Mo., 05.03.2018

Luisenturmlauf: LC Solbad bietet fast 1000 Sportlern trotz Wetterkapriolen Top-Bedingungen Kerkmann verlangt Sansar alles ab

Heißes Duell bei frostigen Temperaturen: Elias Sansar (l.) und Jan Kerkmann sind an der Spitze eine Klasse für sich.

Heißes Duell bei frostigen Temperaturen: Elias Sansar (l.) und Jan Kerkmann sind an der Spitze eine Klasse für sich. Foto: Sören Voss

Von Gunnar Feicht

Borgholzhausen  (WB). Gegenseitiger Respekt zweier Klasseläufer: Elias Sansar hat um seinen fünften Erfolg in Serie beim Luisenturmlauf bis auf die Zielgerade kämpfen müssen, um Jan Kerkmann zu bezwingen. Und bei der 45. Auflage des Teutoklassikers gab es viele weitere Sieger.

»Jan hätte den Sieg heute genauso verdient gehabt. Er hat ein super Tempo vorgelegt und große Teile des Rennens von vorne bestritten«, lobte Sansar seinen Herausforderer. Auf der wegen vereister Passagen im Wald verkürzten Alternativstrecke hatte sich das Spitzenduo ein einsames Duell geliefert. Nach 20,2 km bei Temperaturen um null Grad setzte sich der Favorit von der LG Lage-Detmold-Bad Salzuflen in 1:09:59 Std. mit zwei Sekunden Vorsprung auf den TSVE-Spitzenläufer durch. Sansar: »Ein hartes Rennen, aber es hat Spaß gemacht, mit so einem Konkurrenten um den Sieg zu sprinten.«

Favorit spurtstärker

Auch Jan Kerkmann war mit seiner Leistung hochzufrieden: »Ich habe mich sehr gut gefühlt.« Bei 14 km bogen beide gemeinsam in den schweren, bis zu 14 Prozent steilen Anstieg in Richtung Luisenturm ab: »Dass ich da Elias’ harte Tempoverschärfung mit gehen konnte, hat mich noch mal angespornt. Aber ich wusste, dass er als grundschnellerer Topläufer im Stadion seine Vorteile haben würde«, sagte Kerkmann. An seinem Studienort in Freiburg hatte er sich trotz winterlicher Bedingungen gut vorbereiten können und freut sich jetzt auf das erneute Duell beim Hermannslauf.

Angst vor Eisregen unbegründet

Auf dieses Ziel am 29. April bereitet sich auch die schnellste Frau vor: Franzi Bossow vom TSVE Bielefeld zeigte mit ihrem überlegenen Sieg (gut vier Minuten Vorsprung), dass sie auf dem richtigen Weg ist. Auch 2013, als ebenfalls auf der Alternativstrecke gelaufen wurde, hatte sie gewonnen, aber gut fünf Minuten mehr gebraucht. »Beim ersten Schritt vor die Tür heute morgen in Werther hatte ich noch Angst, dass Eisregen runterkommt. Aber die Strecke war super zu laufen, die steilen Serpentinen bin ich gut hoch gekommen. Für den ›Hermann‹ bin ich jetzt guter Dinge«, sagte Bossow, die sich nach ihrem Intermezzo als Profi-Triathletin ganz aufs Laufen konzentriert.

Die zweitplatzierte Hannah Arlom von der LG Emsdetten, immerhin mit 38:31 Min. über 10 km notiert, konnte ihr nie gefährlich werden. Nach gerade überstandener Erkältung freute sich Ilka Wienstroth (TSVE), 2017 Siegerin der Nacht von Borgholzhausen, über Rang drei.

Vielen fehlt das Bergtraining

Franzi Bossow hatte im Februar während zwei Wochen auf Mallorca gut trainieren können. Bergige Kilometer, die den »Daheimgebliebenen« fehlten. Das beklagte auch Ingmar Lundström: Der Rekordsieger über die Kurzdistanz (diesmal 10,2 statt 12,5 km) war deutlich vor dem zweitplatzierten Tobias Eßbach die steile Peter-Eggermont-Straße hinaufgestürmt und mit 31 Sekunden Vorsprung ins Ziel gekommen. »Ich habe deutlich gespürt, dass vier bis fünf Wochen mit Trainingseinheiten im Berg fehlen. Das werden heute viele Leute gemerkt haben«, sagte der Routinier, der in Gütersloh eine große Trainingsgruppe von 170 Hobbyläufern auf den »Hermann« vorbereitet.

Schnell mit schweren Beinen

»Schwere Beine« spürte auch Frauen-Siegerin Michelle Rannacher, obwohl über 10,2 km nur drei Männer schneller waren als sie. »Wegen Sturmschäden, Schnee und Eis war ich wochenlang nicht im Teuto und habe das heute gemerkt«, sagte die zierliche Gütersloherin. Sie will bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover (8. April) ihre Halbmarathon-Bestzeit unter 1:20 Std. drücken.

Assmann guter Sechster

Als schnellster Läufer vom Ausrichter LC Solbad überzeugte Neuzugang Ingo Assmann im Feld der 809 Finisher über die Langdistanz mit dem sechsten Gesamtrang (3. M35). Nur gut eine Minute später lief der aus Halle stammende Bielefelder Carl-Philipp Mußgnug (TSVE) auf Rang zehn. Der Ex-Solbader Bernd Nedderhoff aus Nettelstedt holte sich in 1:22:39 Std. überlegen den M55-Klassensieg. Auch die in die W65 aufgerückte Marianne Niemann (LC Solbad) lag mit 1:44:01 in ihrer Altersgruppe vorn, ebenso wie Karl-Friedrich Anwander (M75/ 1:48:21).

Wesersand gibt Sicherheit

Erschöpft, aber fast alle bestens gelaunt – so erreichten insgesamt 959 Finisher (unter ihnen 16 Walker) über die zwei angebotenen Distanzen das Ziel. »Das war organisatorisch eine echte Herausforderung«, atmete Streckenchef Udo Lange tief durch. »Erst die Sturmschäden, dann Schnee, Eis und Frost und die schwerwiegende Entscheidung, auf die Alternativstrecke umzuswitchen: Das alles hat einen Riesenaufwand erfordert«, erläuterte Lange. Hinzu kam, dass mit der Grippewelle etliche Helfer kurzfristig ausfielen.

Aber mit einer gemeinsamen Anstrengung und der Unterstützung des Veranstanstaltungsdienstes Reijo sorgte der LC Solbad für gute Bedingungen. Bis ins Detail: »Unterhalb vom Hollands­kopf mussten wir eine vereiste Gefällstrecke entschärfen. Da haben wir vorher mit Splitt, Sägespänen und Wesersand experimentiert«, berichtete LC-Vorsitzender Hubert Kaiser. Der Sand erwies sich als die beste Rutschbremse und sorgte auch in dieser Passage für trittsicheres Geläuf. »Wir sind heilfroh, dass das Wetter gehalten hat. Unter diesen schwierigen Umständen ist alles gut gelaufen«, zog LC-Vorsitzender Hubert Kaiser Bilanz.

 

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5566269?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F4029440%2F