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Di., 11.07.2017

Rechtsstreit: weitere Messungen geplant – Anwalt beklagt »merkwürdigen Stil« Viel Lärm um den Falkendom

Eigentlich sollten bereits zwei Lärmmessungen im Falkendom über die Bühne gehen. Die zweite Untersuchung fiel aber aus.

Eigentlich sollten bereits zwei Lärmmessungen im Falkendom über die Bühne gehen. Die zweite Untersuchung fiel aber aus. Foto: Bernhard Pierel

Von Stefan Biestmann

Bielefeld (WB). Der Rechtsstreit um den Falkendom geht weiter. In einem Gespräch zwischen der Stadt als Besitzerin der Immobilie und den Bielefelder Falken als Betreiber des Jugendzentrums sollen an diesem Dienstag Konzerte benannt werden, bei denen weitere Lärmmessungen vorgenommen werden.

Die Messungen waren im April bei einem Ortstermin des Verwaltungsgerichts Minden vereinbart worden. Nachbarn hatten Klage gegen die Baugenehmigung für den umgebauten und im Dezember 2016 neu eröffneten Falkendom an der Meller Straße eingereicht. Das Verwaltungsgericht Minden untersagte bereits im Oktober im Eilverfahren den Betrieb von 22 bis 6 Uhr morgens. Der Termin für eine mündliche Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht stehe noch nicht fest, berichtet Gerichtssprecherin Vivienne Bock. Erst einmal solle geprüft werden, ob die »Beeinträchtigungen für die Nachbarn ein gewisses Maß erreichen«, sagt Vivienne Bock.

Die erste Lärmmessung ging planmäßig am 24. Juni über die Bühne – bei einem Live-Konzert mit vier Heavy-Metal-Bands. Die Dekra, die die Messungen erhoben hat, hat nach Angaben von Zurheide das Ergebnis noch nicht mitgeteilt. Das bestätigt auch Uli Gödde, Geschäftsführer der Bielefelder Falken. »Die Werte müssen noch bereinigt werden«, sagt er. Schließlich müssten bei der Berechnung auch externe Lärmquellen miteinbezogen werden.

Kritik an Satire-Show

Die zweite Lärmmessung sollte eigentlich am 1. Juli erfolgen – bei der Satireshow »Hertz an Hertz«. Doch der Anwalt der Nachbarn legte sein Veto ein. »Die Lärmmessungen müssen bei Musikveranstaltungen erfolgen – und nicht bei Lesungen«, sagt Zurheide. Deshalb tauge die Show nicht als Testveranstaltung. Und Zurheide stört sich zudem an dem Motto der Satire-Show: »Der Dezibel-Test: Wie laut darf Satire sein?« stand auf den Ankündigungsplakaten. »Die Nachbarn wurden bewusst durch den Kakao gezogen«, meint Zur­heide. »Der Stil ist sehr merkwürdig.« Das Gesprächsklima sei durch die Aktion nicht besser geworden. Die Show wurde letztlich abgesagt.

Die Falken reagieren auf die Kritik der Nachbarn: »Es war nicht unsere Absicht, den Nachbarn in irgendeiner Form zu nahe zu treten«, betont Uli Gödde. Zudem hätten sich die Falken den Inhalt der Satire-Show nicht ausgedacht. Während die Termine für die beiden ausstehenden Lärmmessungen heute vereinbart werden könnten, beschäftigen sich die Falken parallel auch mit Lärmschutzmaßnahmen. »Das klären jetzt Experten«, sagt Gödde.

Absperrungen auf dem Innenhof

Denkbar wäre es, die Besucherströme besser zu lenken. Ein Ergebnis könnte sein, dass die Musikfans den Falkendom künftig durch den Hinterausgang verlassen. Zudem könnten Absperrungen auf dem Innenhof den Lärm in gewissen Zonen mindern.

In die Sanierung des Falkendoms wurden insgesamt 900.000 Euro investiert. Dazu gehörte unter anderem eine neue Saaltechnik. Der Schallschutz wurde aber offenbar nicht hinreichend berücksichtigt. Und Klägeranwalt Zurheide stellt fest: »Die Nachbarn haben ein Anrecht darauf, dass die Richtwerte eingehalten werden.«

Kommentare

Lautstärke auf dem Noctura

Ich war auf dem Noctura, der ersten Testveranstaltung. Selbst direkt vor dem Gebäude war von der Musik im Inneren fast nichts zu hören. Der Lärmschutz sollte also mehr als ausreichend sein.

Drückt der Stadt die Daumen!

Mit Verlaub: Um die Kundschaft von Klägeranwalt Zurheide „durch den Kakao“ zu ziehen, bedarf es keiner Satiriker. Ende 2013 haben sie selbst eine öffentliche Debatte gestartet, die jeder verfolgen (und sich seinen Teil denken) kann. Mir hat sich dazu ein Zeitungsfoto aus dem Garten einer der Parteien im Gedächtnis eingebrannt. Zusammen mit der Forderung, nachts bei offenem Fenster schlafen zu können - mitten in der Innenstadt, im Mischgebiet, auf der Grenze zum Industriegebiet (in dem der Falkendom seit Ende der 70er liegt).

„Das Gesprächsklima“ scheint auch noch nie gut gewesen zu sein – jedenfalls beruht dort offenbar nichts auf Gegenseitigkeit:
Man sieht einerseits den Falkendom seit ca. 10 Jahren immer früher schließen, das Programm anpassen (in Richtung „leiser“ und „früher“), Aufpasser auf den Hof stellen und neuerdings zum Ende hin den Weg in Richtung Sudbrackstraße absperren. Wie man bei dem ganzen Drumherum noch sinnvolle Jugendarbeit machen kann, ist mir schleierhaft. (Zur Zielgruppe gehören dabei auch 18- bis 26-Jährige - die gehen nunmal nicht um 23:00 Uhr ins Bett.) Vorher war diese Jugendarbeit Jahrzehnte lang möglich.
Auf der anderen Seite steht nicht nur der Zeitpunkt der Klage: „Eilverfahren“ im Oktober 2016, direkt vor der Wiedereröffnung - nach monatelanger Renovierung zur Verbesserung des Schallschutzes. Vorher wurden Polizeistreifen regelmäßig -pauschal- zum Falkendom geschickt, obwohl sie nie einen Grund zur Beschwerde feststellten. Selbst die Staatsanwaltschaft wurde im Rahmen der öffentlichen Debatte mehrfach eingeschaltet, wenn Personen sich öffentlich zum Thema geäußert hatten (aber eben nicht im Sinne der Kläger). Seien es nun direkte Nachbarn, die Leserbriefe geschrieben hatten, oder Kommentatoren im Internet.

Bitte am Ball bleiben, Westfalen-Blatt! Es geht um eines der letzten verbliebenen Jugendzentren – nicht nur für die Drittelmillion Bielefelder, sondern auch für den Rest von OWL.
Und wo bleibt die Politik, die Ende 2013 noch Pressemitteilungen und Statements veröffentlichte?

Der neue Schallschutz ist übrigens über jeden Zweifel erhaben: Beim „Noctura VI“ am 24.06. hörte man draußen, bei geschlossenen Türen, nicht mehr, dass die Bands drinnen anfingen zu spielen.

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