Mi., 29.11.2017

Futsal: Brasilianer Cleverson Pelc ist der erste Profi beim MCH Sennestadt Gekommen, um zu bleiben

In der Futsalliga West meist nur mit unfairen Mitteln zu stoppen: Seit dieser Saison spielt Cleverson Pelc (links) für den MCH Sennestadt. Der Brasilianer ist damit der erste Profi-Futsaler in Diensten des amtierenden Westdeutschen Meisters.

In der Futsalliga West meist nur mit unfairen Mitteln zu stoppen: Seit dieser Saison spielt Cleverson Pelc (links) für den MCH Sennestadt. Der Brasilianer ist damit der erste Profi-Futsaler in Diensten des amtierenden Westdeutschen Meisters. Foto: Henrik Wittenborn

Von Henrik Wittenborn

Bielefeld (WB). Nicht gesucht und trotzdem gefunden: Im Sommer fand Cleverson Pelc als erster Futsal-Profi überhaupt den Weg von seiner brasilianischen Heimat über Italien und Polen zum MCH Sennestadt. Schon nach einer halben Saison des Dribbelkünstlers im Sennestädter Trikot mit der Nummer 20 ist klar: Der Zufall meinte es gut mit Cleverson und dem MCH.

»Eigentlich war im Sommer schon Schluss mit Futsal«, erzählt Pelc mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Nach mehr als zwei Jahrzehnten ganz im Zeichen des Sports wollte sich der 32-Jährige allmählich in Richtung Futsal-Rente aufmachen. Seine brasilianische Frau bekam die deutsche Staatsbürgerschaft, Pelc zog es daraufhin mit seinen beiden Kindern von Polen nach Osnabrück.

Doch da machte es sich schnell wieder breit, dieses Jucken in den Füßen. »Ich wollte wieder spielen. Nur um ein bisschen Spaß zu haben. Also habe ich mich auf die Suche gemacht«, sagt Pelc. Der Brasilianer mit polnischem Pass muss allerdings gestehen, nach seiner Ankunft noch davon ausgegangen zu sein, vor einer aussichtslosen Suche gestanden zu haben. »Ich wusste gar nicht, dass in Deutschland überhaupt Futsal gespielt wird.« Schon bald kreuzten sich Pelcs Wege allerdings mit denen von MCH-Trainer Sebastian Rauch. »Und mit ihm habe ich genau den richtigen gefunden«, scherzt Pelc.

Von Polen Nach Sennestadt

Seit Sommer setzt Cleverson seine Karriere also doch noch einmal im Sennestädter Trikot mit der Nummer 20 fort. Seit seinem neunten Lebensjahr genoss Pelc das, was sein Trainer Rauch die »brasilianische Futsalschule« nennt. Dass es überhaupt dazu kam, verdankt Pelc zu großen Teilen seinem Großvater. Als einer von vielen Polen flüchtete Senior Pelc vor dem zweiten Weltkrieg ins brasilianische Curitiba – Jahrzehnte später Cleversons Geburtsstadt.

Gerade volljährig, verschlug es Cleverson Lilton Pelc Fernandes, wie der heute 32-Jährige mit vollem Namen heißt, vor rund 15 Jahren allerdings zurück nach Europa. »Futsal ist mein Leben und seitdem mein Job.« Nach fünf Jahren als Profi in der italienischen Liga ging es zurück zu den Wurzeln nach Polen. Nach seiner Rückkehr nach Brasilien und einem weiteren zweijährigen Intermezzo in Polen landete Cleverson im Sommer in Sennestadt.

Und schon nach einer Halbserie ist klar: Der Brasilianer ist in sportlicher Sicht schon jetzt voll und ganz im Bielefelder Süden angekommen – und das nicht nur, weil ihm der Sennestädter Anhang schon jetzt einen eigenen Schlachtruf gewidmet hat. »Er hat die Mannschaft von Beginn an besser gemacht«, sagt sein Trainer Sebastian Rauch, für den Pelc gewissermaßen der »verlängerte Arm« auf dem Spielfeld ist. »Er kann Dinge, die ich fordere sofort umsetzen und weiß dank seiner Erfahrung genau, wie er sich bewegen muss. Wir wissen, was wir uns gegenseitig geben können.«

Futsal-Rente muss warten

Cleverson Pelc nimmt sich in erster Linie den Spaß und gibt seine Erfahrung gerne weiter – nicht nur auf dem Feld. Auch in Sachen Professionalität kann Pelc dem MCH helfen. Wenngleich es dafür einen kleinen Kulturschock benötigte. »Futsal ist in Deutschland noch überhaupt nicht mit dem in Italien oder Polen vergleichbar. Hier trainieren wir einmal in der Woche und dann fehlt manchmal die halbe Mannschaft, weil sie noch Fußball spielen muss«, scherzt Pelc. Fußballspielende Futsaler, das gäbe es in führenden Futsalnationen längst nicht mehr.

Dass das gewiss nicht immer so bleiben muss, hat auch Pelc schon gemerkt. »Das Potenzial, dass Deutschland auch eine große Futsalnation wird, ist auf jeden Fall da«, sagt Pelc. Mit Hilfe der nötigen Investitionen könne es der Weltranglisten-Neuling aus dem Niemandsland allerdings schon bald unter die Topnationen schaffen. Ob Cleverson Pelc diese Entwicklung in Sennestadt noch längere Zeit mit vorantreibt? Sebastian Rauch macht sich noch keine Sorgen. »Er kann uns noch viele Jahre helfen.« Ein Angebot, das Pelc nur zu gerne annimmt: »Ich spiele hier so lange, bis sie mich nicht mehr wollen.« Die Futsal-Rente muss also noch ein bisschen warten . . .

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