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Di., 15.07.2014

Hallenrunde als Fairplay-Liga: Kreisvorstand befürwortet das Modell und fordert mehr Eigenverantwortung  Altliga-Fußball ohne Schiris 

Bei den diesjährigen Play-Off-Spielen um die Altligameisterschaft – hier eine Szene aus dem Ü50-Finale zwischen Arminia und SCB 04/26 – ging es hoch her. Künftig sollen die Altherren im Fußballkreis Bielefeld ihre Hallenrunde ohne Schiedsrichter austragen.

Bei den diesjährigen Play-Off-Spielen um die Altligameisterschaft – hier eine Szene aus dem Ü50-Finale zwischen Arminia und SCB 04/26 – ging es hoch her. Künftig sollen die Altherren im Fußballkreis Bielefeld ihre Hallenrunde ohne Schiedsrichter austragen.

Bielefeld (WB/guf/star/wie). Seit der vergangenen Saison kicken die F-Junioren im Fußballkreis Bielefeld ohne Schiedsrichter nach den Regeln der Fairplay-Liga. Mit Beginn der neuen Serie wird das Reglement auf den Spielbetrieb der E-Junioren ausgeweitet – und es deutet alles darauf hin, dass es auch die Fußball-Oldies in der Winterhallenrunde ausprobieren.

 »Wir warten jetzt noch auf das Okay vom westfälischen Verband«, sagt Kreisvorsitzender Markus Baumann, der der Idee »Altliga-Fußball ohne Referees« positiv gegenübersteht.

 Der heimische Fußballkreis würde damit eine Vorreiterrolle in Westfalen übernehmen – gewissermaßen ein Pilotprojekt. Markus Baumann: »Wir sind der einzige Kreis in Westfalen, der einen so breit angelegten Hallenspielbetrieb mit Ligensystem und einer ganzen Serie kompletter Spieltage anbietet. Deshalb waren auch Mitglieder des FLVW-Präsidiums der Meinung, dass unsere Hallenrunde dafür prädestiniert wäre.« Geboren wurde die Idee in einem Gespräch zwischen Kreisvorstand und FLVW-Präsidiumsmitgliedern, in dem es auch um andere Belange des Freizeit- und Breitensportangebots und des Schiedsrichterwesens ging.

 Hans-Günter Mrkwa, Vorsitzender des Bielefelder Altliga-Ausschusses, ist ebenfalls ein klarer Befürworter der Idee. »Als uns Manfred Schnieders vom FLVW auf das Thema angesprochen hat, waren wir alle sofort dafür. Wir haben die zahlenmäßig größten Altligastaffeln in ganz Deutschland. Da ist es fast unmöglich, alle Spiele mit Schiedsrichtern zu besetzen, zumal wir für die Altliga keine jüngeren Referees gestellt bekommen.«

 Diese Erfahrung machte Mrkwa selbst bei den diesjährigen Play-Off-Spielen der Ü32 bis Ü50, als der 65-Jährige alle Finalspiele alleine leitete und dabei sogar einen Platzverweis nach einer Tätlichkeit aussprechen musste. »Wenn du drei Spiele hintereinander pfeifst, wird dir irgendwann schummrig vor Augen. Natürlich geht es bei den Alten Herren auch schon mal hoch her, aber das sind alles gestandene Leute, die wissen, was sie getan haben. Ich glaube sogar, dass es fairer zugehen würde, wenn sie sich alleine pfeifen müssten.«

 Auch Klaus Jahn, als FLVW-Vizepräsident »Freizeit- und Breitensport« auch für den Altherren-Fußball in Westfalen zuständig, glaubt daran, dass die Oldies ohne Schiedsrichter auskommen. »In der ›Wilden Liga‹ funktioniert es ja auch. Und ich erwarte einfach von Ü30-Jahrgängen, dass sie vernünftig genug sind, sich in strittigen Fällen zu einigen.« Im Altherren-Fußball seines Heimatkreises Tecklenburg funktioniere der Spielbetrieb seit Jahren ohne offizielle Schiedsrichter, man sei mit Spielleitern aus dem Lager der beteiligten Mannschaften gut gefahren. Aus seiner Sicht hat der Kreis Bielefeld bereits das Okay der Verbandsspitze und könne auch die Ausgestaltung selbstständig regeln: »Ob das mit Spielleitern oder ganz ohne läuft, überlassen wir den zuständigen Leuten vor Ort«, sagt der Verbandsfunktionär aus Ibbenbüren. »Wegen der Schiedsrichter-Knappheit wäre es natürlich eine erhebliche Entlastung, wenn der Altliga-Betrieb flächendeckend ohne Schiedsrichter funktionieren würde.« Ein Aspekt, der im Fußballkreis Bielefeld/Halle weniger Bedeutung hat, da hier Altherren-Schiedsrichter in der Regel keine anderen Partien pfeifen und der Nachwuchs nicht für die Altliga angesetzt wird.

 Die Wahrscheinlichkeit, dass in Bielefeld bereits in der kommenden Winterrunde bei den Altherren ohne Schiris gespielt wird, ist sehr hoch. »Es ist angedacht, dass wir das so machen. Das wird auch funktionieren. Man muss sich nur trauen«, meint Hans-Günter Mrkwa. Der will in den nächsten Wochen und Monaten das Gespräch mit den Vereinen suchen. Die Entscheidung liegt aber beim Kreisvorstand, denn »die Vereine sind nicht stimmberechtigt«, wie Mrkwa betont.

 Aber ist es wirklich realistisch, dass die Fußball-Oldies, die oft vor Ehrgeiz brennen, untereinander ausmachen, was Foul war und was nicht? Dass sich Trainer oder Betreuer in kritischen Situationen einigen? Hans Keuch, Vorsitzender des Kreis-Jugend-Ausschusses, erwartet von den »Oldies« mehr Eigenverantwortung: »Ich weiß, dass es viele kritische Meinungen zu diesem Thema gibt, aber die Alten Herren müssen lernen, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Manchmal ist in diesen Spielen eine wahnsinnige Brisanz. Das ist der völlig falsche Ansatz, denn auch in der Altliga sollte der Spaß an erster Stelle stehen.« Auch Hans Keuch ist sich sicher, dass die Fairplay-Liga bei der Altliga in Bielefeld Einzug halten wird. »Wir müssen das einfach probieren.«

 Die vielen guten Erfahrungen, die im Kinderfußball mit der Fairplay-Liga gemacht worden seien, müssten auch auf die Altliga übertragbar sein. Ab der kommenden Saison wird im Fußballkreis Bielefeld von den Minis bis zu den E-Junioren ohne Schiedsrichter gespielt. Keuch: »Die Kinder sollen einfach Fußball spielen und selbst Entscheidungen treffen. Die Trainer greifen dabei nur unterstützend ein. Das klappt gut, es gab bislang kaum Probleme.« Natürlich gebe es auch immer mal wieder übermotivierte Trainer oder Eltern, die jedes Tor mitschreiben und den Leistungsgedanken in den Vordergrund stellen würden, aber unterm Strich habe sich die Fairplay-Liga »absolut bewährt«, wie Hans Keuch betont. Ob sich dieses Modell auf die Altliga übertragen lässt, wird die Zukunft zeigen...

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