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Mi., 28.06.2017

Ärztekammerpräsident befürwortet Studienzulassung ohne Spitzen-Abi Bielefeld prüft Arztstudium ohne Numerus clausus

Die Uni Bielefeld.

Die Uni Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). Bei der Einrichtung einer Medizinfakultät in Bielefeld sollen neue Wege beschritten werden. »Es gibt Überlegungen, einen Zugang ohne Numerus clausus zu schaffen«, sagte gestern Dr. Theodor Windhorst, der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

Ärztekammerpräsident Dr. Theodor Windhorst

Windhorst setzt sich seit Jahren für eine Medizinfakultät in Bielefeld ein, um dem Ärztemangel in Ostwestfalen-Lippe zu begegnen. »Von denen, die hier studieren und Ostwestfalen kennenlernen, werden etliche bleiben«, hofft er. In Zukunft fehlten nämlich nicht nur Hausärzte, auch bei Kinderärzten zeichne sich ein Mangel ab.

Die künftige Landesregierung will eine Medizinfakultät einrichten , aber Konkretes ist aus Düsseldorf noch nicht zu hören. Schließlich werden die Minister erst im Laufe des Donnerstages ernannt.

Doch die Beteiligten stehen bereit. »Die Uni Bielefeld hat schon einen Koordinator eingestellt, der das Vorhaben begleiten soll«, sagte Windhorst. Er halte es für realistisch, dass in vier Jahren die ersten Studenten in Bielefeld unterrichtet würden.

»Wir brauchen keine riesigen Neubauten. Es gibt auch Lehrräume in Krankenhäusern.« (Wie berichtet, kommt es derzeit bei der Sanierung der Uni zu erheblichen Problemen) . Auch auf eine Anatomie »mit Leichenteilen in Formalin« könne man verzichten, stattdessen sollten alle Bielefelder Krankenhäuser ihre Obduktionen vor Studenten durchführen. Der Ärztekammerpräsident geht von 120 bis 140 Medizinstudenten pro Semester aus.

Mehr lesen Sie am Mittwoch, 28. Juni, im WESTFALEN-BLATT.

Kommentare

Anatomieunterricht

Bei allem Respekt und Verständnis für die Notwendigkeit der Einrichtung einer medizinischen Fakultät in Bielefeld... es sollen also Obduktionen an Bielefelder Krankenhäusern den praktischen Anatomieunterricht ersetzen? Da wird bei der Planung des Studienganges ja mächtig mit der heißen Nadel gestrickt, um sich das irgendwie schön- und möglichzureden. Eine ca. 1,5 stündige Obduktion einer Leiche in der Pathologie geht nur so weit, dass möglichst schonend die inneren Organe aus den Körperhöhlen entnommen werden um sie zu öffnen und Gewebeproben zu entnehmen. Vorgänge, die über Wochen und Monate Schritt für Schritt "learning by doing" im Anatomieunterricht gelehrt werden, wie das Präparieren und Darstellen von Nerven, Blutgefässen, Muskeln, Skelett etc. sind hier schlicht nicht möglich, da eine Leiche ein pathologisches Institut so verlässt, dass sie für Angehörige nach wie vor vorzeigbar ist. Ferner haben die Körperspender der Anatomieleichen zu Lebzeiten ihr Einverständnis hierzu gegeben. Was ist mit diesen juristischen und ethischen Aspekten? Zudem ist die Zahl der Obduktionen in den letzten Jahrzehnten extrem rückläufig, so dass diese selbst in großen Krankenhäusern teilweise zwei pro Monat nicht überschreiten. Wie will man das planen? Ausserdem käme auf eine Pathologie (wieviele Krankenhauspathologien gibt es denn eigentlich in Bielefeld?) ja schon das Unterrichtsdeputat für die universitären Lehrfächer allgemeine und spezielle Pathologie inclusive der jeweiligen Mikroskopierkurse zu, dazu dann noch Anatomie und womöglich Histologie, also mikroskopische Anatomie? Wie soll das mit der eigentlichen Aufgabe einer Pathologie, der möglichst schnellen Diagnosestellung an Gewebeproben Lebender vereinbar sein?

Medizinische Fakultät

Guten Tag,
um eine schnelle Umsetzung der Medizinischen Fakultät herbei zu führen, sollte überlegt werden, ob die ehemalische Fachhochschule für Maschinenbau Ingeneurwesen genutzt werden kann. Dort gibt es genügend Platz und Hörsäale. Fraglich ist, ob die Kliniken für die praktische Ausbildung räumlich und verwaltungsmäßig gerüstet sind.

2 Kommentare

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