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Di., 19.09.2017

Kritik an Schließungsplänen – erster Infoabend zu Sekundarschulen in Bielefeld Plakataktion für den Erhalt der Bosseschule

Daniela Schmidt-Müller (Fünfte von links) setzt sich gemeinsam mit weiteren Eltern für den Erhalt der Bosseschule ein. Auf 100 Plakaten werben sie mit den »Pluspunkten« der mehr als hundert Jahre alten Schule im Bielefelder Westen.

Daniela Schmidt-Müller (Fünfte von links) setzt sich gemeinsam mit weiteren Eltern für den Erhalt der Bosseschule ein. Auf 100 Plakaten werben sie mit den »Pluspunkten« der mehr als hundert Jahre alten Schule im Bielefelder Westen. Foto: Mike-Dennis Müller

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Die Eltern der Bosse-Realschule wollen mit 100 Plakaten, die rund um die benachbarten Grundschulen aufgestellt werden sollen, für den Erhalt ihrer Schule werben.

»Wir fühlen uns bei der Elternbefragung nicht fair behandelt«, sagt Daniela Schmidt-Müller, Schulpflegschaftsvorsitzende der Bosse-Realschule. Die Schule soll auslaufend geschlossen werden, wenn es zum Schuljahr 2018/19 genügend Anmeldungen für eine Sekundarschule Gellershagen geben sollte, die im Gebäude der Brodhagenschule untergebracht würde. Eine zweite Sekundarschule ist in der bisherigen Kuhlo-Realschule geplant. Auch diese Realschule würde auslaufend geschlossen, gäbe es genügend Anmeldungen. In Baumheide soll in der bisherigen Hauptschule dagegen eine neue Realschule eröffnet werden.

Elternbefragung startet am Mittwoch

Morgen startet die Stadt offiziell ihre Elternbefragung, mit der der Bedarf für die Sekundarschulen ermittelt werden soll. Abgefragt werden soll bei den rund 6000 Eltern von Dritt- und Viertklässlern in Bielefeld aber auch, welche Schulform sie sich alternativ für ihre Kinder wünschen. Bis zum 27. September soll die Umfrage laufen, die Ergebnisse anschließend kurzfristig vorgestellt werden.

»Die Eltern werden im Vorfeld nicht objektiv informiert«, meint Daniela Schmidt-Müller. Stattdessen seien dem allgemeinen Informationsschreiben der weiterführenden Schulen, in dem bereits auch die neuen Sekundarschulen aufgelistet seien, zusätzlich zwei Werbeflyer der geplanten Neugründungen beigefügt worden. »Es kommt das Gefühl der gesteuerten Meinungsbildung auf.«

Dem widerspricht Georg Müller, Leiter des städtischen Amtes für Schule. »Wir sind genauso verfahren, wie es in anderen Städten, in denen Sekundarschulen eröffnet werden sollten, auch gemacht worden ist«, sagt Müller. Das Vorgehen entspreche auch den Vorgaben der Detmolder Bezirksregierung. Man müsse benennen, was neu ist.

FDP schließt sich der Kritik an

Die Gründung zweier neuer Sekundarschulen war von der Ampel-Koalition im Rathaus aus SPD, Grünen und Piraten/Bürgernähe gemeinsam mit der CDU beschlossen worden. So will man darauf reagieren, dass es bald keine Hauptschulen mehr in Bielefeld geben wird. Sekundarschulen arbeiten ähnlich wie Gesamtschulen, verfügen aber nicht über eine eigene Oberstufe.

Unterdessen schließt sich die FDP der Kritik der Bosse-Eltern an. »Um unbedingt die ersten städtischen Sekundarschulen in Bielefeld einzuführen, wollen Verwaltung und Politik Realschulen schließen, obwohl dort schon jetzt mehr Anmeldungen als Plätze vorhanden sind«, sagt Jan Maik Schlifter, FDP-Vertreter im Schulausschuss des Rates. »Da wird es mit der Kommunikation von Vor- und Nachteilen offenbar nicht so genau genommen.«

Stein des Anstoßes ist auch ein Satz im Einladungsschreiben für den Info-Abend zur geplanten Sekundarschule in der Kuhlo-Realschule. Darin heißt es: »Die neue Schulform bietet im Vergleich zu den Ihnen sicherlich bekannten Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen weitere Vorteile«.

100 Mütter und Väter bei Info-Abend

Der Info-Abend in der Kuhlo-Realschule hat am Montag stattgefunden. Eingeladen waren die Eltern von neun benachbarten Grundschulen. Rund 100 Mütter und Väter waren gekommen. Vorgestellt wurden das Konzept der dort geplanten Sekundarschule und die nun anstehende Elternbefragung.

Am Mittwoch wird im Gebäude der Brodhagenschule das Konzept der dort geplanten Sekundarschule Gellershagen vorgestellt. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Dabei sein werden auch die Eltern der Bosse-Schule. »Ein Rederecht hat man uns aber nicht eingeräumt«, bedauert Daniela Schmidt-Müller.

Sie hofft deshalb, dass die jetzt angelaufene Plakataktion etwas bewirkt. An der Bosseschule, die aktuell von 460 Kindern besucht wird, werde eine »super Arbeit« geleistet: »Die Klassen sind voll, die Schüler sind glücklich, doch da geht die Politik einfach darüber hinweg.«

Kommentare

"Nicht das Recht sich zu äußern"? Das Niveau sinkt also nicht nur in den Schulen, sondern auch in Ihrem Kommentar (inhaltlich und ortographisch).
Die "Gleichmacherei" ist doch politisch gewollt. Jede Schülerinn/ jeder Schüler soll zum Gymnasium oder zur Realschule - also Schulsysteme besuchen, die dafür gar nicht konzipiert wurden. Die Hauptschulen wurden gesellschaftlich und politisch kaputtgemacht, als Konsequenz bedarf es neuer Wege und Konzepte. Fragen Sie mal Realschullehrer/-innen, wie sich der Leistungsgedanke und das Klientel dadurch geändert haben. Realschulen sind ohne Hauptschulen keine Realschulen mehr!

Das Ursprungsproblem ist diese elende Gleichmacherrei. Es gibt Unterschiede in der Leistung der Schüler und desshalb gibt (gab) es ja das 3-gliedrige Schulsystem. Aber wenn aus ideologischen Gründen und auf Kosten der Schüler und Lehrer, alle Kinder in eine Schulform gesteckt werden, muss man sich ja nicht über einen massiven Leistungsabfall beschweren. Sekundarschulen sind keine konstruktiven langfristigen Lösungen. Aber Leute denken das, dass die Lösung ist, sind ideologisch verblendet oder so weit von dem Thema entfernt das sie kein Recht haben sichdazu zu äussern. Zum Glück bin ich gerade so diesem neuen System entkommen.

Ohne die bald nicht mehr existierenden Hauptschulen fehlt doch ein wichtiger Baustein im dreigliedrigen Schulsystem. Die Bosserealschule ist keine Realschule mehr im klassischen Sinn. Selbst Teile des Kollegiums sehen das so. Es wird über das sinkende Niveau geklagt, da Schülerinnen und Schüler mit Hauptschulempfehlungen zur Realschulen gehen (müssen). Lernstanderhebungen und zentrale Abschlussprüfungen belegen diese Tendenz an den meisten Orten in NRW.
Ein Wandel in der Schullandschaft ist der richtige Weg, um auf die politisch und gesellschaftlich gewollten Veränderungen zu reagieren. Eine Sekundarschule verbindet dabei positive Aspekte von kleineren Schulsystemen (Real- und Hauptschulen) mit denen einer großen Gesamtschule.

Ich kann Eltern und Lehrer verstehen, die mit viel Herzblut an ihrer Schule festhalten. In diesem Fall geht es doch aber um eine langfristige strategische Ausrichtung der Bielefeler Schullandschaft. Wieso beteiligen sich Schulleitung und Elternschaft der Bosseschule nicht an einer konstruktiven Lösung?

3 Kommentare

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