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Fr., 13.03.2015

Bielefeld ist laut Polizei die sicherste Großstadt in NRW: Das WESTFALEN-BLATT macht den Faktencheck Die Kriminalität steigt auf breiter Front

Die vorsätzlichen, schweren und gefährlichen Körperverletzungen in Bielefeld sind stark gestiegen – auf 2194 Fälle, ein Zehn-Jahres-Hoch. Fast jeder dritte Tatverdächtige ist jünger als 21 Jahre.

Die vorsätzlichen, schweren und gefährlichen Körperverletzungen in Bielefeld sind stark gestiegen – auf 2194 Fälle, ein Zehn-Jahres-Hoch. Fast jeder dritte Tatverdächtige ist jünger als 21 Jahre. Foto: dpa

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). Bielefeld ist die sicherste Großstadt unter den NRW-Kommunen mit mehr als 300 000 Einwohnern. Das hat die Polizei stolz verkündet, als die neue Kriminalstatistik veröffentlich wurde. Doch ist der Begriff »sicherste Großstadt« gleichzusetzen mit einer »sicheren Großstadt«? Ein Blick in die Zahlen der Kripo offenbart es.

Der Gesamtüberblick: Im Vergleich zum Jahr 2013 ist im vergangenen Jahr die Kriminalität in der sichersten NRW-Großstadt Bielefeld von 26 001 Taten auf 27 942 Delikte gestiegen. Das war ein Plus von 7,5 Prozent und der höchste Kriminalitätsstand der vergangenen zehn Jahre. Die Aufklärungsquote der Polizei Bielefeld ist auf 57,9 Prozent gesunken.

Häusliche Gewalt

875 bekannt gewordene Taten, bei denen ein Ehe- oder Lebenspartner nicht selten vor den Augen der Kinder zum Opfer wurde, bedeuteten ebenfalls einen Zehn-Jahres-Höchststand. Polizisten sprachen gegen die meist männlichen Täter im vergangenen Jahr 197 Wohnungs- oder Platzverweise aus.

Computerkriminalität

Der starke Zuwachs aus dem Jahr 2013 hat sich nicht fortgesetzt. Die Delikte gingen von 1696 auf 1113 Taten zurück. Das Ganze kann sich aber schnell ändern, wenn Cyberkriminelle im Internet den nächsten Großangriff starten

Fahrzeug-Kriminalität

Die Taten rund um Autos und Zweiräder stiegen von 2283 auf 2802 Fälle (plus 22,7 Prozent). 103 Autos und 149 Zweiräder wurden im Jahr 2014 in Bielefeld gestohlen, der Schaden betrug mehr als 1,116 Millionen Euro. Die Chancen, das Eigentum wieder zu sehen, standen schlecht: die Aufklärungsquote betrug zwischen 22,1 und 31 Prozent. Noch geringer ist die Aufklärungsquote bei Autoaufbrüchen, Teilediebstahl oder Vandalismus. Diese Taten machten mit 2550 Delikten das Gros der Fahrzeug-Kriminalität aus. Die Aufklärungsquoten lagen zwischen 11,1 Prozent (Autoaufbruch/Teilediebstahl) und 19 Prozent (Vandalismus).

Raubdelikte

Die sind im vergangenen Jahr um 28,5 Prozent von 200 Taten (2013) auf 257 in die Höhe geschnellt. Unter dem Strich sind Bielefelds Straßen unsicherer geworden: 16 Mal griffen Handtaschenräuber zu (2013: zwölf Taten), die Straßenraubdelikte erhöhten sich von 108 auf 130 Taten, sogenannte sonstige Raubüberfälle von 47 auf 68 Delikte. Und drei Mal wurden Autofahrer auf der Straße ausgeraubt. Die Aufklärungsquote schwankt je nach Delikt zwischen 6,3 Prozent (Handtaschenraub) und 100 Prozent (Festnahme eines Bankräubers direkt nach der Tat).

Körperverletzungen

Hier gab es mit 2194 bekannt gewordenen Taten ein Zehn-Jahres-Hoch. Es wurden mehr Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung (506 Taten) registriert. Fast jeder dritte Tatverdächtige ist jünger als 21 Jahre. Schlägereien auf der Straße, bei denen auch Waffen wie Messer oder Schreckschusspistolen im Spiel sind, finden überwiegend unter Männern statt. Von 370 Opfern waren lediglich 55 Frauen. Die Aufklärungsquote bei gefährlichen und schweren Körperverletzungen ist von 82,5 Prozent auf 72,9 Prozent gesunken.

Jugendkriminalität

Hier meldet die Polizei eine »positive Entwicklung«. 2014 fielen 2260 Tatverdächtige unter 21 Jahren auf – 54 weniger als 2013.

Fazit

Der Begriff »sicherste Großstadt in NRW« ist relativ und beruht laut Innenministerium einzig auf den Angaben der Polizei Bielefeld. Das zuständige Landeskriminalamt in Düsseldorf erklärte auf Anfrage, dass es in NRW keine Kriminalitätsrangliste für Kommunen gebe. Fakt ist, dass die Kriminalität in Bielefeld vergangenes Jahr in allen relevanten Bereichen gestiegen ist

Kommentare

unseriös

So verspielt die Polizei, die ja eigentlich als positives Beispiel gelten sollte, viel Vertrauen!

1 Kommentare

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