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Do., 07.12.2017

Handball: Thomas Wöstmann über ein außergewöhnliches Projekt TG Hörstes goldene Generation

Glänzende Zukunftsaussichten: Melina Gerdes zählt zu den Nachwuchsspielerinnen der TG Hörste, die das Talent haben, auch im Damenbereich höherklassig zu spielen.

Glänzende Zukunftsaussichten: Melina Gerdes zählt zu den Nachwuchsspielerinnen der TG Hörste, die das Talent haben, auch im Damenbereich höherklassig zu spielen. Foto: Nico Seifert/Archiv

Von Stephan Arend

Halle (WB). Die weibliche A-Jugend hat fast den Sprung in die Handball-Bundesliga geschafft. Erfolgscoach Dustin Lohde übernimmt nächste Saison zusätzlich das Damenteam. In fünf von sechs Altersklassen spielen die Nachwuchsteams der TG Hörste in der Verbands- oder Oberliga. Thomas Wöstmann (53), Handball-Vorstand Sport, sieht deshalb auch für die Männer- und Frauen-Mannschaften des Klubs aus dem Haller Stadtteil auf Dauer viel Potenzial, wie er im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT erläutert: »Jetzt kommen hoffentlich sieben fette Jahre.«

Ist die Chance, eine Damen-Erfolgsgeschichte zu schreiben, so groß wie nie zuvor?

Thomas Wöstmann: Genauso ist es. Die sieben dürren Jahre – um es biblisch zu sagen – sollen jetzt vorbei sein. Jetzt kommen hoffentlich sieben fette Jahre – beziehungsweise: Sie haben bereits begonnen.

Was versprechen Sie sich von der »Beförderung« von Dustin Lohde, der in der nächsten Saison neben der weiblichen A-Jugend zusätzlich die Damen-Mannschaft trainieren wird?

Wöstmann: Dustin hat eine hohe fachliche und menschliche Kompetenz. Er weiß, wie Handball funktioniert und kann es jungen Menschen mit der richtigen Ansprache vermitteln. Dadurch, dass er in der nächsten Saison die weibliche A-Jugend und die Damen-Mannschaft trainiert, ist die TG Hörste für junge Spielerinnen ein attraktiver Verein.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die guten A-Jugend-Spielerinnen dem Verein erhalten bleiben und später auch in der Damen-Mannschaft spielen?

Wöstmann: Dustin hat auch Angebote von höherklassigen Vereinen ausgeschlagen, weil er von unserem Konzept überzeugt ist. Nach seiner Zusage bin ich zuversichtlich, dass auch die richtig guten Talente nicht mit 19 Jahren, sondern, wenn sie es überhaupt noch wollen, erst mit 22, 23 Jahren einen weiteren Schritt machen werden. Bis dahin können sie sich auch in Hörste weiterentwickeln. Wir glauben, dass man zweierlei bieten muss: eine intakte Atmosphäre im Verein und sportliche Perspektiven. Ersteres, denke ich, haben wir ohnehin, und die Perspektive können wir jetzt auch vorhalten.

Reicht das, um Toptalente wie Melina Gerdes und Sina Schäper zu halten?

Wöstmann: Einzelne möchte ich in diesem Zusammenhang nicht heraus heben. Wir haben aber jetzt die Chance, diejenigen, die irgendwann höher spielen können und wollen, zumindest für eine gewisse Zeit im Verein zu halten. Es wäre für beide Seiten ein Vorteil: für den Verein und für die Spielerinnen. Andererseits würden wir niemandem Steine in den Weg legen.

Spielt es TG Hörste in die Karten, dass Nachbar Union Halle keinen Leistungshandball mehr anbietet?

Wöstmann: Da sehe ich keinen direkten Zusammenhang. Wir haben ja auch Oberligisten in der Nähe.

Wenn die aktuelle A-Jugend die nächsten Jahre komplett zusammen bleibt, ist für dieses Team auf Dauer die Oberliga eine realistische Spielklasse?

Wöstmann: Wenn ich da jetzt eine Spielklasse nenne, dann würde ich das mit vielen Konjunktiven tun müssen – »wenn«, »hätte«, »könnte«. Weil es so viele Unwägbarkeiten gibt, auch im außersportlichen Bereich. Fakt ist: Im Moment spielen wir in der Bezirksliga. Wir wollen einen Schritt nach dem anderen gehen und keinen Druck aufbauen.

Hochtalentierte Hörster Eigengewächse bei den Männern wie Max Schäper und Malte Weigel haben sich, wie schon zuvor Luca Sewing, am Ende doch höherklassigen Vereinen angeschlossen. Ist es einfacher, weibliche Top-Talente zu halten?

Wöstmann: Da gibt es keine Grundregel, es kommt immer auf den Einzelfall an. Wir sind mit der Männer-Mannschaft mit viel Glück in die Verbandsliga aufgestiegen und mit viel Pech abgestiegen. Im Falle des Klassenerhalts hätten wir mehr Spieler halten können.

Was für eine Perspektive hat die Männer-Mannschaft mit ihren vielen jungen Spielern?

Wöstmann: Unser Vorteil in den nächsten Jahren: Wir haben einen ganz langen Atem. Wir hatten mit Max, Malte und den anderen zwar einen goldenen Jahrgang. Jetzt haben wir aber so etwas wie eine goldene Generation. Wir spielen mit einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft in der Landesliga. Zudem rücken in den nächsten Jahren durchgehend gute Spieler nach. Das geht runter bis zur F-Jugend. Ein Beispiel: Unsere »E« zählt seit Jahren zu den Top 3 im Kreis. Wir haben viele Trainer, die höherklassig gespielt oder trainiert haben. TG Hörste hat sich einen guten Namen als Ausbildungsverein gemacht. So kommen Talente mittlerweile auf uns zu.

Welche Rolle spielt Landesliga-Coach Christian Blankert in den Hörster Zukunftsplänen?

Wöstmann: Christian Blankert macht einen sehr guten Job. Er kommt in Hörste super an, alle sind zufrieden. Wir wollen mit ihm verlängern, haben bereits gute konstruktive Gespräche geführt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wöstmann: So manches: Zum einen wollen wir verstärkt versuchen, nicht nur unseren ersten Mannschaften ein gutes Umfeld zu bieten. Die stehen zwar im Mittelpunkt, ein guter Verein lebt aber auch von den zweiten und dritten Mannschaften – sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Kindern und Jugendlichen. Zum anderen: Wir spielen in fünf von sechs Altersklassen in der Ober- bzw. Verbandsliga. Unsere Erwachsenen spielen eine gute Rolle außerhalb des Kreisgebiets. Da gibt es in Westfalen, schätze ich, keine fünf Vereine, die das hinbekommen. Und wir haben das ganz alleine geschafft, in einem Dorf mit 1800 Einwohnern, ohne Kooperation mit Nachbarvereinen und ohne die große Kohle. Darauf sind wir ohne Ende stolz. Eine solche Nachwuchsarbeit macht aber auch ohne Ende Arbeit. Es wäre schön, wenn diese Erfolge und die Arbeit noch mehr von der Öffentlichkeit wahrgenommen würden – und dieses schon recht außergewöhnliche Projekt gerne auch von Sponsoren unterstützt werden würde.

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