Mi., 23.05.2018

Arminias U23 verabschiedet sich mit einer indiskutablen Saison aus den Vereinsannalen Die Bilanz eines Absteigers

Das war’s: Für André Kording (hier mit Fynn Rausch-Bönki) endet eine neunjährige Ära als Spieler und Trainer von Arminias U23. »Da kommt natürlich auch Wehmut auf.« Die Bilanz in dieser Saison bezeichnet der 28-Jährige als »erschreckend«.

Das war’s: Für André Kording (hier mit Fynn Rausch-Bönki) endet eine neunjährige Ära als Spieler und Trainer von Arminias U23. »Da kommt natürlich auch Wehmut auf.« Die Bilanz in dieser Saison bezeichnet der 28-Jährige als »erschreckend«. Foto: Thomas F. Starke

Von Arndt Wienböker

Bielefeld (WB). Wenn da nicht die Auflösung der Mannschaft wäre, müsste man diese Saison eigentlich so schnell wie möglich aus dem Gedächtnis streichen. So aber bleibt die Oberliga-Spielzeit 2017/18 als die letzte von Arminias U23 in den Vereinsannalen stehen.

Immerhin sorgten die »Blue Boys« am Pfingstmontag mit dem 2:1-Sieg gegen Eintracht Rheine für einen versöhnlichen Abschluss, aber unterm Strich war es eine Spielzeit voller Pleiten, Pech und Pannen, die einfach nicht enden wollten. »Erschreckend« findet André Kording die Bilanz, die man auch noch drastischer werten könnte. 23 Punkte aus 30 Spielen: Damit wäre die Mannschaft mit ziemlicher Sicherheit auch sportlich aus der Oberliga abgestiegen, wenn es nicht die Rückzüge des SC Hassel und TSV Marl-Hüls gegeben hätte. Zielsetzung war eine ganz andere: Unter dem neuen Trainer René Müller wollten die »Blue Boys« eigentlich im oberen Drittel der fünften Liga mitmischen. Doch schnell wurde klar, dass die Qualität des jungen Teams mit einem Altersschnitt von unter 22 Jahren dafür nicht ausreicht.

Kording vermisst Selbstreflexion bei den Spielern

Mit sechs Punkten aus den ersten drei Spielen erwischte man noch einen ordentlichen Start, doch dann ging es rapide bergab. Die Auto-Immun-Erkrankung von René Müller ließ André Kording ins erste Glied des Trainerteams rücken, doch der 28-Jährige sollte die schwerste Zeit seiner neunjährigen Ära bei Arminias U23 durchleben. »Das war ein sehr lehrreiches Jahr für mich. Ich habe Erfahrungen fürs Leben gesammelt und weiß jetzt, wie ich mit manchen Situationen umzugehen habe.« Was Kording besonders vermisste, war eine gesunde Selbstreflexion bei den jungen Spielern. »Mentalität ist für mich das oberste Gebot.« Das versuchte das Trainerteam zwar vorzuleben, doch ein Großteil der Mannschaft ließ Charakter und den letzten Einsatzwillen nicht erst ab dem Zeitpunkt vermissen, als die Auflösung der Mannschaft im März offiziell verkündet wurde.

Auflösungserscheinungen in der Rückrunde

13 Punkte aus der Hinrunde waren schon eine mehr als magere Ausbeute für eine Mannschaft, die spielerisch viel mitbringt, aber immer wieder an fehlender Konstanz und Konsequenz scheiterte. In der Rückrunde wurde es dann zeitweise gar desaströs, Auflösungserscheinungen wurden immer offensichtlicher. Nur zehn Punkte sammelte das Team in der zweiten Halbserie. Auswärts holte Arminias U23 in der gesamten Saison fünf Pünktchen – der schlechteste Wert der Liga. 67 Gegentore stellen ebenfalls den Negativwert der Oberliga dar. 33 erzielte Tore, nur Schlusslicht FC Gütersloh hat noch seltener getroffen.

Jahresübergreifend kassierten die »Blue Boys« neun Niederlagen in Folge, die Heimsiege gegen Herne (2:0) und Sprockhövel (2:1) sollten bis zum Saisonfinale das letzte Zählbare gewesen sein. Vor dem 2:1 gegen Rheine standen sechs Niederlagen am Stück, inbegriffen der 0:9-Rekordpleite nach einer »Nicht-Leistung« (Kording) in Hamm. »Gegen Ende hat auch die Trainingsbeteiligung und die Qualität immer mehr nachgelassen«, berichtet der Trainer, der aber trotz der indiskutablen Bilanz nicht zum Rundumschlag ausholte. Das letzte Spiel von Arminias U23 erklärte der 28-Jährige, der in den letzten beiden Spielen aufgrund der Personalnot sogar sein Comeback als Spieler geben musste, noch einmal zum Charaktertest. »Ich wünsche mir, dass jeder Spieler das Arminia-Wappen mit Würde trägt.« Dieser Wunsch wurde Kording zumindest erfüllt, der Abschied (»Ich konnte mich ja lange auf diesen Moment vorbereiten«) gestaltete sich dadurch etwas erträglicher.

»Das kann nicht unser Anspruch sein«

»Die Mannschaft hat sich ordentlich verabschiedet«, urteilte NLZ-Leiter Finn Holsing am Pfingstmontag. Unterm Strich bleibt aber ein ganz fader Beigeschmack, was auch Holsing nicht verhehlen will: »Wir sind natürlich mit ganz anderen Erwartungen in die Saison gegangen. Das, was die Mannschaft abgeliefert hat, kann nicht unser Anspruch sein. Das war auch eine Einstellungssache.« In der Entscheidung des Vereins, nicht länger an der U23 festzuhalten, sieht sich Holsing bestätigt: »Wir haben diese Entscheidung ja auch ganz bewusst getroffen.«

Die Mannschaft hat sich gestern ein letztes Mal getroffen. Die Spieler gehen nun getrennte Wege, doch längst nicht alle haben bereits einen neuen Verein gefunden. Niklas Sewing (zum Regionalligisten SC Verl) und Almir Kasumovic (zum Nord-Regionalligisten TSV Havelse) sind zwei der wenigen, die aufsteigen. Auch Max Danner spielt demnächst höherklassig, beim österreichischen Drittligisten USK Anif. Danner nimmt rückblickend auf die letzte Saison von Arminias U23 kein Blatt vor den Mund: »So kannst du dich nicht verkaufen. Da muss sich jeder selbst hinterfragen.«

Für André Kording (»Es war insgesamt eine schöne Zeit bei der U23, jetzt muss ich erstmal ein bisschen Abstand gewinnen«) wird es beim DSC Arminia in anderer Funktion weitergehen. Eine Hospitanz im unteren Jugendbereich steht im Raum. René Müller wird neuer Sportlicher Nachwuchsleiter von der U16 bis zur U19, die nun den alleinigen Unterbau der Profis darstellt.

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