So., 12.08.2018

Für eine Karriere als Profifußballer war der Hochsprung-Europameister aus Bielefeld zu lauffaul »Geile Show«: Überflieger Przybylko springt ins EM-Glück

Mateusz Przybylko in Aktion.

Mateusz Przybylko in Aktion. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Berlin (dpa/WB). Für eine Karriere als Profifußballer wie sein Bruder Kacper war Überflieger Mateusz Przybylko schon immer zu lauffaul. Der 400 Meter langen Ehrenrunde im Berliner Olympiastadion als Hochsprung-Europameister hatte der 26-Jährige aber schon sein ganzes Sportlerleben entgegengefiebert – und genoss die Jubelfeier umso mehr.

»Es war immer mein Traum, ich wollte immer eine Goldmedaille und mit der Fahne laufen«, schwärmte der Leverkusener, der in Bielefeld aufwuchs, nach seinem überraschenden Gold-Coup. »Geile Show, die ich gemacht habe, oder?«

Gala-Auftritt begeistert Zuschauer

Das sahen auch die 60.500 Zuschauer so, bejubelten den Siegsprung lauter als fast jedes Hertha-Tor. Bei seinem makellosen Gala-Auftritt überwand Przybylko alle Höhen bis einschließlich der goldbringenden 2,35 Meter im ersten Versuch und holte damit den erst zweiten EM-Titel eines deutschen Hochspringers nach Olympiasieger Dietmar Mögenburg 1982.

»Das wird wohl auch noch ‘ne Woche dauern, bis ich das realisiert habe: Du gehörst jetzt zu Namen wie Carlo Thränhardt – ich, Mateusz Przybylko«, sagte er auch am Sonntagmittag noch ungläubig. »Mein Handy ist fast explodiert. Ich habe in einer halben Stunde wohl 500 Nachrichten bekommen, und dann habe ich mir gedacht: Du machst es am besten wieder aus.«

Der Sportsoldat, der seit 2009 für Bayer 04 Leverkusen startet, ist amtierender Deutscher Meister. Sein erster Leichtathletik-Verein war die LG Bielefeld. In der Jugend schnürte er wie seine Brüder Kacper und Jakub mehrere Jahre für Arminia Bielefeld die Fußballschuhe.

Przybylko eiskalt

Schon bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Birmingham bewies der Sportsoldat dieses Frühjahr mit dem Gewinn der Bronzemedaille sein Weltklassepotenzial. Dass ihm damals von den Organisatoren eine Ehrenrunde noch untersagt worden war, nahm er nur noch als weiteren Ansporn für die Heim-EM. In der Halle hatte Anfang März der Russe Danil Lyssenko Gold gewonnen, aber anschließend sein Startrecht als neutraler Athlet vor der EM verloren, weil er nicht über seine täglichen Aufenthaltsorte für mögliche Dopingtests in der Trainingsphase informiert hatte.

Przybylko nutzte die unerwartete Chance eiskalt. »Er war so fokussiert. Man hat gespürt, das sollte sein Wettkampf sein. Er war unter Feuer«, lobte der deutsche Cheftrainer Idriss Gonschinska. »Als er ins Stadion kam, wusste ich: Er macht das. So eine Dynamik, ein optimales Timing, er war fantastisch.«

Mit der WM-Medaille und dem EM-Triumph hat Przybylko nun zwei Karriereziele abgehakt – einen dritten Traum verfolgt er noch weiter . »Bald will ich den deutschen Rekord, das ist machbar«, kündigte der selbstbewusste gebürtige Bielefelder an.

Sportliche Familie aus Bielefeld

Einmal ließ der neue Europameister auch in Berlin nach Bestätigung seiner persönlichen Bestleistung noch die 2,38 Meter auflegen. Damit würde er die nationale Bestmarke von Thränhardt um einen Zentimeter übertreffen. »Ich hatte aber bei jedem Sprung 200 Prozent gegeben, da war dann die Luft raus«, begründete er, warum er es nur einmal versuchte.

Seinen linken Oberarm ziert eine Tätowierung mit der Aufschrift »mi familia« (»meine Familie«). Przybylko hat polnische Eltern. Vater Mariusz war Fußballer und Mutter Violetta Leichtathletin. Sein Bruder Kacper (25) spielte zuletzt als Fußballprofi beim 1. FC Kaiserslautern, zuvor auch in der Heimat bei Arminia Bielefeld und dem 1. FC Köln Und auch Jakub (25) ist als Fußballer aktiv, spielte nach seiner Zeit in der Jugend von Arminia in der 2. Mannschaft, später für Rödinghausen, Köln II und Schalke II.

»Meine Brüder waren immer so auf den Ball fixiert«, berichtete Mateusz über seine sportliche Sozialisation. »Ich mag es aber nicht so gerne zu laufen.« An die Ehrenrunde könnte er sich allerdings gewöhnen, wenngleich er während des anschließenden Fernsehinterviews einen Krampf bekam.

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