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Do., 07.12.2017

WM in Mexiko: Maike Naomi Schnittger gewinnt auch über 50 Meter Zweites Gold für Höhenfliegerin

Von Adrian Rehling

Mexiko (WB). Vor dieser Leistung kann man einfach nur den Hut ziehen. Nach dem Triumph über die 100 Meter Freistil hat die Preußisch Oldendorferin Maike Naomi Schnittger auch WM-Gold über die 50 Meter Freistil der Para-Schwimmer gewonnen.

Am Dienstagabend, 20:09 Uhr mexikanischer Zeit (früher Mittwochmorgen in Deutschland) hieß es, noch einmal alle Kräfte zu bündeln. Im Vorlauf hatte sich die 23-Jährige als Schnellste für den Endlauf qualifiziert, galt somit als Favoritin für das Finale.

»Diese Position wollte ich natürlich unbedingt verteidigen«, machte sich Schnittger auch selbst ein wenig Druck. Ihre Devise lautete: »Eine Bahn. Es ist nur eine Bahn. Also Augen zu und durch. Dann ist endlich Weihachten.«

Schnittger erwischt guten Start

Doch vorher galt es, über 50 Meter die letzten Kraftreserven zu mobilisieren. Unmittelbar vor den Wettkämpfen erkrankte die sehbehinderte Schwimmerin in der vergangenen Woche, die Vorbereitung verlief damit mehr als stockend. Doch davon ließ sich die Preußisch Oldendorferin auf knapp 2300 Metern Höhe in Mexiko-Stadt nicht beeinflussen.

Der Start in das Rennen verlief gut, Maike Naomi kam ausgezeichnet aus den Blöcken und gab direkt das Tempo vor. Aufgrund der Mittelbahn hatte sie die direkte Konkurrenz gut im Blick, konnte damit das Rennen kontrollieren. Und schlug in 28,48 Sekunden als Schnellste an, wie über die 100 Meter vor der Amerikanerin Aspen Shelton (29,86 Sekunden). Fast eineinhalb Sekunden Vorsprung. Auf der Kurzstrecke eine Welt. Dritte wurde Belkys Mota aus Venezuela (31,16 Sekunden).

Nie wieder in dieser Höhe schwimmen

Der Jubel kannte bei der heimischen Schwimmerin danach keine Grenzen mehr: »Es war vom Gefühl her eigentlich kein perfektes Rennen, aber ich habe alles aus meinem Körper herausgeholt. Es war super, super hart. Fast noch härter als die 100 Meter. Hier oben gelten einfach andere Regeln. Aber als dann die Wand kam und ich als Erste angeschlagen habe, wusste ich, dass sich all die Qualen gelohnt haben.«

Doppel-Weltmeisterin in Mexiko, was für ein Riesenerfolg. Entsprechend kurz war die Nacht, an Schlaf war nicht wirklich zu denken: »Meine Beine sind so unglaublich fest. Aber jetzt bin ich einfach nur happy, mit zweimal Gold von diesen Weltmeisterschaften nach Hause zu fliegen. Das ist mehr, als ich mir erhoffen konnte. Und ein tolles Gefühl nach 13 Monaten hartem Training.«

Jetzt heißt es für Maike Naomi Schnittger erst einmal die Beine und die Seele baumeln zu lassen und die besinnliche Zeit mit der Familie zu genießen. Die ersten, etwas verfrühten Geschenke hat sie sich bereits selbst gemacht: Zwei golden glänzende Medaillen. Klar, dass die Laune kaum besser sein könnte. Die 23-Jährige lacht und lässt wissen: »Mich bekommen keine zehn Pferde jemals wieder zu einem Wettkampf in dieser Höhe.« Die Höhenfliegerin Maike Naomi Schnittger – ein goldenes WM-Märchen.

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