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Di., 05.12.2017

Schwimmen: Maike Naomi Schnittger wird in Mexiko Weltmeisterin Goldener Glanz

Weiterhin auf einer Erfolgswelle: Maike Naomi Schnittger hat sich in Mexiko zur Weltmeisterin gekürt.

Weiterhin auf einer Erfolgswelle: Maike Naomi Schnittger hat sich in Mexiko zur Weltmeisterin gekürt. Foto: dpa

Von Adrian Rehling

Mexiko-Stadt (WB). Die Medaille glänzt golden. Und mindestens genauso goldig funkeln die Augen von Maike Naomi Schnittger. Die sehbehinderte Schwimmerin aus Preußisch Oldendorf darf sich nach einer fantastischen Leistung über 100 Meter Freistil Weltmeisterin nennen.

Bestens gelaunt meldete sich die 23-Jährige um 7 Uhr (mexikanischer Ortszeit) in der Früh: »Ich bin superglücklich und freue mich riesig.« Am Abend zuvor zeigte Schnittger im 9500 Kilometer Luftlinie entfernten Mexiko herausragende Willenskraft. »Wir befinden uns hier auf 2300 Metern Höhe, die Luft ist dünn, das Atmen fällt richtig schwer. Das habe ich ganz schön unterschätzt«, beschreibt Schnittger die Gegebenheiten. Um gut auf die Höhenunterschiede vorbereitet zu sein, absolvierte die Preußisch Oldendorferin in der Vorbereitung zwar ein Höhentrainingslager. Allerdings »nur« auf 1900 Metern »und diese 400 Meter Unterschied sind schon gewaltig«.

Start steht zur Diskussion

Doch die geringe Luftzufuhr war nur das eine Problem. Viel erschwerender kam hinzu, dass Schnittger fünf Tage mit körperlichen Beschwerden im Bett verbringen musste. Der Start war zu diesem Zeitpunkt in Gefahr. »Wir haben in Absprache mit dem Trainer überlegt, ob es überhaupt Sinn macht, zu starten«, sagt Schnittger und fügt an: »Aber ich wollte es unbedingt probieren.« Die Tage vor dem Wettkampf wurden die Energiespeicher also so gut es ging aufgefüllt, neben dem Training stand vor allem Essen auf dem Programm.

Trotz einer »dürftigen Vorbereitung« ging Schnittger dann am Sonntag im Finale über 100 Meter Freistil in der Startklasse S12 ins Becken. Die Konkurrenz kam aus den USA, Argentinien, Venezuela, Spanien und der Türkei. Doch die heimische Schwimmerin konzentrierte sich nur auf sich selbst: »Ich habe mir gesagt: >Augen zu und durch. Vertrau in deine eigene Stärke. Du schaffst das, du weißt, was zu tun ist und dein Körper weiß, was zu tun ist.< Dann habe ich dreimal tief durchgeatmet und bin ins Wasser gesprungen.«

Guter Start als Grundlage

Schnittger erwischte einen guten Start, zog bis zur Wende schon ein wenig davon. Ihre härtesten Rivalinnen waren Aspen Shelton (USA) und Maria Delgado Nadal (Spanien). Doch Schnittger zog ihr Tempo durch, konnte den Vorsprung auf den zweiten 50 Metern ausbauen. Nach starken 1:01,50 Minuten schlug sie dann an. Gold! Mit 3,21 Sekunden Vorsprung auf die Amerikanerin und 3,92 Sekunden auf die Spanierin. Die Siegerin war danach völlig aus der Puste: »Die Lunge brennt immer noch. Wahrscheinlich war es das härteste Rennen, das ich jemals geschwommen bin. Aber es hat sich gelohnt, jetzt habe ich meinen ersten WM-Titel.«

Ein zweiter könnte bereits am Dienstag folgen. Schnittger geht über die 50 Meter Freistil an den Start und gehört auch über die halbe Distanz zu den Medaillenkandidatinnen: »Ich hoffe, noch einmal ein gutes Rennen absolvieren zu können. Aber es ist nur die Hälfte der Strecke. Das schaffe ich schon.«

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