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Mi., 16.08.2017

Maja Oetker sieht Namen ihres Mannes »ausradiert« Neuer Ärger um Gedenktafel

Die neue Gedenktafel im Foyer der Kunsthalle Bielefeld: Der Name Rudolf-August Oetker wird nicht mehr erwähnt.

Die neue Gedenktafel im Foyer der Kunsthalle Bielefeld: Der Name Rudolf-August Oetker wird nicht mehr erwähnt. Foto: Hans-Werner Büscher

Von André Best

Bielefeld (WB). »Der Oberbürgermeister ist ein intelligenter Mensch, aber das hätte er nicht zulassen dürfen«, sagt Maja Oetker (82). Sie kritisiert, dass die kürzlich angebrachte neue Gedenktafel in der Bielefelder Kunsthalle ihren verstorbenen Mann Rudolf-August Oetker als Stifter nicht mehr namentlich erwähnt.

Maja Oetker. Foto: Büscher

Rückblick: Vor einem Jahr hatten sich Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) und das Haus Oetker darauf geeinigt, die Gedenktafel durch eine neue zu ersetzen. Sie trägt die Inschrift: »Im Gedenken der Opfer des zweiten Weltkrieges unserer Stadt hat die Familie OETKER den Bau dieser Kunsthalle ermöglicht«.

Nach Aussage von Maja Oetker sei die Zustimmung der Familie ohne sie erfolgt. Und auch ihre drei Kinder Alfred, Carl-Ferdinand und Julia seien nicht gefragt worden. Sie hätten von der Änderung aus der Zeitung erfahren. Ihrer Meinung nach gehört der Name des Stifters, also ihres 2007 verstorbenen Mannes, zwingend auf die Gedenktafel, so wie es schon zuvor der Fall war. Er sei der Mäzen, nicht die Familie. »Mein Mann kann nicht einfach ausradiert werden. Zu seinen Lebzeiten wäre das niemals passiert. Das hätte sich keiner getraut.«

Kaselowsky-Streit sei erledigt

Maja Oetker möchte anregen, darüber nochmals genauer nachzudenken. Ihrer Meinung nach müsste die Gedenktafel folgende Inschrift tragen: »Den Opfern des Zweiten Weltkrieges unserer Stadt. Rudolf-August Oetker«.

Der jahrelange Streit um den Namen Kaselowsky sei für sie erledigt. Richard Kaselowsky (1888 bis 1944), dessen Name ebenfalls auf der Gedenktafel entfernt wurde, war der Stiefvater von Rudolf-August Oetker. Er geriet in die Kritik, weil er dem Freundeskreis Himmler angehörte.

Zweiter Weltkrieg mit kleinem »z«

Zweitrangig in der Diskussion über die Gedenktafel ist für Maja Oetker die weiterhin falsche Schreibweise des Begriffs »Zweiter Weltkrieg« mit kleinem »z«. »Mein Mann und nicht die Familie Oetker hat der Stadt Bielefeld die Kunsthalle gestiftet, um die Opfer des Zweiten Weltkrieges zu würdigen. Somit darf sein Name nicht fehlen«, sagt Maja Oetker. Sie werde solange keine Ruhe geben, bis die Gedenktafel geändert werde.

Dazu sieht jedoch der andere Teil der uneinigen Familie offenbar keine Veranlassung. Oetker-Sprecher Dr. Jörg Schillinger ließ mitteilen, dass er nicht über Interna der Familie sprechen möchte. Aber: Es sei öffentlich bekannt, dass im Umgang mit der Vergangenheit der Familie Oetker unterschiedliche Sichtweisen bestünden. Die Aufarbeitung dieses Sachverhaltes sei abgeschlossen und hinlänglich diskutiert. Insofern sei es verständlich und nachvollziehbar, dass es zum konkreten Einzelfall auch unterschiedliche Auffassungen gebe.

Clausen sieht keine Notwendigkeit

Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen zeigte sich überrascht über den Zeitpunkt der Kritik Maja Oetkers. Er berief sich auf das bereits im August 2016 abgeschlossene Verfahren. An dessen Ende hätten die Stadt, die Verwaltung und das Haus Oetker eine Lösung gefunden – sowohl wie mit der Gedenktafel, der Verwendung des Namens Kaselowsky als auch mit der Umbenennung der Kaselowsky-Straße in Hochstraße umzugehen sei. »Rudolf-August Oetker war ein sehr wichtiger Bürger dieser Stadt. Er ist Ehrenbürger Bielefelds und ich sehe ihn als Teil der Familie. Somit empfinde ich die Inschrift nicht ehrabschneidend ihm gegenüber. Mir steht es nicht zu, mich in Familienangelegenheiten des Hauses Oetker einzumischen.«

Clausen sieht keine Notwendigkeit, die Gedenktafel zu ändern. Auch nicht im Zusammenhang mit der falschen Schreibweise. »40 Jahre lang war die Schreibweise so. Da hat sich niemand beklagt. Warum sollten wir daran nun etwas ändern?«

Rudolf-August Oetker war einer der größten Familienunternehmer Deutschlands. Er verstarb am 16. Januar 2007 an den Folgen einer Lungenentzündung in Hamburg. Er wäre am 20. September 2016 100 Jahre alt geworden.

Kommentare

Viele Jahre habe ich in mal in Bielefeld gewohnt und für die Oetker-Konzernleitung gearbeitet.
Mit einigen Jahren Abstand zu Bielefeld und zu Oetker kann ich über diese andauernde Geschichte nur noch eines: Herzlich lachen. Es ist wirklich komisch.

1 Kommentare

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