Sa., 30.12.2017

Golfprofi Alexander Knappe blickt zurück und voraus »Ich bin jetzt viel, viel gelassener«

Der Paderborner Golfprofi Alexander Knappe blickt optimistisch auf 2018.

Der Paderborner Golfprofi Alexander Knappe blickt optimistisch auf 2018. Foto: Besim Mazhiqi

Von Elmar Neumann

Thüle (WB). Für Alex­ander Knappe geht ein außergewöhnliches Jahr zu Ende. Der Golfprofi vom GC Paderborner Land durfte 2017 seine erste Saison auf der European Tour spielen. Das langersehnte Debüt unter den Besten der Besten seiner Branche verlief nicht so erfolgreich wie erhofft, aber der 28-Jährige hat jede Menge wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Diese lassen den gebürtigen Briloner entspannt zurück-, aber vor allem auch ausgesprochen zuversichtlich auf das neue Jahr blicken.

Der Blick zurück

Der schönste Moment: Mitte Juli spielte Knappe bei der Scottish Open im Kampf um die 7 Millionen Dollar Preisgeld lange eine entscheidende Rolle. Nach zwei Tagen lag der gebürtige Briloner sogar schlaggleich mit dem routinierten Iren Padraig Harrington in Führung. Zwar verspielte er an Tag zwei die glänzende Ausgangsposition, aber die Finalrunde am Sonntag war trotzdem ein einziger Genuss. Die verbrachte Knappe, der am Ende als geteilter 26. mit 57.216 Euro belohnt wurde, Seite an Seite mit US-Star Ricky Fowler. »Das war das schönste Erlebnis für mich in diesem Jahr. Wir wurden von mehr als 3000 Fans begleitet. Vor so vielen Menschen mit einem solchen Superstar zu spielen, das war ein super Gefühl und eines, das ich hoffentlich noch einmal erleben darf.«

Der bitterste Moment: Im April, beim Shenzen International, dem ersten Tour-Stop in China, wollte Knappe am Finaltag noch einmal angreifen, doch der Versuch misslang. Der Nike-Werbeträger beendete das Turnier mit einem Doppelbogey und einem Bogey auf den abschließenden beiden Löchern und war völlig gefrustet: »Die Runde fühlte sich wie eine einzige Katastrophe an. Das war hart und ich habe gemerkt, dass ich unbedingt etwas an meinem Schwung ändern muss, um zu meinem Spiel zu finden.« Es folgte aber zunächst noch eine Serie von acht Turnieren, bei denen Knappe am Cut scheiterte.

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Ich habe viel zu viel Druck aufgebaut.

Alexander Knappe

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Das Problem: Den Grund dafür, dass es zu selten gelang, das zweifellos vorhandene Potenzial eines Siegers auf den Platz zu bringen, macht Knappe an der Vorbereitung fest. Als Nummer 104 der Welt nach der Challenge Tour die European Tour geentert, folgte ein großer Fehler: »Statt erst einmal darauf aus zu sein, in dieser 1. Liga richtig Fuß zu fassen, habe ich schon viel weiter gedacht, wollte so schnell wie möglich unter die Top 50 der Welt und habe viel zu viel Druck aufgebaut. Die Ergebnisse waren anfangs okay, aber ich habe das viel zu negativ gesehen und bin in eine Abwärtsspirale geraten, die mental und körperlich extrem an mir gezehrt hat.«

Die Bilanz: Der 1,89 Meter große Modellathlet belegte am Ende mit 215.000 erspielten Euro in der Geldrangliste den 140. Platz. Ein Rang innerhalb der Top 100 wäre nötig gewesen, um sich die volle Spielberechtigung für die Saison 2018 zu verdienen. Das Fazit fällt aber nicht allzu negativ aus. »Ich bin seit 2011 Profi. Es ist schade, dass ausgerechnet 2017 das Jahr war, in dem ich mein schwächstes Golf gespielt habe. Doch wenn ich bedenke, dass ich trotzdem zweimal um den Sieg mitgespielt und immerhin den 140. Platz belegt habe, macht mir das auch Hoffnung. Ich weiß, dass ich definitiv mithalten kann – wenn ich es schaffe, wieder konstant mein Niveau abzurufen«, sagt der Klient der Agentur »4sports & Entertainment« mit Sitz in der Schweiz.

Der Blick voraus

Die Ausgangslage: Das – gelinde gesagt – nicht unkomplizierte System sieht vor, dass Knappe zurück zur Challenge Tour muss und doch auch bis zu 15-mal auf der European Tour starten darf. Zwei Turniere, die Joburg Open (geteilter 195. Platz) und die Australian PGA Championship (41.), sind bereits absolviert. Der nächste Einsatz auf der European Tour wartet vom 8. bis 11. Februar mit dem ISPS Hansa World Super 6 im australischen Perth. Die Challenge Tour beginnt im März in Kenia. Auch auf der südafrikanischen Sunshine Tour will sich Knappe wieder sehen lassen. Unverzichtbarer Bestandteil der Planungen sind die beiden Deutschland-Auftritte bei der BMW International Open in Pulheim (21. bis 24. Juni) und bei der Porsche European Open in Winsen (26. bis 29. Juli).

Der Durchblick: Der 322. der Weltrangliste hat die Zeit zwischen den Jahren genutzt, um sich einen besseren Durchblick zu verschaffen. Am Donnerstag stand im Augenzentrum Köln der OP-Termin bei Dr. Matthias Maus an. Dem LASIK-Experten haben sich auch schon Knappes Tour-Freunde Bernd Ritthammer und Maximilian Kieffer anvertraut. »Die beiden sind sehr zufrieden und da ich Kontaktlinsen – gerade bei sehr windigen Verhältnissen – nicht mehr so richtig vertrage, habe auch ich mich für diesen Schritt entschieden.«

Die Vorbereitung: Die läuft auch mit der Brille, die Knappe in den zweieinhalb Wochen vor der OP tragen musste, glatt: »Ich trainiere fleißig und fühle mich gut. So kann es im neuen Jahr weitergehen.« Wehren sich die Augen nicht, fliegt der Schützling von Trainer André Zill am 7. Januar nach Südafrika, um sich dort einen Monat lang auf sein Auftaktturnier 2018 vorzubereiten. Anfang Februar wartet dann der Flieger zum Super 6 in Perth.

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Bevor Dortmund Meister wird, gewinne ich mein erstes Turnier.

Alexander Knappe

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Die Ziele: Der selbst auferlegte Druck ist deutlich geringer als vor einem Jahr. »Ich bin jetzt viel, viel gelassener«, sagt Knappe. Vorgaben setzt er sich trotzdem und die lauten wie folgt: Auf der Challenge Tour möchte er sich zunächst für das Finalturnier der stärksten 45 Profis im Oman qualifizieren. Auf der European Tour soll es für einen Top 10-Rang reichen. Unabhängig von den Platzierungen geht es darum, »mit einem vernünftigen Turnierkalender mein Spiel möglichst gut aufzubauen, um spätestens 2019 richtig angreifen zu können«. Die Erfolge von Spielern wie Ryan Fox, Dylan Frittelli oder Jordan Smith, denen Knappe 2016 auf der Challenge Tour noch (mindestens) auf Augenhöhe begegnet ist, nähren die Zuversicht: »Auf der Challenge Tour habe ich Dylan regelmäßig geschlagen, jetzt hat er schon zwei Turniere gewonnen. Ich weiß, dass mein Spiel genauso gut ist und ich nur geduldig bleiben muss.« Dass Geduld belohnt wird, hat Wade Ormsby gleich zum Auftakt der neuen Saison bewiesen. Der Australier feierte Ende November bei den Hong Kong Open nach 13 Jahren und 263 vergeblichen Anläufen seinen ersten Sieg. Ganz so lang möchte Knappe aber nicht warten. Eine Vermutung des treuen BVB-Fans lautet so: »Bei aller Liebe: Ich glaube, bevor Dortmund wieder Meister wird, werde ich mein erstes European-Tour-Turnier geworden haben.«

Das gute Omen: Auf der Challenge Tour hat Knappe schon zwei Turniersiege vorzuweisen. Der erste gelang im Juni 2016 in der Schweiz – genau eine Woche nachdem er für die Ligamannschaft des GC Paderborner Land zu Driver, Holz, Eisen, Wedge und Putter gegriffen hatte. In diesem Jahr war Ablenkung dieser Form aus zeitlichen Gründen nicht drin, 2018 hat er einen Einsatz für den Viertligisten allerdings wieder fest eingeplant. »Das macht mir immer großen Spaß. Wenn ich helfen kann, bin ich gerne dabei und wenn sich das wieder als gutes Omen herausstellen sollte, wäre das natürlich perfekt.

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