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Di., 21.11.2017

Handball: Trainer vor dem Oberliga-Derby im Interview Holtmann: »Die TSG kann ein Sprungbrett sein«

Rückkehr an alter Wirkungsstätte: Spenges Trainer Heiko Holtmann ist am Freitagabend mit dem TuS bei der TSG A-H zu Gast.

Rückkehr an alter Wirkungsstätte: Spenges Trainer Heiko Holtmann ist am Freitagabend mit dem TuS bei der TSG A-H zu Gast. Foto: Thomas F. Starke

Bielefeld (WB). Darauf hat die ostwestfälische Handball-Szene wochenlang gewartet: Am Freitagabend empfängt die TSG A-H den TuS Spenge zum Oberliga-Derby in der Seidensticker Halle. Die TSG kann ihre makellose Bilanz ausbauen, der TuS kämpft um den Anschluss. Vor dem Spiel haben sich Lars Krückemeyer und Henrik Wittenborn mit den Trainern Michael Boy (TSG) und Heiko Holtmann (Spenge) unterhalten.

Herr Boy, wundert es Sie, dass der TuS Spenge schon vier Punkte hinter der TSG liegt?

Michael Boy: Wundern wäre das falsche Wort. Man kann in dieser Liga jedes Wochenende verlieren und Spenge hat schon schwere Spiele gehabt. Ich sehe sie auch nicht als einzigen Verfolger, die Leistungsdichte ist doch recht hoch.

Herr Holtmann, sind Sie überrascht, dass die TSG trotz so vieler neuer Spieler so souverän oben steht?

Heiko Holtmann: Überhaupt nicht. Die Neuverpflichtungen kamen zum großen Teil aus der dritten oder sogar zweiten Liga zur TSG – zum Beispiel Johannes Krause oder Marius Kastening. Dazu kommt mit Arne Kröger der Torschützenkönig der Oberliga. Das sind alles richtige Hochkaräter. Deswegen kann die TSG auch Ausfälle von Tobias Fröbel oder Carl-Moritz Wagner verkraften. Solche Charaktere wissen auch einfach, worauf es ankommt. In entscheidenden Phasen sieht man immer wieder, dass Leute wie Krause oder Kastening die Verantwortung übernehmen.

Haben Sie eine Erklärung, warum es beim TuS Spenge zu Beginn nicht lief, beziehungsweise, warum die Mannschaft viermal in Folge gewonnen hat?

Holtmann: Von Beginn der Vorbereitung an fehlte uns die Konstanz im Spiel. Wir können guten Handball spielen und spielen guten Handball, allerdings immer nur phasenweise und nicht konstant über 60 Minuten. Wir haben nicht die erfahrenen Spieler auf dem Feld, die ein Spiel an sich reißen. Wir müssen uns finden und wir sind damit noch nicht fertig. Mit Ausnahme der letzten beiden guten Spiele haben wir in Ordnung gespielt, davor eben noch nicht.

Holtmann gefällt das TSG-Projekt

Und bei der TSG, Herr Boy? Wie haben Sie es geschafft, aus vielen Zugängen auf Anhieb eine Mannschaft zu formen?

Boy: Wir haben uns viele Gedanken um Verstärkungen gemacht und viele Gespräche geführt. Manchmal hat auch das Bauchgefühl entschieden. Die vielen Vorbereitungsspiele und das Trainingslager haben geholfen, eine Hierarchie in der Mannschaft zu entwickeln. Das hat man sehr früh gemerkt. Wichtig ist Disziplin. Das vermittle ich meinen Spielern in jedem Training und das haben sie auch verinnerlicht. Wir haben natürlich auch Spaß, aber die Mannschaft hat eine hohe eigene Motivation und weiß, wann es wichtig wird.

Die TSG hat sich mit Bundesliga-Handball in Bielefelder ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Wie beurteilen Sie, Herr Holtmann, als ehemaliger Spieler und Trainer des Vereins das Projekt?

Holtmann: Mir gefällt das gut. Bielefeld hat als guter Wirtschaftsstandort und mit der Seidensticker Halle beste Voraussetzungen in der Stadt. Wenn man das wie Christian Sprdlik ganz solide aufbaut, dann wird das auch klappen. Ich persönlich fände es sehr positiv, wenn es nicht nur die Erstligisten aus Lübbecke, Minden oder Lemgo gäbe. Wenn man unsere Sportart im Auge behält, kann das vor allem für Jugendspieler eine tolle Gelegenheit sein. In der Region gibt es viele talentierte Jugendspieler. Wenn sich denen ein solches Sprungbrett bietet, ist das optimal.

Sollte die TSG das Derby gewinnen, hätte sie schon sechs Punkte Vorsprung auf Spenge. Was würde das für den weiteren Saisonverlauf im Aufstiegsrennen bedeuten?

Boy: Das wäre keine Vorentscheidung, eher ein Ausrufezeichen. Wir haben noch viele schwere Auswärtsspiele vor uns.

Volle Halle ist ein Ansporn

Mit Phil Holland und Leon Prüßner sind vor der Saison bei Leistungsträger der TSG nach Spenge gewechselt. Was erwarten Sie speziell von den beiden im Derby?

Holtmann: Phil über die Saison gesehen die einzige Konstante in unserem Spiel. Damit bin ich sehr zufrieden. Bei Leon fehlt es noch ein bisschen an taktischer Spieldisziplin. Er hat ein riesiges Potenzial, muss sich aber an die Anweisungen halten. Leon ist noch jung und hat noch genug Zeit, das zu lernen. Mit Sebastian Reinsch hat er dazu einen Topspieler auf seiner Position; da muss man erstmal rankommen.

Boy: Eine ganze Menge! Phil ist auf Anhieb sehr gut angekommen und zum Dreh- und Angelpunkt beim TuS Spenge geworden. Wir haben noch Kontakt und ich wünsche ihm eine verletzungsfreie Zeit. Leon lebt mehr von seinen Emotionen und ist immer für etwas Besonderes in einem Spiel gut. So wie beim Spiel in Gladbeck, als er Spenge einen Punkt in letzter Sekunde gerettet hat.

Am Freitagabend werden mehr als 2000 Zuschauer in der Seidensticker Halle erwartet. Ist das eher Ansporn oder kann es auch zur Belastung werden?

Boy: Für meine Mannschaft ist das nur Ansporn. Viele unserer Zugänge kennen zwar dieses Derby noch nicht, haben aber in so einer Atmosphäre mit anderen Vereinen schon gespielt. So wie Oliver Tesch bei Spenge. Und die meisten haben ja eh schon einige dieser Duelle erlebt.

Holtmann: Da tickt jeder Spieler anders. Meiner Meinung nach macht man diesen Sport doch, um eben genau vor so einer vollen Halle spielen zu dürfen. Das macht bei aller natürlich vorhandenen Nervosität doch riesigen Spaß.

Herr Holtmann, nur einen Tag nach dem Derby ist Ihr Team auf dem Weg zur Titelverteidigung im DHB-Amateur-Pokal schon wieder im Westfalenpokal in Loxten gefordert. Wie wollen Sie diese Doppelbelastung bewältigen?

Holtmann: Wir haben 15 gute Spieler im Kader, die alle in unser System reinpassen. Wir haben also genug taktische Möglichkeiten und können immer wieder frische Leute bringen. Ich denke im Moment nur von Spiel zu Spiel. Jetzt steht erstmal das Derby am Freitagabend an, dafür legen wir uns taktisch etwas zurecht. Dann geht es Samstag nach Loxten , wo wir auch noch zwei andere schwierige Spiele haben. Darüber mache ich mir aber erst am Freitag um 23 Uhr Gedanken. Der Westfalenpokal steht auf einem anderen Blatt Papier. Und ich blätter erst am Freitagabend um.

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