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Sa., 23.12.2017

Früher verteidigte Manuel Hornig das Arminia-Tor, jetzt unterrichtet er Sport und Erdkunde Der Fußball-Lehrer

Manuel Hornig in seiner neuen Rolle: Außer Sport unterrichtet der 35-Jährige auch im Fach Erdkunde.

Manuel Hornig in seiner neuen Rolle: Außer Sport unterrichtet der 35-Jährige auch im Fach Erdkunde. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster und Sebastian Bauer

Bielefeld (WB). Treffpunkt Sekretariat: Manuel Hornig öffnet die Tür, blickt in den Raum. Auf dem Flur hinter ihm toben Schüler. Es ist laut. Hornig lässt sich nicht ablenken. Er lächelt, streckt uns die Hand zur Begrüßung entgegen. Mit der anderen hält er den Gurt seiner Tasche. Sein Arbeitsplatz ist nicht mehr die Alm, sein Arbeitsplatz ist das Helmholtz-Gymnasium in Bielefeld.

Zur Person

Manuel Hornig wurde am 18. Dezember 1982 in Kandel (Rheinland-Pfalz) geboren. 2011 wechselte der Defensivakteur von der TuS Koblenz zum damaligen Drittligisten Arminia. In ligaübergreifend 109 Partien für den DSC erzielte Hornig sieben Tore (letzter Einsatz 28. Oktober 2016, 1:0 gegen Sandhausen). Seine größten Profierfolge waren mit Arminia die Zweitligaaufstiege 2013 und 2015 und mit dem 1. FC Kaiserslautern der Erstligaaufstieg 2010. Parallel zu seiner Profilaufbahn beendete Hornig (verheiratet, zwei Kinder) sein Lehramtsstudium an der Uni Mainz. Seit dem 1. November ist er Referendar am Bielefelder Helmholtz-Gymnasium.

Seit dem 1. November ist der 35 Jahre alte Ex-Profi des DSC Arminia an der Schule als Referendar tätig. Hornig trägt eine dunkelgrüne Jeans, dazu knöchelhohe Sneakers, das blaue Hemd hängt leger über der Hose. Seine Haare sind präzise gestylt. Ein knappes halbes Jahr ist seit seinem Karriereende vergangen. Hornig sieht topfit aus – und zufrieden. Doch auf dem Weg in den Klassenraum, in den wir ihn begleiten dürfen, gibt er zu: »Es ist eine riesige Umstellung.«

Dem Erdkunde-Leistungskurs erklärt Hornig, warum die Presse da ist. Dabei wissen die Mädchen und Jungen doch längst, dass dieser Lehrer in seinem früheren Leben ein regionaler Promi war. Ein Fußballer, dem früher auch Helmholtz-Schüler zugejubelt haben. Jetzt steht dieser Fußballer als Lehrer vor ihnen und spricht über das Zonenmodell der Stadtentwicklung. »Es ist schon vorgekommen, dass mich Schüler während des Unterrichts gefragt haben, ob sie ein Autogramm bekommen können. Ich habe ihnen dann gesagt, dass wir das erstmal hinten anstellen müssen«, sagt Hornig. Andere Schüler hätten quer über den Flur ‘Heeeeey, Hornig!’ gerufen, als sie ihn gesehen haben. »Ich fand das ganz amüsant. Es mussten sich alle erst daran gewöhnen, dass ich jetzt in einer anderen Funktion hier bin. Aber die Aufregung hat sich recht schnell gelegt.« Sogar Kollegen haben den neuen Referendar schon um eine Signatur gebeten. Für Hornig kein Problem. Er betont, dass er sich im Lehrerzimmer prima aufgehoben fühle: »Als wäre ich schon jahrelang hier.«

Nahtloser Übergang war Hornig wichtig

Dabei lief der Vertrag des ehemaligen Abwehrspielers beim Zweitligisten erst am 30. Juni aus. Ein nahtloser Übergang sei ihm wichtig gewesen. Und obwohl er sich das Lehrerdasein ziemlich genau so vorgestellt hat, wie er es nun erlebt, sei es doch »ein bisschen komisch, wieder in ein ‚normales Leben’ zu kommen«.

Jahrelang war Hornig Profi, lebte ein privilegiertes Leben. An besonderen Tagen spielte er vor mehr als 30.000 Fans. Zu Kopf gestiegen ist ihm das nicht. »Ich würde mich schon als bodenständig bezeichnen«, sagt er. Doch der Profifußball sei »eine sehr spezielle Welt, eine Scheinwelt«. Um so mehr wundert es ihn, »wie sehr mir das alles manchmal fehlt«.

Statt eines Trikots trägt er ab Februar die Verantwortung für drei Lerngruppen in seinen Fächern Sport und Erdkunde. Die Zeit des Hospitierens ist dann weitgehend vorbei. Den zeitlichen Aufwand, den seine Tätigkeit als Co-Trainer bei Arminias U17 verlangt, hat er auf ein Minimum reduziert. Hornig erklärt: »Die Arbeit in der Schule ist sehr zeitintensiv.« Aber sie macht ihm Spaß. In seinem Sportunterricht wird längst nicht nur Fußball gespielt. »Waveboarden, Floorball, Hockey – ich finde es super, mich mit neuen Sportarten auseinanderzusetzen.«

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Das Fach Erdkunde vermittelt unheimlich viel Allgemeinwissen.

Manuel Hornig

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Dass Hornig Sport unterrichtet, liegt nahe. Aber warum Erdkunde? »Ich hatte das Fach früher selbst als Leistungskurs. Es vermittelt unheimlich viel Allgemeinwissen. Man begegnet den Themen, die in Erdkunde behandelt werden, in fast allen Lebenslagen. Das macht es sehr greifbar. Wenn wir früher ins Trainingslager gefahren sind, haben mich immer auch die Umgebung, das Wetter oder die wirtschaftlichen Zusammenhänge in der jeweiligen Region interessiert.« Nicht nur in dieser Hinsicht hat er sich von vielen seiner damaligen Kollegen unterschieden: »Wenn andere auf der Rückfahrt vom Auswärtsspiel einen Film angeschaut haben, habe ich ein Buch gelesen.«

Dass der Freiburger Bundesligastürmer Nils Petersen kürzlich beklagt hat, er sei in den vergangenen zehn Profijahren »verblödet«, kann Hornig durchaus nachvollziehen. »Ich verstehe den Kern seiner Botschaft. Es ist schon eine ganz spezielle Zeit, die man in diesem System verbringt. Man wird vom Umfeld gehypt, ist etwas vermeintlich Besonderes. Zudem verdient man relativ gutes Geld. Viele denken, es geht immer so weiter. Das hat dann eine gewisse Bequemlichkeit zur Folge. Manche kommen da nicht mehr raus.« Doch Hornig sagt auch: »Jeder ist seines Glückes Schmied.«

Siehe Tobias Rau. Mit dem anderen Ex-Arminen (2005 bis 2009 beim DSC), der sein Glück im Lehrerdasein gefunden hat, hat Hornig sich mehrmals getroffen. »Ein prima Kerl. Ich habe Tobias besucht und ihn viel zum Referendariat gefragt. Er hat mir sehr geholfen«, sagt Hornig. Die beiden Ex-Kicker, deren Wege sich bei Arminia nicht mehr kreuzten, hätten bei ihren Treffen »ausschließlich über Schule gesprochen«. Rau hat bereits sein Examen abgelegt und ist Lehrer an der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule in Borgholzhausen.

Der Referendar saugt jeden Tipp auf

Nicht nur von Rau, auch von seinen Ausbildungslehrern sauge er jeden Tipp auf, sagt Hornig: »Es gibt viel Input. Darum wird es guttun, in den Weihnachtsferien die ersten Schulwochen mal in Ruhe reflektieren zu können.«

Im neuen Jahr wolle er dann auch wieder häufiger ins Stadion gehen. In der Hinrunde sah Hornig in der Schüco-Arena nur Arminias 1:3 gegen Ingolstadt. »Ich habe einfach ein bisschen Abstand gebraucht«, begründet er.

Auch wenn Papa nicht mehr selbst auf dem Rasen steht: Seine beiden Jungs, Emil (4) und Pepe (2), würden gern mal wieder mit ihm auf die Alm gehen. Und wer könnte ihnen das Spiel auch besser erklären, als der Fußball-Lehrer Manuel Hornig.

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