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Do., 15.02.2018

Vor der Rückkehr auf die Alm: Darmstadts Coach über alte Erfolge und neue Ansprüche Schuster: »Da werden Erinnerungen hochkommen«

Unter ihm sollen die Lilien wieder aufblühen. Doch Darmstadts Trainer Dirk Schuster weiß: Bis zum Klassenerhalt wird es »ein langer, steiniger Weg werden«

Unter ihm sollen die Lilien wieder aufblühen. Doch Darmstadts Trainer Dirk Schuster weiß: Bis zum Klassenerhalt wird es »ein langer, steiniger Weg werden« Foto: dpa

Darmstadt (WB). Zum ersten Mal seit dem Relegations-Triumph im Mai 2014 kehrt Darmstadt 98 auf die Bielefelder Alm zurück. Mit dabei ist auch wieder Dirk Schuster. Nach einem Intermezzo in Augsburg und einer schöpferischen Pause heuerte der Coach im Dezember 2017 ein zweites Mal bei den Lilien an. Vor der Zweitligapartie beim DSC Arminia (Samstag, 13 Uhr) beantwortete er die Fragen von Redakteur Dirk Schuster.

Herr Schuster, Sie waren eineinhalb Jahre weg aus Darmstadt, ehe Sie am 11. Dezember ans Böllenfalltor zurückkehrten. Ist der SV Darmstadt von heute noch Ihr SV Darmstadt von damals?

Dirk Schuster: Es fühlt sich so an, als wäre ich nie weg gewesen. Natürlich hat sich im und um den Klub herum einiges verändert: Mittlerweile besitzt der SV 98 zwei tolle Rasenplätze zum Trainieren, auch die Tribünen hinter den Toren waren damals noch nicht da. Neues Personal ist ebenfalls dazugekommen, die handelnden Personen im Klub sind aber im Grunde noch die Gleichen. Das hat dafür gesorgt, dass die Anlaufzeit für mich extrem kurz war.

Sie waren vom SVD nach vier sehr erfolgreichen Jahren 2016 zum Erstligarivalen FC Augsburg gewechselt. Trotz eines Dreijahresvertrags mussten sie nach nur sechs Monaten wieder gehen. Was lief schief?

Schuster: Aufgrund der Personalsituation mit wechselwilligen Spielern auf der einen und Verletzungen auf der anderen Seite mussten wir eine gewisse Spielweise an den Tag legen, was dazu führte, dass sich der Verein neu orientiert hat. Aber das gehört im Fußball dazu. Wenn einem Verein etwas anderes vorschwebt, dann ist das zu respektieren und dann muss man diese Entscheidung auch akzeptieren. Es war definitiv eine sehr lehrreiche Zeit.

Ist der SV Darmstadt inzwischen ein normaler Zweitligist oder immer noch ein besonderer Klub, ein Underdog im deutschen Profifußball?

Schuster: Als normal würde ich uns immer noch nicht bezeichnen. Infrastrukturell hat in der jüngeren Vergangenheit der Verein vieles in die Wege geleitet, um dauerhaft mit der Konkurrenz mithalten zu können. Bis der Stadionumbau vollzogen ist, wird es aber noch einige Jahre dauern.

Sind nach zwei Jahren in der 1. Liga (2015 bis 2017) die Ansprüche höher geworden?

Schuster: Dass Darmstadt 98 nicht mehr der Außenseiter ist wie 2013/14, als wir von der 3. in die 1. Liga durchmarschiert sind, ist logisch. Im Umfeld ergibt sich daraus zwangsläufig ein anderes Anspruchsdenken. Allerdings waren sich alle im Verein bewusst, dass die laufende Saison keine einfache werden würde. Kurzfristig kann das Ziel nur lauten, den Klassenerhalt zu schaffen, damit Darmstadt 98 sich dauerhaft im Profifußball etablieren kann.

Sie sind im Mai 2014 dank eines 4:2 nach Verlängerung im Relegationsrückspiel in Bielefeld in die 2. Liga aufgestiegen. Wie sind Ihre Erinnerungen an diesen Abend des 19. Mai?

Schuster: Natürlich sehr positiv. Es wird sich auch nicht vermeiden lassen, dass am Samstag die eine oder andere Erinnerung hochkommen wird. Die Situation im Mai 2014 war eine völlig andere Situation als heute. Auch, weil es damals ein K.o.-Spiel war, das dadurch eine ganz besondere Brisanz barg. Für uns ist die Partie am Samstag wichtig, wir möchten punkten und eine bessere Leistung als zuletzt beim 1:2 in Bochum zeigen. Und dann hoffe ich, dass wir wieder mit einem guten Gefühl aus dem Bielefelder Stadion reisen werden.

War das Relegationsspiel – nicht zuletzt aufgrund der Dramatik – der bisherige Höhepunkt Ihrer Trainer-Karriere?

Schuster: Jedes Ereignis – dazu zähle ich auch den Bundesligaaufstieg und den Erstligaklassenerhalt mit Darmstadt – hatte seinen ganz eigenen Reiz und wird mir immer in Erinnerung bleiben. Eine spezielle Reihenfolge möchte ich da aber gar nicht festlegen.

Es rücken immer mehr sehr junge Trainer nach, dazu gibt es ganz erfahrene wie den 72-jährigen Jupp Heynckes. Wo ordnen Sie sich mit Ihren 50 Jahren ein?

Schuster: Ich würde mich weder als blutjung noch als uralt bezeichnen. Über eine gewisse Erfahrung verfüge ich und habe speziell in Darmstadt schon einiges erlebt. Die Entwicklung, die sich im deutschen Fußball bei den Trainern vollzogen hat, finde ich grundsätzlich sehr positiv. Darüber hinaus hat man aber gesehen, dass zum Beispiel Friedhelm Funkel in Düsseldorf sehr gute Arbeit leistet und mit der Fortuna sehr ernsthaft an die Tür zur Bundesliga klopft. Jeder Trainer hat seinen eigenen Weg und seine Art und Weise, wie er spielen und Erfolg haben möchte. Letztendlich wird der Trainer an seinen Ergebnissen gemessen, nicht am Alter.

Sie sind mit Ihrem Team auf den vorletzten Platz abgerutscht, von den vergangenen 15 Spielen wurde nur eins gewonnen. Haben Sie sich Ihre Aufgabe einfacher vorgestellt?

Schuster: Wir waren uns alle beim Antritt bewusst, dass es ein langer, steiniger Weg werden würde, der bis zum letzten Spieltag gehen dürfte. Jedem im Umfeld und in der Fanszene sollte klar sein, dass der Klassenerhalt nicht alleine durch Handauflegen funktionieren wird.

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