Di., 13.02.2018

Überraschende Quali mitten im Winter: Daniel Knoepkes sportlicher Familienurlaub in Dubai Durch Wellen und Wüstenwind zur WM

Von Gunnar Feicht

Borgholzhausen (WB). Aus Ostwestfalens Schmuddelwinter in die Wüste, eine Woche Traumurlaub am Persischen Golf in Dubai – durchaus kein exotisches Ziel mehr. Aber dies Anfang Februar mit einem Triathlon-Wettkampf über die Ironman-Halbdistanz zu verbinden, widerspricht jeder Trainingslehre. »Als Triathlet hat man eben nicht alle Tassen im Schrank«, lacht Daniel Knoepke. Er hat’s gewagt – und einen Volltreffer gelandet.

Denn beim Ironman 70.3 (steht für 70,3 Meilen Gesamtdistanz) lief es für den Borgholzhausener ähnlich gut wie bei seinen unvergesslichen Ironman-Trips zur WM auf Hawaii 2011 und 2012. Jetzt startete er im Schatten des Burj Al Arab, des 321 Meter hohen Luxushotels, und trumpfte auf, als wäre es mitten in der Saison: Für 1,9 km Schwimmen im offenen Meer, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen brauchte er nur 4:11:28 Std. – Platz 39 in einem Riesenfeld von 1340 Männern und 247 Frauen, die das Ziel erreichten. Noch wichtiger: In seiner mit 330 Meldungen stark besetzten Altersklasse (35 bis 39 Jahre) holte sich der Piumer drei Wochen vor seinem 36. Geburtstag einen tollen sechsten Rang – und hat sich für die 70.3-Weltmeisterschaft in Südafrika qualifiziert.

Damit hatte Knoepke selbst überhaupt nicht gerechnet: »Das ganze Unternehmen war als Familienurlaub und Trainingsexperiment geplant. Denn im Dezember und Januar bist du ja normalerweise im Grundlagentraining.« Der bekannt starke Schwimmer, der im Wasser bei Ironman-Rennen schon mal etliche Profis hinter sich lässt, hatte sich auch beim Laufen durchaus einiges zugetraut. »Die große Unbekannte war das Radfahren«, bekennt Knoepke. »Ich bin in diesem Winter nur einmal 60 km draußen Rennrad gefahren. Und da war bei einem 33er-Schnitt ziemlich schnell der Ofen aus.«

»Wie soll ich da einen Monat später 90 schnelle Kilometer im Wettkampf hinkriegen?«, zweifelte Knoepke. Aber in Abstimmung mit seinem Trainer Bernhard Lange (Fritzlar) fand er das richtige Alternativprogramm: Radtraining auf der Rolle im heimischen Keller, Melbourne-Halbfinale mit Angelique Kerber auf dem TV-Bildschirm statt nasskalter Regentristesse auf den Straßen rund um Borgholzhausen. Beim unvermeidlichen Lauftraining blieb ihm das miese Wetter nicht erspart, »aber ich hatte ja ein konkretes Ziel: Im Februar eine gute Leistung bringen. Und mit fast 15 Jahren Triathlon-Erfahrung weiß man, dass man dafür viel tun muss.«

Ehefrau Ellen, selbst Triathletin, und die vierjährige Tochter Lilly nahmen Rücksicht – »ohne die familiäre Unterstützung klappt das nicht«, bedankt sich Knoepke. Er fühlte sich gleich mehrfach motiviert. Mit dem Familienurlaub konnte er etwas zurückgeben, die atemberaubende Kulisse der Küstenstadt am persischen Golf setzte Kräfte frei. Und der Piumer freute sich auf die Begegnung mit seinem Kollegen Duncan: Beide hatten sich zwei Jahre zuvor bei der »Tour de Storck« kennengelernt. Das Radevent organisiert der Haller Süßwarenhersteller regelmäßig, um Mitarbeiter verschiedener Firmenstandorte über den Sport zusammen zu bringen. Knoepke: »Duncan ist selbst Triathlet, arbeitet für Storck in Dubai und hat mich zu dem Wettkampf eingeladen.«

Es sollte sich in jeder Hinsicht lohnen: Bei gut 20 Grad Außentemperatur stürzte sich Daniel Knoepke in die Fluten des Persischen Golfs, kletterte trotz heftigen Wellengangs (»streckenweise schlimmer als vor Hawaii«) als schnellster Amateur nach 24:11 Minuten aus dem Wasser, meisterte dann trotz drehender Wüstenwinde auch die gefürchtete Radetappe in 2:19:12 Std. sehr gleichmäßig und legte mit 1:22:08 auch noch einen super Halbmarathonlauf hin. Die Mischung aus Vorfreude und Ungewissheit beim Start (»immer ein sehr emotionaler Moment«) wich trotz Erschöpfung im Ziel purer Euphorie.

Für den sympathischen Leistungssportler, der seit Jahren für den Siegerländer Triathlon-Klub Ejot Team Buschhütten startet, war dies der Höhepunkt einer tollen Woche. Denn auch Dubai, diese hochmoderne Retortenstadt mit dem 830 (!) Meter hohen Wolkenkratzer Burj Khalifa und ihren verrückten Attraktionen hinterlässt unvergessliche Eindrücke. Daniel Knoepke: »Klimatisierte Bushaltestelle mit Sofa, Ferraris als Dienstwagen der Polizei, eine riesige Shopping-Mall mit Eislaufbahn und Skihalle am Rand der Wüste – das ist wirklich total crazy.« Für ihn jetzt eine schöne Erinnerung: Nach kurzer Regeneration beginnt die Vorbereitung auf Südafrika. Und Daniel Knoepke hat sich vorgenommen: »Die Familie soll es wieder miterleben.«

 

 

 

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