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So., 25.12.2016

Gasthof weicht neuer Zentrale der Stiftung Ummeln – Abverkauf am 27. Dezember Gröppel: Abschied nach 153 Jahren

Mit der fünften Generation endet nach 153 Jahren die Ära Gröppel. Anke Summer (von rechts), ihre Mutter Erika Cremer, ihre Kinder Sarah und Philipp Urban sowie ihr Mann Urban Summer (nicht auf dem Bild) übergeben am 10. Januar die Schlüssel.

Mit der fünften Generation endet nach 153 Jahren die Ära Gröppel. Anke Summer (von rechts), ihre Mutter Erika Cremer, ihre Kinder Sarah und Philipp Urban sowie ihr Mann Urban Summer (nicht auf dem Bild) übergeben am 10. Januar die Schlüssel. Foto: Peter Bollig

Von Kerstin Sewöster

Bielefeld (WB). Die markante Fachwerkfassade mit den einladend blumengeschmückten Fenstersimsen ist bald Geschichte. Gasthof Gröppel schließt und wird abgerissen. Eine gastronomische Ära geht in diesen Tagen zu Ende.

Gastronomin Anke Summer und ihr Team geben noch einmal alles: Die Mittagsbuffets am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag sind schon lange ausgebucht. Ihren Einsatz bis zum Schluss – am 27. Dezember wird das Inventar verkauft – sieht die 49-Jährige als Dankeschön an Mitarbeiter und ihre Kunden. Manch alteingesessene Ummelner Familie speist seit Generationen »im Gröppel«, das seit 153 Jahren besteht und nun bald Geschichte ist.

Peter Heinrich Gröppel legte den Grundstein

Anke Summer selbst ist die fünfte Generation, die in dem Traditionsbetrieb Gäste bewirtet. Ihr Ur-Ur-Großvater Peter Heinrich Gröppel legte quasi den Grundstein. Der Bäcker und Gastwirt aus dem Kreis Herford war 24 Jahre alt, als er die 1824 erbaute Schankwirtschaft Hambrink 1863 kaufte und in » Gasthof zu den vier Linden« unbenannte. Zwölf Kinder hatte Peter Heinrich Gröppel mit Elise Marie, geborene Schoneweg.

Florenz Gröppel war eines davon. In zweiter Generation erweiterte er von 1905 an den Gasthof um eine kleine Landwirtschaft und einen Kolonialwarenladen. Den Namen Gröppel machte er in Übersee bekannt, zumindest bei Schinken-Feinschmeckern. Seine westfälischen Schinken aus der eigenen Räucherei sollen bis in die USA geliefert worden sein.

Eine Tankstelle kam hinzu, als mit Walter Gröppel die dritte Generation zum Zuge kam. Das war 1938. Der Zweite Weltkrieg bedeutete jedoch für die Familie Gröppel und ihre Gastwirtschaft eine Zäsur. Walter Gröppel fiel 1943 in Russland, seine Tochter Erika, die künftige vierte Generation und Mutter von Anke Summer, war da erst fünf Jahre alt.

Nach dem Kriegsende wurden Teile des Hauses als Gemeindebüro und Standesamt genutzt. Anneliese Gröppel heiratete Willi Uffmann, betrieb die Gastwirtschaft weiter und eröffnete 1949 als zweites Standbein in der heutigen Bauernstube ein Textilgeschäft. Die Gaststätte selbst wurde 1956 für sieben Jahre an eine Mitarbeiterin verpachtet – bis zum Amtsantritt der jungen Erika, die in die Fußstapfen ihrer Ahnen treten wollte und im Detmolder Hof Köchin wurde. Während ihrer Ausbildung lernte sie Rolf Cremer kennen, ein Metzger, der sich zum Koch ausbilden ließ. Die beiden heirateten, und Erika Cremer war erst 25 Jahre alt, als sie und ihr Mann 1963 den Gasthof Gröppel übernahmen. Es folgten Umbauarbeiten in Küche, Schankraum, der große Saal entstand und ein Biergarten mit Terrasse.

Anke Summer war immer klar, dass sie die Familientradition fortsetzen wird. Sie lernte wie ihre Mutter den Beruf der Köchin, schloss die Ausbildung zur Restaurantfachfrau an und übernahm mit 28 Jahren den Gasthof von ihren Eltern. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Urban Summer setzte sie mit »Gröppel in Flammen« und »Brackwede verwöhnt« gastronomische Meilensteine. Immer dabei war ihr Bruder Roland, der trotz seiner Behinderung mithalf und vor drei Jahren starb. »Roland war ein Original wie mein Vater und unser Sonnenschein«, betont Anke Summer.

Millionen-Investition wäre für den Weiterbetrieb fällig

Die Entscheidung, den Gasthof aufzugeben, geht ihr sehr nah, doch Sentimentalitäten lässt sie nicht zu. »Hinter der Entscheidung steht die reine Ratio«, sagt sie und wischt sich dann doch über die Augen. Um den Gasthof für die sechste Generation – ihr Sohn Philipp ist ebenfalls Koch – zu erhalten, wären Investitionen von zwei Millionen Euro nötig, eine Last, die sie mit fast 50 Jahren nicht stemmen wollte. »Ein Gasthof ist wie ein Bauernhof – nie Urlaub, und selbst am Ruhetag gibt es etwas zu tun«, fasst sie zusammen. Ihre Kinder waren zwei und drei Jahre alt, als sie den Gasthof übernahm. Jetzt will sie mehr Zeit für ihre Enkel haben. Doch bis es soweit ist, wird sie »bis zum letzten Tag volle Leistung bringen«. »Wir gehen ohne Not«, sagt sie: »Es wäre schön, wenn die Leute sagen: ›Gröppel schließt, wie schade‹.« Wie berichtet hat die Diakonische Stiftung Ummeln den Gasthof erworben. Wo in den vergangenen 153 Jahren Gäste bewirtet wurden, plant der Stiftungsvorstand eine Stiftungszentrale.

Das letzte warme Essen verlässt am zweiten Weihnachtsfeiertag die Küche. Nach dem Mittagsbuffet ist Schluss. Tische, Stühle, Geschirr, Lampen, Ofen – alles, was in den vergangenen Jahrzehnten zum Gasthof gehörte, wird am 27. Dezember verkauft. »Von 10 bis 14 Uhr geht alles weg«, sagt Anke Summer. »Schlüsselübergabe ist am 10. Januar, danach sind wir erst einmal vier Wochen weg«, meint die 49-Jährige.

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