Fr., 02.02.2018

Winter-Zugang des TuS N-Lübbecke spricht über Unzufriedenheit und Schokolade Jaanimaa: »Ich will einfach wieder spielen«

Alles im Griff: Zugang Dener Jaanimaa hat sich für seine Zeit beim TuS N-Lübbecke viel vorgenommen. Oberstes Ziel ist der Klassenverbleib.

Alles im Griff: Zugang Dener Jaanimaa hat sich für seine Zeit beim TuS N-Lübbecke viel vorgenommen. Oberstes Ziel ist der Klassenverbleib. Foto: Marc Schmedtlevin

Lübbecke (WB). Einige Ligen und Vereine hat Dener Jaanimaa (28) schon kennengelernt. Eine neue sportliche Herausforderung sucht der Este nun beim Handball-Erstligisten TuS N-Lübbecke und soll dort den rechten Rückraum beleben. Bevor in der nächsten Woche die Bundesliga wieder beginnt, spricht der Winter-Zugang mit Marc Schmedtlevin über Unzufriedenheit, Heimat und Schokolade.

Bevor es beim TuS N-Lübbecke ernst wird, dürfen Sie beim All-Star-Game der Bundesliga mitmischen. Wie groß ist die Vorfreude?
Dener Jaanimaa: Es ist natürlich eine Anerkennung, aber es handelt sich um kein besonderes Spiel für mich. Ich wurde nominiert, weil andere Spieler verletzt sind. Ich freue mich aber darauf, einige Kumpel zu sehen, mit ihnen zu reden. Und für den TuS N-Lübbecke ist es vielleicht auch ganz gut, dass ein Spieler dabei ist.

In Lübbecke erwartet Sie Abstiegskampf anstelle der Europapokalplätze mit Melsungen – warum haben Sie sich für den Wechsel entschieden?
Jaanimaa: Ich war einfach nicht zufrieden, meiner Meinung nach war alles unfair. Ich habe in Melsungen mehrere Monate durchgespielt und meine Leistung gebracht. Wir hatten auch als Mannschaft Erfolg. Auf einmal kam mit Michael Müller ein anderer Spieler zurück und ich spielte nicht mehr. Entweder akzeptiert man das oder man geht weg. Die letzten Monate waren zu viel und deswegen musste ich etwas machen. Da kam die Anfrage aus Lübbecke genau richtig.

Ihre Leistung haben Sie auch im Hinspiel mit Melsungen in Lübbecke gebracht. Beim 22:19 erzielten Sie neun Treffer. War es Ihre beste Partie im MT-Trikot?
Jaanimaa: Ich denke, dass ich mehrere gute Spiele für Melsungen absolviert habe. Auch schon in der vergangenen Saison konnte ich einige entscheidende Aktionen beitragen.

Nach der Pleite des HSV Hamburg mussten Sie sich in der Saison 2015/16 einen neuen Verein suchen. War Lübbecke schon damals ein Thema?
Jaanimaa: Es gab ein paar Angebote, aber keinen Kontakt nach Lübbecke. Unter anderem hatte ich eine Anfrage aus Katar, die auch finanziell top war. Die Überlegung war, dort fünf Monate zu spielen und dann nach Deutschland zurückzukommen. Der Vertrag wurde mir schon geschickt und ein Visum war auch organisiert. Ich hatte aber kein sicheres Gefühl. Einen Tag später kam nach der Verletzung von Steffen Weinhold die Anfrage aus Kiel. Das passte alles sehr gut, weil es auch nicht weit entfernt war.

Lübbecke ist Ihre sechste Station in Deutschland. Ist es schon eine zweite Heimat?
Jaanimaa: Ich bin bald sieben Jahre in Deutschland. Man kann es als zweite Heimat bezeichnen, ich fühle mich wohl. Ich habe aber noch häufiger Heimweh, schaffe es nur zwei, drei Mal pro Jahr nach Estland. Dort ist meine Familie, dort sind meine Freunde. Deswegen bin ich dort natürlich weiterhin zu Hause.

Während Ihrer Zeit beim THW Kiel hat man Ihnen den Spitznamen »Danger« gegeben. Wie kam es dazu?
Jaanimaa: In Kiel haben wir sehr viel an der Taktik gearbeitet. Ich habe in den ersten Tagen von Trainer Alfred Gislason einen Stick mit 40 Spielzügen bekommen. Alles war neu, es war nicht einfach. Wenn ich nicht ganz genau Bescheid wusste, habe dann einfach auf das Tor geworfen. Manchmal hat es geklappt, manchmal aber auch gar nicht. Deswegen hat mir Torwart Nikolas Katsigiannis den Spitznamen gegeben. Er meinte: >Mit dir haben wir immer Gefahr, man weiß nie genau, was passiert.<

Beschreibt Sie »Danger« denn treffend?
Jaanimaa: Früher habe ich ganz verrückte Sachen gemacht. Ich bin jetzt schon etwas ruhiger geworden und versuche, mir genauer die Taktik anzuhören.

Welche Ziele haben Sie sich für die Zeit beim TuS N-Lübbecke gesteckt?
Jaanimaa: Ziel Nummer eins ist der Klassenerhalt. Das müssen wir hinkriegen – egal, wie. Und ich will einfach wieder spielen. Drei Jahre lang habe ich weniger Einsätze bekommen, war nicht immer zufrieden. Deswegen will ich nun so viel und so gut wie möglich spielen.

Worauf kommt es im Abstiegskampf an?
Jaanimaa: Die Mannschaft muss zusammenhalten, das ist das Wichtigste. Auch wenn man mal ein Spiel mit großer Bedeutung verliert, muss man weitermachen. Wenn ein Team dann auseinanderfällt, ist alles vorbei.

Die Erwartungen an Sie sind bei Verein und Fans hoch. Kommen Sie damit zurecht?
Jaanimaa: Ich habe schon so viel erlebt: Aufstieg, Abstieg, Pleite. Und ich bin auch nicht erst 20 Jahre alt. Deswegen mache ich mir keinen Kopf.

Wie sind die ersten Eindrücke von der Stadt und der Mannschaft?
Jaanimaa: Die Stadt ist ganz ruhig. Ich bin aber hier, um Handball zu spielen. Die Teamkollegen haben mich gut aufgenommen, wir trainieren hart und ich denke, wir haben die Qualität, um den Klassenverbleib zu schaffen. Ich bin jedenfalls optimistisch.

Sie berichten von einem harten Training unter Aaron Ziercke. Sind Sie überrascht?
Jaanimaa: Wir haben auch woanders hart trainiert, in Melsungen war es aber etwas ruhiger. Wenn man viele klasse und erfahrene Spieler hat, kann man denen ja auch nicht mehr so viel beibringen. Hier in Lübbecke gibt es dagegen viele junge Spieler und mit denen muss man arbeiten. Ein bisschen Taktik und sonst nur Fußballspielen reicht nicht aus.

Die ersten Testspiele mit dem TuS sind absolviert. Was läuft aus Ihrer Sicht schon gut, was muss besser werden?
Jaanimaa: Ich denke, es läuft in die richtige Richtung. Natürlich wurden mit mir bisher nur einfache Spielzüge gespielt, die auch von anderen Vereinen bekannt sind. Das Timing ist jetzt besonders wichtig, das wird noch kommen. Wenn die Grundlagen passen, können wir dann die speziellen Sachen angehen. Das braucht nur ein bisschen Zeit. Ich hoffe, dass ich bis zum Stuttgart-Spiel gut integriert bin.

Estnische Handballer sind in Deutschland selten. Man kennt neben Ihnen noch Hannovers Mait Patrail. Wie populär ist die Sportart in Ihrer Heimat?
Jaanimaa: Wenig populär. Andere Sportarten wie Fußball, Basketball oder Volleyball sind beliebter.

Sie spielen in der Nationalmannschaft Estlands. Ist es realistisch, dass man Ihre Nation einmal bei einem größeren Turnier zu sehen bekommt?
Jaanimaa: Wir waren vor sechs Jahren einmal ganz nah dran, uns für ein Turnier zu qualifizieren. Seitdem sind wir aber leider weit weg. Es klingt hart, aber die Qualität reicht einfach nicht aus.

Mögen Sie gerne Schokolade?
Jaanimaa: Ja, ein bisschen.

Liegt es an Ihrer Vergangenheit bei den Chocolate Boys in Tallinn?
Jaanimaa: (lacht) Da haben wir die Schokolade umsonst bekommen. Ein reicher Mann mit der größten Schokoladen-Fabrik Estlands hatte seine eigene Mannschaft aufgebaut und die besten Spieler des Landes verpflichtet. Ich bin dort im dritten Jahr dazu gekommen. Der Name war schon ein bisschen komisch, wir hatten aber eine gute Mannschaft.

Sie haben in der Saison 2008/09 sogar Europapokal gespielt und den amtierenden Champions-Legaue-Sieger Vardar Skopje besiegt.
Jaanimaa: Ja, zumindest im Hinspiel. Skopje hatte auch damals eine gute Mannschaft. Nach dem Duell haben sie mir direkt ein Angebot gemacht. Ich hatte aber Angst, dorthin zu wechseln. Ich war erst 18 Jahre alt, kannte deren Sprache nicht, es war eine andere Welt. Ich bereue es jedenfalls nicht, mich gegen den Wechsel entschieden zu haben. Vermutlich wäre ich sonst jetzt nicht hier.

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