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Mo., 24.10.2016

Zwei Jahre nach dem Tod einer Bielefelder in Tunesien Erschossene Studentin: Anklage in weiter Ferne

Ahlem Dalhoumi wurde nur 21 Jahre alt.

Ahlem Dalhoumi wurde nur 21 Jahre alt.

Von Bernd Bexte

Bielefeld/Bonn (WB). Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Bielefelder Studentin Ahlem Dalhoumi (21) in Tunesien erschossen wurde. Bislang wurde niemand dafür zur Rechenschaft gezogen. Jetzt gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die tunesischen Ermittler haben die Staatsanwaltschaft Bonn um Rechtshilfe gebeten.

Die deutsche Staatsbürgerin Ahlem Dalhoumi war am 23. August 2014 nachts mit sechs Verwandten und Freunden im Auto auf dem Rückweg von einer Hochzeit in der tunesischen Stadt Kasserine, aus der ihre Familie stammt. Ahlems Schwester Sondes (28) saß am Steuer. Eine elfköpfige Polizeipatrouille soll an einer Straßensperre das Auto zum Halten aufgefordert haben. Als es nicht gestoppt habe, schossen die Polizisten – grundlos, wie die Familie der Getöteten immer wieder betont: Ahlem, die in Bonn aufwuchs und seit Herbst 2013 in Bielefeld Jura studierte, sowie ihre Cousine Ons (18) wurden tödlich in den Kopf getroffen. Das tunesische Innenministerium hatte angegeben, der VW Golf mit Bonner Kennzeichen habe trotz Warnschüssen nicht angehalten. In der Gegend seien islamistische Terroristen unterwegs. Es habe sich wohl um ein Versehen gehandelt. Zwei Polizisten saßen zunächst in Untersuchungshaft. Beide sind wieder auf freiem Fuß.

Tante: »Jeder in Tunesien kennt den Fall«

Die Bonner Behörde hat auf Anfrage aus Tunesien nun Zeugenaussagen von Beteiligten aus Deutschland zur Verfügung gestellt. Zudem wurden der Staatsanwaltschaft in Tunesien Projektilteile von Dalhoumis Cousine Yasmin (24) zugesandt, die ihr in Deutschland aus der Schulter operiert worden waren. Sie saß ebenfalls in dem Auto. »Mittlerweile ist der vierte Staatsanwalt in Tunesien mit dem Fall betraut«, sagt der Bonner Rechtsanwalt Michael Hakner, der die Familie Dalhoumi in Deutschland vertritt.

Vor wenigen Tagen gedachte die Familie Dalhoumi in Bonn erneut der getöteten jungen Frauen. Auch ihre Anwälte aus Tunesien waren dabei. »Das war sinnvoll. Jetzt haben wir persönlichen Kontakt zu den Kollegen«, sagt Hakner, der aber skeptisch ist, dass es zu einem Prozess in Tunesien kommen wird. Auch die Familie Dalhoumi hat Bedenken: »Kürzlich hat der deutsche Botschafter in Tunis den neuen Justizminister auf den Fall angesprochen. Er sagte, er kenne den Fall nicht. Was eine Lüge ist, denn jeder in Tunesien kennt den Fall«, sagt Ahlems Tante Fadhila Dalhoumi.

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