Do., 25.01.2018

Abhärtung bei Kenias Champions: Amanal Petros hat Spaß im Höhentrainingslager Iten inspiriert »Mzungu« Petros

Von Jörg Manthey

Bielefeld (WB). Post aus Kenia. Amanal Petros geht es ziemlich gut in Iten, dem Lauf-Mekka Kenias. »Es läuft alles bestens. Bis jetzt bin ich heile. Kein Durchfall«, grinst das Langstrecken-Ass der SV Brackwede. Im »Home of Champions« eignet er sich exquisite Grundlagen für die Saison 2018 an. Abhärtung pur! Der Plan: die Qualifikation für die Leichtathletik-EM im August im Berliner Olympiastadion.

»Home of Champions« prangert auffällig auf einem metallenen Bogen an Itens Ortseingang. Ein Zeugnis, welches Privileg Debütant Amanal Petros sowie die von den Trainern Wolfgang Heinig und Katrin Dörre-Heinig betreute deutsche Langlaufelite genießen. Ein Erlebnis, dass der Brackweder nicht missen möchte. Im sagenumwobenen Iten wird seit Jahrzehnten ein Großteil der kenianischen Laufübermacht geformt.

Schon seit mehr als zwei Wochen fordert extrem anspruchsvolles Gelände, von flach bis wellig, Petros und Co. alles ab. Das Pensum ist hart. Wenn die Sonne aufgeht, wird zum ersten Mal gelaufen. Mitunter geht es auch durch Kuhherden. »Wir trainieren zwei- bis dreimal am Tag«, berichtet Petros. Gelaufen wird bei Temperaturen von 25, 26 Grad auf Naturwegen aus rotem Sand; ein Paradies. Nur mit dem Staub muss man klar kommen. Oder auch im Kamariny-Stadion auf der berühmten von den Engländern erbauten 404-Meter-Aschenbahn.

Körper behutsam an den sinkenden Luftdruck gewöhnen

Iten an der Klippe des Rift Valleys: Rundherum tummeln sich die besten Läufer der Welt, die in der Pampa oder auf der Aschenbahn, dem Herz der Stadt, ihre Programme abspulen. Petros ist auf Augenhöhe. Es sei durchaus inspirierend, zu sehen, wie hart und mit welcher Aufopferung die fliegengewichtige Weltspitze dort trainiert.

Der DLV-Tross ist im Kerio View Hotel einquartiert. Drei Sterne, leckere internationale Küche, eine malerische Aussicht ins Tal hinab mit seinen Seen und Flüssen, fantastische Sonnenaufgänge. »Ein geiles Hotel«, schwärmt Petros, der sich ein Zimmer mit Hendrik Pfeiffer und Tom Gröschel teilt. In den Wettkämpfen direkte Konkurrenten, entwickeln sie hier einen tollen Teamspirit.

In der Ausdauer-Schmiede auf 2402 Meter Höhe besteht aufgrund des sinkenden Luftdrucks Sauerstoffmangel. In den ersten Tagen sind die Körper behutsam mit ruhigen, kürzeren Läufen an diese sauerstoffarme Höhenluft herangeführt worden. »Ich konnte anfangs kaum atmen«, bekennt Petros. »Die kenianischen Frauen sind an mir vorbeigelaufen. Ich hatte keine Chance.« Das hat sich geändert. »Jetzt kämpfe ich gegen die Männer!«

Formcheck bei der Hallen-DM in Dortmund

»Wir haben sehr wenig Freizeit, wenn wir überhaupt Freizeit haben«, meint Amanal Petros. »Wir legen uns dann einfach in die Sonne, genießen das Wetter, die Wolken und die Aussicht.« Manchmal gehen die Deutschen auch in die Stadt. Im kleinen 5000-Einwohner-Örtchen rufen Kinderhorden von allen Seiten »Mzungu! Mzungu!«, was auf Suaheli soviel wie »fremdartig«, »sonderbar« oder auch »Weißer« bedeutet. »Da musste ich die ganze Zeit lachen. Ich habe ihnen dann versucht klarzumachen, dass ich doch gar kein Mzungu bin, sondern auch ein dunkelhäutiger Mensch. Das war schon putzig.«

Amanal Petros hofft, dass er bis zum Ende seiner Iten-Tage gesund bleibt. Er spricht von seiner »sehr interessanten Erfahrung«. Die Menschen in Kenia seien sehr freundlich und hilfsbereit. »Egal, wo du läufst; die Leute fragen dich zuerst: how are you. Und direkt danach; give me watch. Gib mir deine Uhr. Da müssen wir immer lachen. Das ist sehr lustig.«

Ob und wie das Hypoxie-Training Amanal Petros leistungsmäßig einen Schub gibt, ob Kenias rote Erde Spuren hinterlassen hat, wird der Brackweder womöglich einige Tage nach seiner Rückkehr beim Ifam Indoor in Belgien (10. Februar) feststellen. Und spätestens bei den 65. Deutschen Hallen-Meisterschaften am 17./18. Februar in Dortmund, wo er über 3000 Meter starten will. Diese DM soll Auftakt für ein besonderes Jahr sein. Denn merke: Nach dem Höhentrainingslager ist vor dem Höhentrainingslager. Sechs Wochen nach der Rückkehr aus Kenia steuert die DLV-Elite Falstaff in Arizona (USA) an. Der Mount Elden ist 2385 Meter hoch.

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