Fr., 09.02.2018

Markus Schütte ist der Lokalmatador im Feld des 29. Hallentrials Bielefeld »Die Sektionen sind der Feind«

Außenseiter Markus Schütte vom MSC Brake hofft beim Hallentrial am 25. Februar auf einen »absoluten Sahnetag«

Außenseiter Markus Schütte vom MSC Brake hofft beim Hallentrial am 25. Februar auf einen »absoluten Sahnetag« Foto: Bernhard Pierel

Von Jörg Manthey

Bielefeld (WB). Motorradtrial ist ein ehrlicher Sport. Unterläuft dem Piloten ein Fahrfehler, folgt die Quittung umgehend. Solch eine Lektion kann schon mal recht schmerzhaft sein. Beim anspruchsvollen 5. ADAC-Hallentrial in der Saturn-Arena Ingolstadt stürzte Markus Schütte vom MSC Brake aus etwa zwei Metern ab. Seine Beta EVO 300 landete auf ihm, der Lenker wischte ihm heftig durchs Gesicht.

Inzwischen ist die Blessur am Auge kaum noch sichtbar. Sowieso ließ sich der 27-jährige Schweißfachingenieur von dem unschönen Ereignis am Betonquader der vierten Sektion nicht beirren. Motorradtrialer sind hart im Nehmen. Markus Schütte schüttelte sich also und fuhr den Hindernisparcours bis zum Ende durch. Dass er den Wettbewerb mit insgesamt 26 Fehlerpunkten auf dem zwölften und letzten Platz und dabei sämtliche Sektionen mit einer »Fünf« abschloss, der Maximalstrafe – für ihn bloß eine Randnotiz. »Mit 18, 19 Jahren wäre ich innerlich vielleicht explodiert. Es war eine schöne Atmosphäre da. Bei unserem Hallentrial will ich es besser machen«, sagt er.

»Zeichen-Trick« in der Seidensticker Halle

Diedrich Weber, Vorsitzender des MSC Brake, thematisiert den »schmalen Grat« der Sektionsbauer. »Unser Anspruch ist, dass wir im Vorlauf auch den Letzten zeigen lassen wollen, dass er richtig gut Moped fahren kann. Gleichzeitig darf die Spur nicht zu leicht sein.« Den Kollegen in Ingolstadt sei diese Spreizung weniger gelungen. »Da waren so viele Fünfer bei, dass der Zuschauer nicht erahnen kann, dass die hinten Platzierten genauso exzellente Motorradfahrer sind.« Am Sonntag, 25. Februar, zaubert der MSC Brake traditionell einen schicken Motto-Hinder­nisparcous in die Seidensticker Halle. Dagobert Ducks Geldspeicher oder das Steinzeitauto Fred Feuersteins sind untrügliche Indizien für »Zeichen-Trick«. Nach Carsten Stranghöner, Mirco Kammel (beide MSC Brake) und Jan Junklewitz (DMSC Bielefeld) – alle waren in ihrer Karriere Deutscher Meister – ist Markus Schütte, der DM-Sechste von 2017, der vierte Lokalmatador. »Dass wir einen von uns dabei haben, ist extrem wichtig«, bekennt Diedrich Weber. Wissend, dass Schütte der letzte Mohikaner einer goldenen Generation ist. Top-Nachwuchs rückt in absehbarer Zeit nicht nach.

»Im Parcours kriegst du nichts geschenkt«

1999, im zarten Alter von neun Jahren, machte Markus Schütte erste Bekanntschaft mit dem Trial-ABC. Über die Stationen MSC Sieker und DMSC fand er vor mehr als einem Jahrzehnt zum MSC Brake. 2007 feierte Schütte zusammen mit den MSC-Kollegen Mirco Kammel, Tim Stuckmann und Kevin Bergmann einen feinen Erfolg: Als Team ADAC Ostwestfalen-Lippe holte das Quartett in Osnabrück den Titel beim ADAC Jugend Trial Mannschafts-Cup; ein erster Höhepunkt in seinem Trialleben. Genauso wie der Sieg im vorigen Jahr bei der Braker Trialnacht, als er Jan Junklewitz distanzieren konnte. Schütte mag die Kerle einfach, die diese Disziplin betreiben. »Die Arschlochdichte ist gering. Alle sind sehr nett. Es ist familiär, jeder kennt jeden. Der Konkurrenzkampf ist nicht so extrem. Der Feind sind vielmehr die Sektionen. Die sind schuld, wenn es nicht läuft«, erläutert er und philosophiert: »Im Parcours kriegst du nix geschenkt. Das ist wie im richtigen Leben! So formt Trial auch deinen Charakter. Um besser zu werden, musst du eine Menge investieren.«

Timo Grospitz ist »Wasserträger«

Markus Schütte fährt zum dritten Mal nach 2012 und 2013 in der Seidensticker Halle vor großem Publikum. Von (zu) großen Fußstapfen, die er vorfindet, will er nichts wissen. Er ist kein Stranghöner, kein Kammel, kein Junklewitz. »Ich bin kein Profi und mache das als Hobby. Ich möchte gesund nach Hause kommen, am Montag wieder arbeiten und rückblickend sagen können: Mensch, hat das Spaß gemacht.« Als sein Wasserträger, Fänger, Spurenscout fungiert Timo Grospitz, Spitzname »Pocher«. Drei fünfte Plätze (2013, 2014, 2015) waren bislang Schüttes bestes Abschneiden im DM-Klassement der Elite. »Dieses Jahr hole ich mir den fünften Platz zurück. Je weiter es nach oben geht, umso dünner ist die Luft«, sagt er mit Verweis auf die Profi-Konkurrenz. An Deutschlands Nummer eins Franzi Kadlec, Jarmo Robrahn (aktuell verletzt) oder Max Faude scheint kein Vorbeikommen. »Die ersten drei sind extrem talentiert.« Markus Schütte weiß, dass er am 25. Februar einen absoluten Sahnetag brauchen wird, um die Hierarchie etwas durcheinanderzuwirbeln. »Du musst auf den Punkt alles abrufen. Es stehen Leute im Feld, die können das besser als ich«, weiß er. Ins Finale der besten Vier vorzufahren, wäre ein Traum. Kämpferisch sagt er: »In der Halle kann alles passieren. Wie bei einer Fußball-WM. Auch da ist alles möglich.«

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