Do., 17.05.2018

SF Loxten: Trainer Thomas Lay zieht nach seinem Abschied Bilanz und blickt nach vorn »Badehose und Fahrrad sind schon da«

Thomas Lay immer voll bei der Sache: Im Hinspiel bei Vizemeister TSG AH Bielefeld gab es eine hauchdünne 27:28-Niederlage, das Rückspiel gewann SF Loxten.

Thomas Lay immer voll bei der Sache: Im Hinspiel bei Vizemeister TSG AH Bielefeld gab es eine hauchdünne 27:28-Niederlage, das Rückspiel gewann SF Loxten. Foto: Sören Voss

Versmold-Loxten  (WB). Platz neun, dann Vierter und jetzt Rang fünf – in der stark besetzten Handball-Oberliga hat sich SF Loxten während drei Spielzeiten unter der Regie von Thomas Lay als feste Größe etabliert. Der Trainer räumt auf eigenen Wunsch seinen Platz auf der Bank und übergibt an Dirk Schmidtmeier. Im Gespräch mit WB-Redakteur Gunnar Feicht zieht er Bilanz.

Seit nunmehr 14 Jahren hat der Trainerjob Ihre Freizeit bestimmt, jetzt müssen Sie keinen Vorbereitungsplan mehr schreiben, dem gewohnten Stress mit Trainingseinheiten und Punktspielen folgt ein Vakuum. Angst vor Langeweile?

Thomas Lay: Der Aufwand hat sich von Jahr zu Jahr gesteigert. Zuletzt war jede Woche mit Training, Videovorbereitung, Punktspiel, vielen organisatorischen Dingen komplett durchgetaktet. In der Sommerpause ist man sich nach drei, vier Wochen der zweiten Vorbereitungsphase auch schon etwas auf den Wecker gegangen. Das werde ich nicht vermissen und freue mich darauf, die freie Zeit mit eigener sportlicher Betätigung zu füllen.

Sie werden nach dem Abschied vom Trainerjob weiterhin hinter den Kulissen für den Verein arbeiten. Mit welchen Aufgaben?

Lay: Es geht um viele Dinge, an denen ich bisher neben der Trainertätigkeit auch schon beteiligt war. Es geht darum, die immer vielfältiger werdenden Aufgaben des Oberliga-Spielbetriebs auf mehrere Schultern zu verteilen. Zum Beispiel Terminabsprachen für Vorbereitungsmaßnahmen, Scout-Tätigkeiten, Kontaktaufnahme mit potenziellen Neuzugängen und die Unterstützung der anderen Mitarbeiter rund um unsere Mannschaft.

Sie haben in der ehemaligen DDR als junger Schwimmer, dann als Handballer in der Jugendsportschule Frankfurt/Oder und beim Drittligisten Spvg. Versmold Leistungssport betrieben. Auch der Trainer Thomas Lay hat immer ehrgeizige Ziele verfolgt. Wie will sich der Vollblut-Sportler künftig betätigen?

Lay: Badehose und Fahrrad sind schon da. Ich freue mich, dass ich wieder mehr Gelegenheit zum intensiven Schwimmen haben werde. Wettkampfambitionen gibt es da aber nicht. Außerdem habe ich mir vor einiger Zeit ein Crossbike gekauft. Die zwei Stunden, die man da mindestens für einen Trainingseffekt braucht, fehlten mir bisher meistens. Das soll jetzt anders werden.

Spvg. Versmold, SF Loxten und TG Hörste waren Ihre drei sportlichen Stationen im Altkreis Halle. Was verbinden Sie nach gut 20 Jahren noch mit der Zeit als Spieler bei der Sportvereinigung?

Lay: Es war natürlich eine prägende Zeit, als ich mich als ganz junger Spieler hier zurechtfinden musste. Wir hatten eine Top-Regionalliga-Mannschaft, die leider in der damals noch ausgespielten Play-off-Runde knapp am Zweitliga-Aufstieg gescheitert ist. Bei mir lief es auch persönlich gut, TV Emsdetten und TuS Spenge hatten großes Interesse. Aber zwei Kreuzbandrisse im Jahr 1997 haben mir dann einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ihr Comeback nach langer Pause haben Sie dann bei den Sportfreunden Loxten gefeiert. Was bedeutet Ihnen das im Rückblick?

Lay: Horst Grube und Peter Schober waren damals die treibenden Kräfte, die mich dazu gebracht haben, in der Bezirksliga wieder anzufangen. Wir sind in die Landes- und in die Verbandsliga aufgestiegen und waren in einer Truppe mit Ingo Walwei, Sascha Otten, Uwe Wittkamp und anderen guten Jungs auch kulturell gut aufgestellt. Das hat wieder richtig Spaß gemacht.

Ihre erste Trainerstation war 2004 bis 2008 SF Loxten II. Nach Erfolgen mit Loxtener Jugendteams brachte die Zeit bei der TG Hörste dann zwei Aufstiege. Ein persönlicher Blick auf die Entwicklung ihrer Trainerlaufbahn...

Lay: Mit der »Zweiten« wollte ich erst mal ausloten, ob der Trainerjob überhaupt etwas für mich ist. Nachdem die erfahreneren Spieler meine Vorstellungen ganz gut umgesetzt hatten, hat mir die Zeit mit den ambitionierten Jugendteams in Loxten gezeigt, dass es Spaß macht, wenn leistungsbereite Jungs sich weiterentwickeln – mit Spielern wie Nils Patzelt, Thilo Stinhans, Julian und Marco Possehl zum Beispiel in der B-Jugend-Oberliga. In Hörste hat sich die Sache nach dem Abstieg im ersten Jahr danach ebenfalls positiv entwickelt, weil Talente wie Schäper, Weigel, Wernecke, Steinlechner und andere ehrgeizig und lernwillig mitgezogen haben.

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»Die aktuelle Mannschaft ist charakterlich ein sehr angenehmer Haufen. Da fällt auch die richtige Ansprache leicht.«

Thomas Lay über die Loxtener Mannschaft

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Spricht ein Trainer mit 44 Jahren noch die Sprache der ganz jungen Spieler-Generation? Wie ist das in der Kabine?

Lay: Ich musste mir auch erst mal Netflix erklären lassen und sehe, dass die Spieler keine Tagesschau mehr brauchen, um sich zu informieren. Aber die aktuelle Mannschaft ist charakterlich ein sehr angenehmer Haufen, in der auch unter den Spielern ein einwandfreier Umgangston herrscht und die erfahrenen den jüngeren die richtigen Tipps geben. Dann fällt auch die Ansprache leicht und man kann etwas bewirken

Wie hat sich der Handball seit Anfang der 2000er-Jahre verändert?

Lay: Das Spiel ist auch auf Oberliga-Niveau schon sehr komplex geworden. Mit der klassischen 6-0-Deckung – Hacken an den Kreis – ist da nichts mehr zu machen, jeder Gegner muss schon bei neun Metern Körperkontakt bekommen. Unsere Abwehr hat sich diese Saison sehr positiv weiter entwickelt, weil wir neben den zwei Standardsystemen 6-0 und 5-1 auch eine 4-2-Variante gut beherrschen. Erfolgreich praktiziert, wird die Deckung zur Grundlage der eigenen Spielgestaltung. Was die Variante mit dem siebten Feldspieler angeht, haben wir uns lieber darauf konzentriert, das beim Gegner optimal zu bekämpfen. Es selbst wirkungsvoll umzusetzen, dafür hat man mit einem Oberliga-Trainingspensum aus meiner Sicht zu wenig Zeit.

Die im Januar gegründete Klaus-Peter-Reinert-Stiftung mit einer Million Euro Stammkapital lässt einige Fans von einer goldenen Loxtener Zukunft träumen, andere Vereine fürchten einen finanzgestützten Großangriff. Soll es mittelfristig in Richtung 3. Liga gehen?

Lay: Ein schwacher Saisonstart wie im vergangenen Herbst nimmt einen ganz schön mit. Das zeigt, wie nah der Abstiegskampf in dieser Klasse liegt. Erstes Ziel bleibt, sich davon fernzuhalten und guten Handball zu bieten, der die Tribünen füllt. Das Projekt Loxten bedeutet weiterhin, mit jungen Spielern aus der Umgebung Schritt für Schritt aufzubauen. Wenn die Entwicklung in Richtung Spitze führt, werden wir uns nicht dagegen wehren. Aber die 3. Liga sprengt bis auf weiteres unser Budget. Was die Stiftung abwerfen wird, ist ja auch noch offen.

Wenn es Anfang September wieder los geht, das erste Punktspiel ansteht: Wo wird Thomas Lay dann beim Anpfiff sein?

Lay: Ich werde sicher in der Halle sein, aber auf keinen Fall mit auf der Bank sitzen. Der neue Trainer Dirk Schmidtmeier hat die Verantwortung. Beim gemeinsamen B-Lizenz-Lehrgang haben wir festgestellt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. Zu ihm habe ich einen kurzen Draht. Am Montag haben wir gemeinsam mit ihm, mit Andy Evers, Co-Trainer René Mittelberg, Ingo Walwei und den anderen Mitarbeitern rund um die erste Mannschaft die Arbeitsteilung abgesprochen.

Die Saison-Statistik

Mit 17:9 Punkten haben die Loxtener eine überzeugende Rückrunde hingelegt, nachdem die Hinserie mit 12:14 hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Obwohl immer wieder Leistungsträger ausfielen, setzte die Mannschaft ihre starken Deckungsleistungen im Saisonverlauf immer besser auch in effizientes Angriffsspiel um.

Die 686 Saisontore verteilten sich auf folgende Schützen: Steinkühler 94/14, Meyer 71/38, J. Patzelt 70, Kalms 69/23, N. Patzelt 64, Schäper 62, Menger 60, Blankert 51, Harnacke 41, Stockmann 41, Harting 20/4, Weigel 17, Stinhans 15, Hölmer 7, Welge 4. Andere Mannschaften waren mehr von herausragenden Torjägern abhängig. Die Liga-Spitze: 1. Moritz Frenzel (Hemer) 206/18, 2, Julius Hinz (TSG Bielefeld) 183/63, 3. Dusan Maric (Augustdorf) 180/85.

Hölmer macht weiter

Nur ein einziges Punktspiel konnte er diese Saison bestreiten: Nach ausgeheiltem Kreuzbandriss erlitt Sebastian Hölmer beim 31:17 gegen VfL Mennighüffen im Januar einen Mittelhandbruch und musste erneut pausieren, sodass sogar sein Laufbahnende drohte. Jetzt hat der Rückraumspieler auf Anfrage bestätigt, dass er weitermachen will: »So soll meine Laufbahn nicht zu Ende gehen. Ich freue mich auf die neue Saison mit einer gut besetzten Mannschaft. Die Hand ist so gut verheilt, dass ich hoffe, Mitte Juni beim normalen Trainingsauftakt gleicht mit dabei zu sein.

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