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Sa., 27.01.2018

Wie sich Arminias Finanzsituation grundlegend verbessern soll Raus aus den Schulden

Der Schüco-Arena kommt bei den Plänen zur Schuldenbereinigung eine zentrale Rolle zu. Mitte 2014 war die Arminia-Gruppe mit 31,1 Millionen Euro verschuldet, bis November 2016 sanken die Verbindlichkeiten auf 22,4 Millionen. Danach dürften sie nochmals leicht gestiegen sein.

Der Schüco-Arena kommt bei den Plänen zur Schuldenbereinigung eine zentrale Rolle zu. Mitte 2014 war die Arminia-Gruppe mit 31,1 Millionen Euro verschuldet, bis November 2016 sanken die Verbindlichkeiten auf 22,4 Millionen. Danach dürften sie nochmals leicht gestiegen sein. Foto: Thomas F. Starke

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Finanziell kämpft Arminia Bielefeld seit Jahren ums Überleben. Die existenzbedrohliche Situation soll durch d en geplanten Schuldenschnitt und eine Millionenspritze der im »Bündnis Ostwestfalen« versammelten Unternehmen jetzt schlagartig aufgelöst werden. Die Rettung mit nachhaltiger Zukunftsperspektive ist zum Greifen nah.

Die Ausgangslage

In die Bredouille haben den Verein vor allem der teurer als kalkulierte Neubau der Osttribüne in der Saison 2007/08, der Bundesliga-Abstieg 2009 sowie der Absturz in die Drittklassigkeit zwei Jahre später gebracht. Der Schuldenberg wuchs in der Folge auf bis zu 31,1 Millionen Euro. Seither gelang es dem DSC zwar, unter neuer Führung die Verbindlichkeiten auf rund 22 Millionen Euro zu reduzieren. Dazu trug auch die Wandlung von Krediten in Anteile an der Stadiongesellschaft Alm KG bei: Die Bielefelder Oetker-Gruppe und der Haller Mode-Unternehmer Gerhard Weber hatten 5,3 Millionen Euro gewandelt.

  Foto: Foto: Starke/Grafik: Bremer

Das Altlastenproblem

Um die Lizenz zu erlangen, musste Arminia aber jedes Jahr aufs Neue einen »Ritt auf der Rasierklinge« vollführen, wie Schatzmeister Prof. Hermann Richter sagt. Neben von Gönnern gestopften Finanzlöchern wurden immer wieder auch Einnahmen künftiger Spielzeiten einbezogen. Ein profitabler Betrieb – erst recht angesichts der erdrückenden Altlasten und anstehender Tilgungen – wäre maximal in der Spitzengruppe der 2. Liga möglich.

»Mit zukünftigen Erlösen wurde die Gegenwart finanziert«, erklärt Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek ein System, das dauerhaft kaum funktionieren konnte. Zum Jahreswechsel klaffte eine Lücke von 4,6 Millionen, drohte die Insolvenz. Im Sommer 2018 hätten weitere 4,5 Millionen gefehlt. Die Löcher hat nun das »Bündnis Ostwestfalen« gestopft. Dass es beim DSC überhaupt solange gut ging, ist auch den Erfolgen im DFB-Pokal in den Spielzeiten 2014/15 (Halbfinale) und 2016/17 (Viertelfinale) zu verdanken, die Millionen einbrachten.

Der Schuldenschnitt

Dieser Segen war zugleich auch Fluch: Er stand einer früheren Umsetzung des schon vor Jahren erarbeiteten Sanierungsplans im Weg. Vor allem das Land NRW als Bürge für einen 9,7 Millionen schweren Kredit bei der Sparkasse Bielefeld lehnte lange einen Schuldenschnitt ab. Dabei hatten die wichtigsten privaten Kreditgeber bereits den Verzicht auf mindestens 80 Prozent ihrer zusammen rund 10 Millionen Euro zugesagt. Das sind allen voran neben Oetker und Weber – sowohl als Privatperson als auch mit dem Modekonzern Gerry Weber AG – die Bielefelder Unternehmerfamilien Anstoetz und Goldbeck. Schon in der Vergangenheit stand Oetker immer wieder an Arminias Seite, wenn es finanziell eng wurde, sagt Pressesprecher Dr. Jörg Schillinger. An die große Glocke wollte der Bielefelder Familienkonzern das Engagement bis dato aber nie hängen. Nun bekennt sich Oetker öffentlich zum DSC.

In höchster Not stimmte jetzt auch das Land dem Konzept zu, um keinen Totalausfall bei einer Insolvenz zu riskieren. Dem Vernehmen nach könnte es mit rund fünf Millionen Euro beim Sparkassenkredit einspringen. Im Fall der Stadt Bielefeld, die für 80 Prozent eines noch rund 891.000 Euro schweren Kredits bei der Volksbank Bielefeld-Gütersloh haftet, geht es um 364.000 Euro. Die verbleibenden Kreditsummen – auch beide Geldhäuser verzichten offenbar auf einen geringen Teil – sollen durch den Verkauf des Stadions zurückgezahlt werden.

Der Stadion-Deal

Ein Käufer für die Arena, der wahrscheinlich rund sechs Millionen Euro zahlen müsste, wird noch gesucht. Der Verein will sich ein Rückkaufrecht sichern, womöglich sogar direkt mit dem Rückkauf über mehrere Jahre beginnen. Zugleich erwartet Arminia einen weiteren positiven Effekt: Die von der Profigesellschaft KGaA an die Alm KG zu zahlende Pacht von derzeit rund 1,5 Millionen Euro pro Saison soll sich im Zuge des Verkaufs mindestens halbieren – und damit den finanziellen Spielraum vergrößern.

Die Perspektive

Nach Schuldenerlass und Stadionverkauf sinken den Plänen zufolge die Verbindlichkeiten bis zum Sommer 2018 auf unter vier Millionen Euro. Den größten Teil davon machen 2,8 Millionen an gestundeten Steuern und Abgaben bei der Stadt Bielefeld aus.

Auf der anderen Seite haben die bislang elf Bündnis-Unternehmen zugesagt, frisches Kapital in die KGaA einzubringen. Für 1,75 Millionen neue Stammaktien sollen sie mindestens 4 Millionen Euro zahlen. Der Verein plant indes den Rückkauf von einer Million Aktien von Gerhard Weber zum Vorzugspreis und hielte dann 3,5 Millionen der 5,25 Millionen Anteile.

Laut der 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL) muss der Verein die Stimmmehrheit haben. Die geplante Kapitalerhöhung ließe damit auch noch Möglichkeiten für die Aufnahme weiterer Investoren. Offen ist derzeit noch, ob das »Bündnis Ostwestfalen« eine eigene Gesellschaft gründet, über die es sich an Arminia beteiligt, oder ob die Partner einzeln Gesellschafter werden.

Das Bündnis und Arminia hoffen darauf, dass sich weitere Gönner anschließen. »Wir wollen Angebote schaffen für andere, auch kleinere Unternehmen, die uns beim Neustart unterstützen wollen«, sagt Rejek. »Jeder Euro fließt jetzt in Arminias Zukunft.« Informieren will der Verein über das gesamte Konzept an diesem Sonntag bei der Jahreshauptversammlung (11 Uhr, Schüco-Arena).

Kommentare

WB bringt Licht ins Dickicht

Sehr präziser und faktenstarker Artikel! Der Stadionverkauf stellt sich so als reine Umschuldungsmassnahme dar. Klingt durchdacht! Welcher Weisse Ritter bringt nun die 6 Millionen?

1 Kommentare

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