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Mi., 17.01.2018

Zweitligist präzisiert Sanierungskonzept – Stadion wird verkauft – zum 31. Dezember drohte Insolvenz Arminia schafft den »Neustart«

Sport-Geschäftsführer Samir Arabi, Präsident Hans-Jürgen Laufer und Arminias Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek (von links) informierten über das Sanierungskonzept.

Sport-Geschäftsführer Samir Arabi, Präsident Hans-Jürgen Laufer und Arminias Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek (von links) informierten über das Sanierungskonzept. Foto: Thomas F. Starke

Von Sebastian Bauer und Jens Brinkmeier

Bielefeld (WB). Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld hat auf einer Pressekonferenz über das Sanierungskonzept informiert, durch das der Verein nahezu schuldenfrei sein wird. Außerdem teilte der DSC mit, dass der Verein alle Auflagen des Nachlizensierungsverfahrens der DFL erfüllt habe.

Insgesamt käme der Klub durch eine Schuldenbereinigung auf eine Restschuld von unter vier Millionen Euro. Die wolle man in den kommenden fünf Jahren auf Null bringen. Das erklärte der kaufmännische Geschäftsführer Markus Rejek am Mittwochmittag. Dabei verriet Rejek auch, dass dem DSC die Insolvenz drohte. »Es gab eine Liquiditätslücke von 4,6 Millionen Euro für das laufende Geschäftsjahr. Zum 1. Juli 2018 wären weitere 4,5 Millionen Euro abseits des operativen Geschäfts hinzu gekommen«, sagte Rejek.

Mit zukunftigen Erlösen sei die Gegenwart finanziert worden, zudem seien in den Lizenzierungsverfahren immer wieder sehr positive Planungen abgegeben worden, die nicht den Gegebenheiten entsprochen hätten, führte Rejek aus. 

Drohende Zahlungsunfähigkeit

Im November habe man ein Sanierungskonzept erstellt. »Wir waren Bittsteller«, sagte Rejek über die Gespräche mit Banken, privaten Gläubigern und den Sponsoren, die sich wie berichtet zum »Bündnis Ostwestfalen« zusammen geschlossen haben. »Ohne die Zustimmung aller Parteien wären wir zum 31. Dezember 2017 zahlungsunfähig gewesen. Das hätte den Totalverlust aller Gläubiger zur Folge gehabt«, so Rejek.

Durch das »Bündnis Ostwestfalen« sei in der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) nun eine Kapitaleinlage von mehr als vier Millionen vorhanden. Bankverbindlichkeiten gebe es nach der Schuldenbereinigung in der KGaA nicht mehr. Gegenüber privaten Gläubigern bleiben etwa 400.000 Euro Verbindlichkeiten. Die Stadiongesellschaft Alm KG werde ebenfalls nahezu schuldenfrei sein, bis auf Verbindlichkeiten gegenüber der Stadt Bielefeld. 

Weber zieht sich zurück

Gerhard Weber, langjähriger Geldgeber, will sich laut DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer zurückziehen. Die Anteile Webers in Höhe von einer Million Euro kauft der eingetragene Verein (e.V.) zurück und erhöht dadurch sein Stammkapital auf 3,5 Millionen Euro. Weitere vier Millionen fließen durch das »Bündnis Ostwestfalen« in die KGaA. »Das sind keine Darlehen, sondern liquide Mittel«, erklärte Rejek.

Der Verein bestätigte zudem  den heutigen WESTFALEN-BLATT-Bericht , dass der Verkauf des Stadions eine Bedingung des Sanierunskonzeptes sei. Die Möglichkeit des Rückkaufs sei Voraussetzung für den Verkauf. »Das Stadion gehört uns nur auf dem Papier, es ist hoch verschuldet«, so Rejek. Der Stadionverkauf müsse bis zum 30. Juni 2018 abgeschlossen sein.

Es gebe aber keinen Grund, jetzt die Sektkorken knallen zu lassen. »Wir sind dankbar für das Vertrauen und wollen es zurückzahlen. Dies ist ein sehr starkes Signal und ein Neustart für uns, den wir mit großer Energie betreiben müssen«, erklärte Rejek.

Zudem teilte der DSC mit, dass der Verein  alle Auflagen des Nachlizensierungsverfahrens der DFL erfüllt habe und somit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Vereins nachgewiesen ist. 

Kommentare

Eingeholt

Der Griff in die Zukunftskasse ist ein Mittel, dass unter Roland Kentsch eingeführt wurde. Anleihen und kurzfristige Etatausgleiche wurden gern beim Rechtevermarkter eingeholt. Die Folge davon waren immer ungünstigere Konditionen und immer schon Löcher im nächsten Etat. Aus diesem Teufelskreis ist man seitdem nicht mehr herausgekommen und die Löcher wurden dadurch natürlich immer größer, da ja schon zu Beginn jeder Saison Geldbeträge fehlten, die man zur Abdeckung früherer Etats bereits ausgegeben hatte. Das dieses Szenario nun hoffentlich der Vergangenheit angehört, das macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Allerdings muss nun auch endgültig sichergestellt werden, dass man ab sofort nur noch das Geld ausgibt, das man auch wirklich auf dem Konto hat. Ich hoffe daher auf eine sinnvolle Kontrolle durch das Bündnis Ostwestfalen. Diesem Bündnis und auch allen handelnden Personen beim DSC, die sich nun um diesen Neustart bemüht haben, gilt mein ausdrücklicher Dank. Seit 45 Jahren bin ich Fan und seit 30 Jahren Mitglied beim DSC. Mir würde ein Stück Leben fehlen.

Bremsen demütig lösen...

Verflixt noch mal, wenn ich mir diese Interviews anschaue,dann erkenne ich ganz viel demütige Haltung bei allen 3 Entscheidern...Ja,mag ja politisch korrekt sein.Aaaaaabbeeerrr.Wir fahren jetzt einen bezahlten, ich wiederhole,einen bezahlten Porsche und den fahren wir nicht,weil er so toll bremst.Blinker links und ruhig mal rechts das Pedal in Bodennähe bringen. 9 Jahre haben wir mit dem Gokart im Stau gestanden, ich bin es leid.Auf gehts Arminia...

"Arminia insolvent"

So oder so aehnlich haette also eine Pressemitteilung sein koennen Anfang Januar - unglaublich.

Stell dir vor Arminia ist insolvent und keiner merkts.

"Mit zukunftigen Erlösen sei die Gegenwart finanziert worden, zudem seien in den Lizenzierungsverfahren immer wieder sehr positive Planungen abgegeben worden, die nicht den Gegebenheiten entsprochen hätten ."

Da kann man echt nur den Kopf schuetteln...

Wie konnte es so weit "unbemerkt" kommen?

Donnerwetter

Ich kann nicht verhehlen, dass ich ein Bündnis OWL nie für möglich gehalten hätte. Ob es nun an der drohenden Insolvenz (die seltsamerweise vorher nie kommuniziert wurde) lag, die viele Verlierer erzeugt hätte, oder aber daran, dass dieser Verein doch zu einem werbewirksamen Zugpferd taugt, darüber kann nur spekuliert werden. Tatsache ist, die Uhr wurde auf Null zurück gestellt. Ich hoffe, dass die Vertreter der Wirtschaft glasklare Vorgaben gemacht haben die den Verein zwingen, zukünftig professionell aufzutreten und auch entsprechend zu handeln. Mit Herrn Rejek hat man ganz offensichtlich die erste Position gut besetzt. Die Enlassung von Herrn Meinke dürfte ebenfalls auf die Intervention der Geldgeber zurückzuführen sein. Wichtig ist nun, dass zukünftig den Verantwortlichen genau auf die Finger geschaut wird. Qualitätsstandards und entspechende Zielvereinbarungen sind notwendig, um die Zukunft so zu gestalten, dass eine Weiterentwicklung Jahr für Jahr erkennbar ist. Wer hier die Anforderungen nicht erfüllt, wird sich nach einer neuen Aufgabe umsehen müssen. Und das ist gut so. 25 Millionen sind schließlich kein Pappenstiel.

4 Kommentare

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