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Mi., 10.01.2018

Julian Börner über Arminias Finanzprobleme, das Kapitänsamt und Respekt Börner: »Ich bekomme pünktlich mein Gehalt«

»Dem einen kann ich eine direkte Ansage machen, dem anderen muss ich es beibringen wie die nette Mutti«, sagt Kapitän Börner.

»Dem einen kann ich eine direkte Ansage machen, dem anderen muss ich es beibringen wie die nette Mutti«, sagt Kapitän Börner.

Von Dirk Schuster

Benidorm (WB). Julian Börner ist mitten im Satz, als das Handy eines Journalisten klingelt. »Das kostet 50 Euro«, sagt Arminias Mannschaftskapitän und referiert weiter, während die Zeitungskollegen noch lachen. Im Interview spricht der 26 Jahre alte DSC-Profi aber auch über ernste Themen: über die Herausforderungen, die der Job des Spielführers mit sich bringt, über den Abgang von Andraz Sporar und die Finanzlage seines Arbeitgebers.

Mit dem Satz »Die Spieler müssen sich überlegen, ob sie mit Arminia ein Leben lang gegen den Abstieg spielen oder weiterkommen wollen« hatte Trainer Jeff Saibene die DSC-Profis nach dem 2:3 in Regensburg in den Urlaub entlassen. Wirken diese Worte noch nach?

Julian Börner: Natürlich ist das im Team noch ein Thema. Ich hoffe, dass sich die Spieler das zu Herzen genommen haben und man im ersten Punktspiel des neuen Jahres gegen Greuther Fürth (24. Januar, 20.30 Uhr, Schüco-Arena) eine andere  Arminia sehen wird. Denn wenn wir weiter so wie in Regensburg spielen, dann wird es eine harte Rückrunde – eine ganz harte sogar.

Andererseits wäre es auch nicht okay, die Hinrunde nur auf unser Spiel in Regensbug zu reduzieren, auch wenn es eine krass schlechte Leistung war. 25 Punkte zum jetzigen Zeitpunkt – das hätten wir wohl alle vor der Saison sofort unterschrieben. Das ist absolut okay – erst recht gemessen daran, wo wir noch im Mai standen.

Wie gehen Sie mit den finanziellen Turbulenzen um, für die Ihr Arbeitgeber aktuell mal wieder ganz besonders steht?

Börner: Natürlich stutzt man kurz. Aber ich bin jetzt seit vier Jahren in Bielefeld – da hat man sich an finanzielle Turbulenzen gewöhnt. Ich gehe davon aus, dass diejenigen, die die Finanzen managen, wissen, was sie tun. Wir Spieler müssen uns aufs Sportliche konzentrieren.

»Für mich ist auch Fabian Klos ein Stückweit Kapitän«

Haben Sie denn bisher immer pünktlich Ihr Gehalt und Ihre Prämien bekommen?

Börner: Ich habe mein Gehalt und auch die Prämien immer pünktlich zum 1. des Monats bekommen. Das letzte kam sogar schon Ende Dezember.

Seit dieser Saison sind Sie Kapitän. Was hat sich seitdem für Sie verändert?

Börner: Auf dem Platz probiere ich, genau wie vorher, die anderen mitzuziehen und vorne wegzugehen. Aber ich war schon überrascht, was alles auf einen zukommt. Das Telefon klingelt häufiger, in unserer mannschaftsinternen Whatsapp-Gruppe kommen vermehrt Fragen oder Bitten, was ich beim Trainer ansprechen könnte oder sollte. Oder auch so Banales wie: Was ziehen wir auf der nächsten Auswärtsfahrt an, erlauben Trainer oder Verein kurze Hosen? Darüber macht man sich vorher gar keine großen Gedanken.

Was ist noch neu?

Börner: Mit dem Trainerteam, insbesondere mit Jeff Saibene, pflege ich einen ständigen Austausch. Die Trainer müssen aber auch nicht alles wissen, was wir Spieler denken und fühlen. Auf diese Balance muss ich achten. Dabei nehme ich auch Fabian Klos mit ins Boot. Als mein Vorgänger und Stellvertreter unterstützt er mich nach Kräften. Ich kann ihn jederzeit um Rat fragen. Wir respektieren uns gegenseitig. Für mich ist auch er ein Stückweit Kapitän. Es ist eine Riesenehre für mich, Spielführer dieser Mannschaft zu sein. Aber intern ist Fabian nicht wegzudenken. Er hat ein paar Jahre mehr Lebenserfahrung als ich und er kennt den Verein noch ein paar Jahre länger.

»Der Respekt vor der Leistung des Älteren lässt bei den Jüngeren nach«

Was ist das Schwierigste an dem Job?

Börner: Wie überall gibt es natürlich auch bei Arminia Spezialfälle. Spieler, die man sich zur Brust nimmt, oder solche, denen man auch mal auf die Schulter klopft. Ich weiß, wie ich jeden anzupacken habe. Der eine ist etwas sensibler, der andere rustikaler. Dem einen kann ich eine direkte Ansage machen, dem anderen muss ich es beibringen wie die nette Mutti.

Dass Spieler auf mich zukommen und um Rat fragen, kommt selten bis nie vor. Das ist im Profifußball eher unüblich. Es ist zwar ein Mannschaftssport, aber es ist eben auch ein ständiger Konkurrenzkampf. Jeder will spielen, jeder ist sich selbst am nächsten. Schwächen gesteht keiner gern ein.

War das schon immer so?

Börner: Der Profifußball heute ist nicht mehr der Profifußball wie zu der Zeit, als ich 17 oder 18 war; als junge Spieler noch zu den älteren hochgeguckt und sich etwas abgeschaut haben.  Die Jüngeren gehen heute stärker voran , auch in der 1. Liga. Aber viele junge Spieler denken, dass sie schon etwas erreicht haben, bloß weil sie ihren ersten Profivertrag unterschrieben haben. Sie haben Potenzial, aber bei manchen stimmt es im Kopf leider nicht. Ich lasse niemanden links liegen. Aber wenn man ein, zwei, drei, vier Mal etwas gesagt hat, und der andere versteht es immer noch nicht, fehlt mir das Verständnis. Wenn der Ältere dem Jüngeren sagt: Trag’ mal das Tor oder hol’ die Bälle, dann war das früher Gesetz. Der Respekt vor der Karriereleistung des Älteren lässt bei den Jüngeren aber immer mehr nach. Auch darauf gilt es für mich als Kapitän zu achten.

Bei den Ausdauerläufen am Vormittag gingen Julian Börner (Mitte) und die anderen Arminen an ihre Grenzen. Foto: Thomas F. Starke

Was kann Arminia in dieser Saison erreichen?

Börner: Wichtigstes Ziel sind die 40 Punkte. Ob das im Februar, März oder April so weit ist, ist absolut nachrangig. Natürlich gilt: je früher, desto besser. Das Potenzial ist vorhanden. Es reicht aber noch nicht, um auf einem der ersten drei Plätze zu stehen. Vielleicht sind wir einfach noch nicht so weit, über mehrere Spiele kon­stant unser Leistungsvermögen abzurufen.

Welche Bedeutung hat die Partie gegen Fürth?

Börner: Für mich ist das ein Sechs-Punkte-Spiel. Wenn wir gewinnen, halten wir den Vorsprung. Wenn wir verlieren, hängen wir wieder unten mit drin und dann geht die ganze Scheiße von vorne los. Und da habe ich eigentlich keinen Bock drauf. Darum gilt es, Gras zu fressen. Dazu braucht es Spieler, die die entsprechende Mentalität auf den Platz bringen; die kratzen, beißen, kämpfen. Mit denen du in den Krieg ziehen kannst und gewinnst. In unseren letzten beiden Spielen vor der Winterpause hatte ich leider das Gefühl, dass nicht alle Spieler diese Mentalität hatten.

»Andraz hat nicht ins Team gepasst«

Tut es dem Team gut, dass das Enfant terrible Andraz Sporar den Klub im Winter verlassen hat?

Börner: Ob einer mit dem Cityroller zum Training kommt oder im Ferrari vorfährt, ist mir nicht so wichtig – solange die Leistung stimmt. Aber jeder hat gemerkt, dass  Andraz sich nicht wohlgefühlt hat und Anpassungsschwierigkeiten hatte . Er ist ein brillanter Fußballer, keine Frage. Aber er hat nicht ins Team gepasst.

Ihr Vertrag gilt bis Juni 2019. Was ist wahrscheinlicher: dass Sie langfristig verlängern oder den Klub dann verlassen?

Börner: Das Angebot aus Norwich im vergangenen Sommer war etwas Besonderes. Jeder weiß, dass England ein Kindheitstraum von mir ist. Aber ich bereue keine Sekunde lang, abgesagt zu haben. Was im Sommer ist, kann ich noch nicht sagen. Ich kann mir auch vorstellen, irgendwann etwas komplett anderes zu erleben. Eine neue Sprache, eine neue Kultur. Fußball ist nicht immer alles. Aber wenn unser Sport-Geschäftsführer Samir Arabi mit mir über eine Vertragsverlängerung sprechen möchte, fahre ich gern in sein Büro, um zu reden. Jetzt geht es aber erstmal darum, eine erfolgreiche Rückrunde zu spielen.

Kommentare

Da schau her, MichiMichi erneut als Anwalt (des Teufels) für die Teilnehmer der Fake News Hitparade. Passen Sie nur auf, dass Sie sich mit Ihren vielen Aufgaben nicht übernehmen, Sie haben als Obertroll doch alle Hände voll zu tun. Es nützt auch nichts, einen Ober-Obertroll zu installieren, damit sich ihresgleichen die Profile reinwaschen können. Und nun bleiben Sie mal schön dort, wo Sie hingehören, damit Sie die "100" noch vor Mitternacht vollbekommen. Tja, da nützt das Jammern nichts, oder die Aussicht auf eine Amnestie anzubieten. Waren das schöne Zeiten, als man sich noch vor Vergnügen auf die Oberschenkel schlagen konnte ! Heute muss man schon mal selbst die Tastatur in die Hand nehmen, gelle ?

Und ewig grüßt der Murmellipper

"Die ewige Wiederkehr des Gleichen" - dieser Satz kam über den Alt-Philologen und Hobby-Philosophen Friedrich Nietzsche, als er 1883 das erste Mal die Bielefelder Alm besuchte und über die in regelmäßigen Abständen an die Oberfläche kommenden Finanzprobleme der Arminia erfuhr. Mit jeder Finanzkrise der Arminia kamen die ewig gleichen Kommentare nebst Kommentaren über diese Kommentare von einem abgeklärten Zarathustra aus Lippe.

Ich gratuliere der anderen KF zur Geburt eines halben Dutzend neuer User, die nun auch wieder genau die Themen abklappern, die wir schon hundertfach gelesen haben. Na, dann wollen wir mal nicht hoffen, dass die Welle nach der Veröffentlichung geheimer Absprachen, die wieder einmal so verhersehbar war, nicht auch noch hierherschwappt. Der kleine Steuerzahler muss also wieder einmal büßen, Gemeinheit, Theater, Kunsthalle, das Geld könnte man doch für soziale Projekte einsetzen, undsoweiter, undsoweiter, die Texte könnten mehrere Jahre alte Kopien aus einer Datenbank sein. Gähn. Es ist nur noch peinlich, dazu ganz sicher kontraproduktiv.

3 Kommentare

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