bin tief enttäuscht und hätte diesen Jahresabschluss nicht für möglich gehalten, die Überschriten hier und bei den anderen bringen es auf den Punkt. Saibene hat sich gegen die Übergangslösung auf der rechten Abwehrseite (Weihrauch) entschieden und einem bisher enttäuschenden Spieler eine weitere Chance eingeräumt, was ich vor der Partei zunächst als positiv empfand. Dass er diesen Spieler nach einer halben Stunde auswechselt (die Höchststrfate), zeigt mir, dass mich mein relativer Fußballsachverstand nicht verlassen hat, selten habe ich mich über einen einzelnen Spieler so aufgeregt. Was nützt das hohe Stehen und frühe Attackieren, wenn einzelne Spieler in der gefährlichen Zone mit einem Sicherheitsabstand von 4 m neben dem Gegenspieler hertraben ? Auch kann ich diesen völlig sinnlosen offenen Schlagabtausch nach 1:0-Führung überhaupt nicht nachvollziehen. Hier muss ich mich geschickter anstellen und mal eine Phase einläuten, wo ich dem Gegner ein paar Rätsel aufgebe, anstatt ihn gleich im Gegenzug ins Spiel zurückzubringen. Dieser Plan B fehlt mir nicht zum ersten Mal. Diese extreme Fehlerquote in der Abwehr macht vieles kaputt.

Aber daraus eine hyterische Trainer-"Diskussion" anzuzetteln wie in dieser unsäglichen Konkurrenz-KF ist genauso lächerlich wie das Paderborn-Arminia-Bashing oder die Lektionen aus Dresden zuvor. Und lass dir oder vielleicht euch sagen, dass dieser Müll weder die Meinung der Arminia-Fans widerspiegelt noch von den Verantwortlichen beim Club gelesen oder ernst genommen wird, das weiß ich inzwischen sicher. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass es im Paderborner Teil der KF zu den letzten 50 Artikeln weniger als 10 Kommentare iinsgesamt gegeben hat. Mmmh, woran das wohl liegt ? Zufall oder hat hier ein Schreiber Aufwand und Nutzen gegeneinander aufgewogen und das Pushen ganz eingestellt ? Nicht mal mehr der kluge Berater schreibt mehr seine Pamphlete, trotz des beachtlichen Aufschwungs in Paderborn. Na ja, mit Katastrofen-Journalismus lebt es sich anscheinend besser.

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