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Mo., 20.11.2017

TuS N-Lübbecke: sechs Gründe für die Pleite gegen Gummersbach Es fehlt ein Häuptling

Viele Fans würden Jens Bechtloff gern auf der Spielmacherposition sehen. Derzeit ist er aber einziger Linksaußen.

Viele Fans würden Jens Bechtloff gern auf der Spielmacherposition sehen. Derzeit ist er aber einziger Linksaußen. Foto: Oliver Schwabe

Von Volker Krusche

Lübbecke (WB). »Aufgeben ist für mich keine Option!« Aaron Ziercke meint damit aber nicht etwa seine Zukunft am Wiehen, sondern vielmehr den Kampf um den Klassenverbleib seines TuS N-Lübbecke in der 1. Handball-Bundesliga.

Podcast zum Abstiegskampf

In der Podcast-Reihe »Kreis Ab« begrüßt Moderator Sascha Staat jede Woche Journalisten und Experten, um mit ihnen über die aktuellen Geschehnissse aus der Welt des Handballs zu sprechen. In der aktuellen Folge ist auch WESTFALEN-BLATT-Sportredakteur Marc Schmedtlevin dabei. Er spricht über die brenzlige Situation beim TuS N-Lübbecke. 

Nach der bitteren 26:27-Heimniederlage ist derzeit emotionell in Lübbecke Vieles nicht so, wie es sein sollte. Die riesige Enttäuschung, der Frust ob der mageren Vorstellung, aber auch eine Personalie des Trainers bestimmen seit Sonntag die Gemüter der Fans. Allerorten wird diskutiert. Einige nehmen das Wort »Abstieg« bereits in den Mund, obwohl letztlich noch gar nicht so viel passiert ist. Das meint auch der TuS-Trainer: »Wir haben ein absolutes Win-Spiel verka... Das ist bitter, aber wir können und wollen das wieder gerade biegen, müssen uns die beiden Punkte eben woanders zurückholen.«

Ziercke kommentiert sechs Gründe

Die Gründe sind vielfältig. »Ich werde das Video noch genauestens studieren. Da passte einiges nicht bei uns zusammen.«

Das WESTFALEN-BLATT hat sechs Schwerpunkte ausgemacht, die dazu führten, dass es nichts mit dem ersehnten ersten Saisonsieg wurde. Trainer Ziercke nimmt dazu Stellung.

Punkt 1: Die Defensivleistung in Halbzeit eins . Für Aaron Ziercke kein Problem der gesamten Abwehr. »Vielmehr war es immer ein einzelner Spieler, der im Eins-gegen-Eins den Kürzeren zog. Zudem hat uns Gummersbach bis zum Zeitspiel den Ball vor der Nase herspielen können, ohne dass wir dazwischen gegangen sind. Da müssen wir einfach Präsenz zeigen, geil auf den Ball sein. Wir müssen dem Gegner eintrichtern: Hier nicht! Hier stehen wir im Weg!« Ausgezahlt hatte sich dagegen der Wechsel im Innenblock von Piotr Grabarczyk auf Moritz Schade neben Nils Torbrügge. »Für die offensivere Deckungsvariante war Piotr zu langsam. Er war aber durch eine Erkältung angeschlagen«, so Ziercke. Zudem baute man in der Abwehr auf die Stärke von Peter Tatai gegen die gegnerischen Außen. Der Ungar war diesmal aber kein Faktor.

Punkt 2: Den Kopf beim 8:6 verloren . Aaron Ziercke verstand nicht, was seine Jungs nach der 8:6-Führung urplötzlich ablieferten. »Da verwerfen wir einen Siebenmeter und spielen dann urplötzlich Dinge, die wir nicht besprochen haben. Zudem lief bei Lukasz Gierak nichts zusammen. Wenn nicht er als polnischer Nationalspieler, wer soll denn dann die Fäden in der Hand halten? Er hat mir auf der Bank dann auch nicht das Gefühl vermittelt, auf die Platte zurückzuwollen!«

Punkt 3: Die zwei Gesichter des Marko Bagaric . »In der ersten Hälfte hat uns Marko mit seinen Toren im Spiel gehalten. Allerdings wurde er von auch immer wieder gut gebracht. Er muss geholt werden, darf nicht selbst eine Aktion machen. In der zweiten Hälfte hat sich Gummersbach besser darauf eingestellt. Zudem wurde Marko nicht mehr wie zuvor in die Wurfposition gebracht.«

Punkt 4: Völlige Flaute im rechten Rückraum. Die Fans wetterten nach dem Spiel, dass Aaron Ziercke nicht Jo Gerrit Genz für den maßlos enttäuschenden Pontus Zetterman gebracht hat. »Ja, den Schuh ziehe ich mir an. Ich wollte Jo nach 40 Minuten bringen. Doch genau da macht Pontus zwei gute Aktionen, holt einen Siebenmeter raus und spielt gut an. Da habe ich gehofft, dass der Knoten geplatzt ist. Letztlich hat er die Erwartungen nicht erfüllt. Pontus muss aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen mit viel Tempo kommen. Dann ist er gefährlich. Allerdings auch nur, wenn er nicht sofort die Aktion sucht, sondern nach einer Auslösehandlung kommt.« Mit Blick auf Genz sagt Ziercke: »Ein Spieler muss mich auch beim Training überzeugen, so dass ich ihm im Spiel das Vertrauen schenken kann. Für Jo ist das natürlich eine sehr schwere Situation.«

Punkt 5: Kunstwurf und Verweigerung . Sie hatten gerade erst darüber gesprochen, dass es in entscheidenden Phasen keine leichtfertigen Abschlüsse geben darf, doch Luka Rakovic versuchte es wieder mit einem Leger, der sein Ziel verfehlte. »Natürlich ärgert mich das«, so Ziercke. »Noch schlimmer fand ich es aber, dass er danach zweimal verweigert.«

Punkt 6: Es fehlt ein Häuptling . Es wird immer klarer, dass dieser Mannschaft ein Häuptling fehlt. »Wir brauchen einen Mann, der die Fäden in der Hand hat.« Das ist weder Lukasz Gierak noch Ante Kaleb. Gut möglich, dass der TuS hier auf dem Markt noch mal Ausschau hält, sollte das wirtschaftlich zu realisieren sein und man diesen Kandidaten findet.

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