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Mi., 30.08.2017

Bauern blicken nicht nur auf die Ernte, sondern auch auf die Afrikanische Schweinepest Angst vorm weggeworfenen Wurstbrot

Hermann Seeker, Herbert Quakernack, Hubertus Beringmeier und Wilhelm Brüggemeier (von links) hatten einen Erntekorb mitgebracht. Das Erntejahr 2017 falle bescheiden aus, betonten sie und verwiesen auf unterdurchschnittliche Erträge.

Hermann Seeker, Herbert Quakernack, Hubertus Beringmeier und Wilhelm Brüggemeier (von links) hatten einen Erntekorb mitgebracht. Das Erntejahr 2017 falle bescheiden aus, betonten sie und verwiesen auf unterdurchschnittliche Erträge. Foto: Oliver Schwabe

Von Dietmar Kemper

Bielefeld (WB). Die Afrikanische Schweinepest, zunehmender Flächenverbrauch und die Rückkehr des Wolfes bereiten den heimischen Landwirten Sorgen. Dagegen können die Milchbauern endlich aufatmen.

Im Baltikum, Polen, Tschechien und Rumänien verbreitet sich die Afrikanische Schweinepest unter Wildschweinen und infiziert zum Teil auch Hausschweinbestände. Weil ein wirksamer Impfstoff fehlt, werden die betroffenen Tiere getötet. Tauche das Virus in Westfalen auf, »wäre das für unsere Schweinehalter eine Riesenkatastrophe, die Schäden könnten in die Milliarden gehen«, sorgt sich der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL, Hubertus Beringmeier.

Wie groß der Schaden durch ein Handelsverbot oder Tötungen von Tieren wäre, machte Beringmeier in Bielefeld mit einer Zahl klar: »60 Prozent der Schweine in Deutschland befinden sich in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.« Vor allem Westfalen bilde einen Schwerpunkt.

Schinkenbrot könnte Schweinepest auslösen

Beringmeier rief die Bevölkerung dazu auf, Fleischprodukte aus Osteuropa bei uns nicht leichtfertig im Wald zu entsorgen: »Ein achtlos weggeworfenes Schinkenbrot könnte auch bei uns die Afrikanische Schweinepest auslösen.« Landwirte sollten Saisonarbeitskräften aus Osteuropa einschärfen, keine Speisen aus der Heimat mitzubringen.

Das Virus käme für die Schweinezüchter in der Region zur Unzeit. Nach zwei schwierigen Jahren haben sich die Preise auf einem zufriedenstellenden Niveau stabilisiert. Pro Kilo Schweinefleisch erhält ein Bauer 1,70 Euro. Schweinezüchter seien durchaus bereit, höhere Standards bei der Haltung der Tiere zu erfüllen, betonte Beringmeier. 128 Schweine haltende Betriebe in OWL beteiligten sich an der von der Landwirtschaft, der Fleischverarbeitung und dem Einzelhandel gegründeten »Initiative Tierwohl«, weitere 102 Betriebe stünden auf der Warteliste.

Wolfübergriffe ein untergeordnetes Problem

Vom Skandal um mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier hauptsächlich aus Holland profitieren die 1000 Legehennenhalter in der Region ungewollt sogar. Nachdem niederländische Eier in den Geschäften aussortiert worden waren, steige die Nachfrage nach Eiern aus Westfalen, berichtete der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe, Herbert Quakernack.

Im Vergleich zu den Schäden, die die Afrikanische Schweinepest oder Fipronil verursachen könnten, sind die Übergriffe von Wölfen auf Weidetiere ein untergeordnetes Problem. Trotzdem mahnten die Landwirte am Dienstag erneut, bei Wölfen müsse die »Populationsbremse« gezogen werden. »Ausrotten nein, begrenzen ja«, brachte der stellvertretende Vorsitzende des Landwirtschaftlichten Bezirksverbandes OWL, Hermann Seeker, die Haltung auf den Punkt.

Wölfe seien für Nutztiere und den Straßenverkehr eine Gefahr. »Tierschützer sprechen zu euphorisch über Wölfe«, meint der Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Wilhelm Brüggemeier, und fragte: »Haben Weidentiere keinen Anspruch auf Tierschutz?«

Milchbauern schlafen wieder besser

Bauern wie Tieren gleichermaßen macht die Tatsache zu schaffen, dass in NRW jeden Tag im Schnitt zehn Hektar zubetoniert werden. Viele Bauprojekte und Pläne wie die der Stadt Bielefeld zum Ausbau wissenschaftlicher Einrichtungen griffen auf landwirtschaftliche Flächen zu, kritisierten die Landwirte. Sie fordern die Konzentration auf die Innenstädte und mehr- statt eingeschossige Gewerbebetriebe.

Die Milchbauern schlafen wieder besser. Derzeit erhalten sie im Schnitt 35 Cent für einen Liter Milch. Die Zeit der »unterirdischen Preise« mit 21 Cent in den Jahren 2015 und 2016 sei vorbei, sagte Brüggemeier. Als Hauptgrund nannte er die weltweit wachsende Nachfrage nach Standardkäse für Hamburger und Pizzen. Weil dafür viel Fett gebraucht wird, steigt auch der Preis für Butter. Im vergangenen Jahr hatten noch 9,7 Prozent der Milchbauern in Westfalen-Lippe aufgegeben.

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