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Mo., 28.08.2017

1. Bundesliga: TuS N-Lübbecke geht in Flensburg deutlich mit 23:37 unter Fehler knallhart bestraft

Nur selten ergaben sich für die Lübbecker Angreifer, hier für Jo Gerrit Genz, solche Lücken.

Nur selten ergaben sich für die Lübbecker Angreifer, hier für Jo Gerrit Genz, solche Lücken. Foto: König

Von Volker Krusche

Flensburg/Lübbecke  (WB). Aaron Ziercke war sauer. Nicht etwa, weil sein TuS N-Lübbecke das erste Gastspiel nach der Rückkehr ins Handball-Oberhaus bei der SG Flensburg-Handewitt verlor. Vielmehr dürfte es ihn gestört haben, dass seine Jungs beim 23:37 (19:12) die Chance auf ein deutlich besseres Ergebnis leichtfertig vergeben hatten.

Schlusslicht nach dem ersten Spieltag. Nicht weiter schlimm. Aber Großteile des Auftakts in der 1. Bundesliga liefen sicherlich nicht so, wie vorgenommen und besprochen. Lübbecke begann die Partie viel zu hektisch, viel zu unruhig, versuchte vorn das Tempo der Hausherren mitzugehen und wurde dafür umgehend bestraft. Allein im ersten Abschnitt erzielten die Flensburger nach Ballgewinnen acht Tore aus der ersten und zweiten Welle und stellten die Gäste aus Ostwestfalen zudem nach Toren durch ihre schnelle Mitte häufiger vor Probleme. Die Hauptwaffe der SG stach also. Das stellte auch Trainer Maik Machulla fest: »Ich bin sehr, sehr zufrieden mit unserem Auftritt. Wir leben nun mal von unserer Abwehr, aus der wir uns durch aggressives Verhalten Bälle erkämpfen und über das Konterspiel verwerten. Das hat gerade im ersten Abschnitt sehr gut geklappt.«

Jede Minute ein Gegentor

Und wie, denn bevor sich die Lübbecker versahen und sich ein wenig an das ungewohnte Klima in Liga eins gewöhnen konnten, lagen sie auch schon deutlich hinten. Schwache Abschlüsse, bei denen sich Flensburgs Torhüter Mattias Andersson (insgesamt 17 Paraden) in den ersten sieben Minuten gleich sechsmal auszeichnen konnte, und unnötige Fehlpässe luden den Favoriten förmlich dazu ein, das Duell von Beginn an wie einen Spaziergang aussehen zu lassen. Jede Minute ein Gegentor, so verlief der Auftakt, der Aaron Ziercke beim 3:7 dazu zwang, seine erste Auszeit nehmen zu müssen. Die Bälle wurden vorn zu einfach hergeschenkt, das Rückzugsverhalten war nicht erkennbar. Der TuS musste schnell erkennen, dass bei einem Topteam der Bundesliga ein ganz anderer Wind weht, als es noch vor Monaten in der 2. Liga der Fall war.

Es fehlte die Durchschlagskraft

Aber die Gäste rissen sich zusammen, spielten ihre Angriffe nun ruhiger, gegen die sattelfeste Flensburger Deckung aber dennoch zumeist ohne die entstehende Lücke aus. Nicht selten ging der Arm der Unparteiischen zum Zeichen des passiven Spiels in die Höhe. Dennoch verkürzten Torbrügge, Zetterman und Bechtloff vom 3:8 auf 6:10. Doch es gab zu wenig Entlastung des Rückraums aus der Distanz – und nur mit Eins-gegen-Eins-Aktionen war den Flensburgern kaum beizukommen. Lübbecke fehlte es einfach an der Durchschlagskraft. Und so legten die Hausherren nach zwischenzeitlichem 12:8 schnell zum 15:8 nach und gingen beim 19:12 schließlich mit einer satten Sieben-Tore-Führung in die Pause. Immer dann, wenn Flensburg konzentriert war, wirkten sie schlichtweg zwei Nummern zu groß für den TuS, der sein sportliches Heil aber auch gegen andere Kaliber suchen muss.

Beim 22:12 (35.) war das passiert, was Aaron Ziercke unbedingt vermeiden wollte: ein Rückstand in zweistelliger Höhe. Doch dann wechselte Maik Machulla kräftig durch, brachte auf einen Schlag alle Neuzugänge. »Denen fehlt halt es halt noch an der Abstimmung. Dadurch war der Spielfluss nicht mehr so da. Der Bruch geht daher auf meine Kappe.«

Chance auf achtbares Resultat verschenkt

Lübbecke nahm dieses »Geschenk« dankend an und besaß nach dem 21:29 nach einem Kontertor von Tim Remer sogar die Möglichkeit, den Rückstand auf sieben Tore zu verringern. Doch ein Pass verfehlte den freistehenden Holländer (51.). Drei Minuten später war Coach Ziercke zu einer weiteren Auszeit gezwungen, denn seine Mannen hatte die gute Ausgangsposition leichtfertig hergeschenkt und lagen beim 21:32 wieder mit »Elf« hinten. »Warum nehmen wir uns die Würfe durch die Mitte? Wo sind sie stark? Aber wir schmeißen die gute Ausgangsposition einfach weg«, klang Ziercke mächtig angefressen, »zumal wir das alles in der Pause haarklein besprochen haben.«

Besserung brachte seine Ansage nicht, denn gleich im ersten Angriff leistete sich Kenji Hövels wieder einen Ballverlust über besagte Mitte. Und als die Gäste in den letzten Zuckungen des Spiels die Hausherren durch zwei Fehlpässe (Birlehm, Kaleb) und einen nicht gefangenen Ball (Bagaric) erneut um Bestrafung baten, hieß es beim Ertönen des Nebelhorns nach Ablauf der 60 Minuten 23:37. Das war deutlich mehr, als die Zielvorgabe ausgesagt hatte.

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