Sa., 06.01.2018

Herforder Jugendsportlerwahl – Folge 3: Schwimmer Tristan Ellerbrock Alte Hose ist sein Glücksbringer

Second-Hand statt Carbon: Tristan Ellerbrock vertraute im vergangen Jahr auf seine gebraucht gekaufte Badehose. Damit überzeugte der 14-Jährige vom SC Herford vor allem bei der Deutschen Jahrgangsmeisterschaft in Berlin.

Second-Hand statt Carbon: Tristan Ellerbrock vertraute im vergangen Jahr auf seine gebraucht gekaufte Badehose. Damit überzeugte der 14-Jährige vom SC Herford vor allem bei der Deutschen Jahrgangsmeisterschaft in Berlin. Foto: Hendrik Fahrenwald

Von Hendrik Fahrenwald

Herford (WB). Seine Badehose ist Second-Hand und nicht aus Carbon. Damit ist Tristan Ellerbrock die große Ausnahme im Schwimmen. Schnell ist der 14-jährige vom SC Herford trotzdem. Er steht im NRW-Landeskader und war bei der Deutschen Jahrgangsmeisterschaft in Berlin dabei. Deshalb steht er zur Wahl zum Jugendsportler des Jahres.

Zeiten und Platzierungen interessieren Ellerbrock nicht so sehr – auch wenn er ein Faible für Medaillen hat. Die will er aber bald abhängen. Viel bedeutender war im vergangenen Jahr für ihn die Teilnahme an der DM. Die Akkreditierung – »Sein Heiligtum«, wie es seine Mutter Britta Klein bezeichnet – baumelte Ende Mai in Berlin an seinem Rucksack. »Jetzt können wir wieder nach Hause fahren«, sagte Ellerbrock damals als er zum ersten Mal die Eintrittskarte für die Meisterschaft in der Hand hielt. Er blieb und kam bei seinen drei Starts jeweils unter die besten deutschen 20 Schwimmer des Jahrgangs 2003.

Überredungskunst der Trainer ist vergeblich

Dabei sorgte Tristan nicht nur mit den Zeiten für Aufsehen. Er war der einzige, der keine Carbon-Badehose trug. Noch heute versuchen ihn seine Trainer zu überreden, so eine zu kaufen, um noch mehr Zehntel herauszuholen.

Doch bisher vertraut Ellerbrock seinem Lieblingsstück. Von einem Freund hat er es gekauft. Es ist seine einzige Wettkampfhose. Und deshalb tritt der 14-Jährige noch heute so ähnlich an, wie er beim SC Herford begann.

Langsam an Wettkämpfe gewöhnt

Zum Erstaunen seiner Vereinskameraden reiste er 2010 nur mit einer Badehose und einem Handtuch zu seinem ersten Vereinswettkampf an. Ein Jahr war Ellerbrock zu der Zeit schon Mitglied beim SCH. Mit fünf Jahren hatte er im Hiddenhauser Freibad in Schwimmen gelernt.

An Wettkämpfe gewöhnte er sich anfangs nur langsam. »Die waren ganz schlimm. Da gab es viel Tränen, viel Aufregung und ich wollte erst aufhören«, sagt Ellerbrock. Erst mit der Zeit fand er Spaß auch im Wettkampf. »Mir war es nie wichtig, der Beste zu sein. Aber ich kam langsam an die anderen Schwimmer heran«, erinnert sich Ellerbrock. Freunde hat er schnell im SCH gefunden.

Schon morgens um 7.30 Uhr im Becken

Viermal in der Woche trainiert er inzwischen – gerne auch Samstags. Ab 7.30 Uhr zieht er morgens schon seine Bahnen. Das hohe Trainingspensum zahlte sich aus: Bei der NRW-Jahrgangsmeisterschaft holte sich der mehrfache OWL-Meister Platz drei (100 Meter Freistil) und Platz vier (200 Meter Freistil). Bei einem Wettkampf in der Partnerstadt Gorzow (Polen) wurde er für die beste Einzelleistung aller Starter geehrt.

In diesem Jahr könnte allerdings die Ära der Second-Hand-Hose zu Ende gehen. »Vielleicht kaufen wir eine Neue«, sagt Mutter Britta Klein. Sündhaft teuer wird sie nicht werden, das ist nicht Ellerbrocks Stil. Und seine Zeiten will er auch unabhängig der Bekleidung wieder verbessern.

 

Bisher erschienen:

Folge 1: Im Weitsprung durchgestartet: Leichtathletin Maya Siegert

Folge 2: »Taxi Papa« macht’s möglich: Tennistalent Louis Nass

 

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