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Mi., 05.08.2015

Remmel überrascht mit Ausnahmen des Abschussverbots – Jäger machen nicht mit Jagdschutz für Katzen gelockert

Verwilderte Katzen dürfen nicht mehr geschossen werden – mit Ausnahmen, wie das NRW-Umweltministerium jetzt  mitteilt.

Verwilderte Katzen dürfen nicht mehr geschossen werden – mit Ausnahmen, wie das NRW-Umweltministerium jetzt mitteilt. Foto: imago

Bielefeld (WB/bex). Mit Einführung des neuen NRW-Jagdgesetzes ist der Abschuss verwilderter Katzen verboten. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) kündigt jetzt  überraschend Ausnahmen an. Doch wer soll streunende Katzen, die Vögeln und Kleintieren nachstellen,   erlegen? Die Jäger machen jedenfalls nicht mehr mit.

»Soll Herr Remmel die Katzen doch selber schießen«, heißt es aus dem Landesjagdverband. Damit bekommt der lange währende Streit zwischen Jägern und Umweltminister neue Nahrung.

Leidenschaftlich war um das im Frühjahr vom Landtag verabschiedete NRW-Jagdgesetz gerungen worden. Eine der umstrittensten Neuerungen war das strikte Tötungsverbot verwilderter Katzen. Bislang konnten Jäger Katzen, die sich mindestens 200 Meter vom nächsten bewohnten Haus aufhielten, erlegen. Im Jagdjahr 2013/14 hatten Jäger in NRW 7595  Katzen geschossen. Das ist durch das Gesetz jetzt eigentlich verboten.

Auf Anfrage der FDP, wie künftig mit den wildlebenden Katzen umzugehen sei, lässt Remmel allerdings aufhorchen. Wenn Katzen »die Gelege von Wiesenbrütern beeinträchtigen und dezimieren« könnten »zur dauerhaften Sicherung der biologischen Vielfalt« die Streuner erlegt werden. Auch »zur Abwehr einer akuten Tollwutgefahr und in tollwurtgefährdeten Gebieten« könnten die Naturschutzbehörden der Kreise den Abschuss von Katzen ausnahmsweise anordnen.

Versicherung der Jäger greift nicht mehr

Auf die Jäger kann Remmel dabei aber nicht zählen. »Wir haben dieses aus populistischen Gründen erlassene Tötungsverbot von Anfang an als kontraproduktiv für den Naturschutz erachtet«, erklärt Andreas Schneider, Sprecher des Landesjagdverbandes (LJV). Aus versicherungstechnischen Gründen seien die Jäger sowieso außen vor. »Trotz der möglichen Ausnahmeregelungen greift die Jagdhaftpflichtversicherung in diesen Fällen nicht.«  Sollte etwa bei der Jagd auf eine Katze ein Querschläger ein Auto beschädigen, trete kein  Versicherungsfall ein.

»Deshalb werden wir dieses Thema nicht anfassen. Uns wurde lange genug vorgeworfen, wir würden sinnlos Tiere  schießen«, sagt Schneider. Der LJV habe seit Beginn der Debatte auf »mildere Maßnahmen« beim Umgang mit verwilderten Katzen gedrungen: Registrierung, Chip-Pflicht und Kastration. Doch dafür reiche das Geld nicht.

Fördersumme für die Kastration freilebender Katzen

Minister Remmel  sieht das anders: »Auch in diesem Jahr werden etwa 200.000 Euro für die Förderung der Kastration von freilebenden verwilderten Hauskatzen zur Verfügung gestellt.« Das entspreche dem Bedarf: 2014 seien lediglich vier Förderanträge mit der Begründung abgelehnt worden, dass keine Haushaltmittel mehr vorhanden seien. Sollte ein höherer Bedarf festgestellt werden, müsse über  eine Erhöhung der Fördersumme beraten werden.

Unterstützung bekommt Remmel von Umweltorganisationen. In einer Resolution zum neuen Jagdgesetz hatte ein Bündnis aus Tier- und Naturschutzverbänden in NRW ein Verbot für den Abschuss wildernder Katzen und gleichzeitig  Kastrationsprogramme gefordert. Eine  Unterscheidung zwischen der Haus- und der geschützten  Wildkatze  sei in freier Wildbahn kaum  möglich – auch deshalb sei das  Tötungsverbot richtig.

Kommentare

Jagdschutz für katzen

Nur wenige Hauskatzen haben die typische Färbung der Wildkatze. Die Aussage der Umwelt- und Naturschutzverbände ignoriert (wissentlich und vorsätzlich?) die schon lange von den Unterstützern der Wildkatzenprojekte erhobene Forderung, alle andersfarbigen Hauskatzen zu schießen oder zu fangen, die sich frei im Verbreitungsgebiet bewegen, um eine Bastardisierung der Wildkatze möglichst zu vermeiden. Aber wie auch bei der Wiesenvogel- und Krähenproblematik - und nicht nur hier - wissen es BUND und Grüne natürlich besser. Leider wird ihren gebetsmühlenartigen Aussagen von vielen Menschen geglaubt.

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