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Mi., 20.09.2017

Aus OWL neu in den Bundestag? – Folge 10: Friedrich Straetmanns (Linke) aus Bielefeld Der unbefangene Sozialrichter

Friedrich Straetmanns aus Bielefeld arbeitet als Sozialrichter in Detmold und will für die Partei Die Linke in den Bundestag.

Friedrich Straetmanns aus Bielefeld arbeitet als Sozialrichter in Detmold und will für die Partei Die Linke in den Bundestag. Foto: Andreas Schnadwinkel

Bielefeld (WB/as). Friedrich Straetmanns spürt, wo es in der Gesellschaft kneift. Als Richter am Sozialgericht Detmold verhandelt er auch viele Einsprüche gegen Hartz-IV-Bescheide. Ist er da als Politiker der Partei Die Linke nicht befangen?

»Ich habe darum gebeten, von solchen Fällen entbunden zu werden. Aber das Gericht sieht das nicht so. Und ich bin da auch kein Weichei. Wenn Kürzungen bei Hartz IV berechtigt sind, dann sind sie berechtigt. Anträge wegen Befangenheit sind an einer Hand abzuzählen«, sagt Straetmanns.

Der 56-Jährige will Nachfolger von Inge Höger werden. In den vergangenen vier Jahren war die Herforderin die einzige Abgeordnete der Linken aus OWL. Straetmanns hat Listenplatz 12. Holt die Linkspartei mehr als zehn Prozent, könnte das für ein Mandat in Berlin reichen.

Kurswechsel der SPD erhofft

Die Gesetze zur sozialen Sicherung hält er nicht für gut. »Nicht gut im Sinne sozialer Gerechtigkeit. Martin Schulz hätte das Thema vom Beginn seiner Kampagne an durchziehen müssen, das hat er nicht getan«, bedauert Straetmanns und hofft auf einen Kurswechsel bei den Sozialdemokraten nach der Wahl unter Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.

Seit 2007 ist der Jurist Mitglied der Linkspartei. »Das hat sich seit 2004 mit der Einführung der Hartz-Gesetze entwickelt«, blickt Straetmanns zurück. Seitdem beschäftigen ihn die Belange der Rentner, Arbeitnehmer und Sozialhilfebezieher nicht nur beruflich, sondern auch politisch.

Rente und bezahlbarer Wohnraum sind große Anliegen

Dass die gesetzliche Rente bis zum Jahr 2030 auf 43 Prozent des letzten Nettoeinkommens sinken soll, lehnt er ab. »Diese Zahl ist auf den durchschnittlichen Rentner, den sogenannten Eckrentner, gerechnet. Da sind die vielen gebrochenen Arbeitsbiografien nicht berücksichtigt. Und für die Menschen reicht das dann nicht«, erklärt Straetmanns, der von sich selbst sagt, kein »Fundamental-Oppositioneller« zu sein.

Sein zweites großes Anliegen neben der Rente: bezahlbarer Wohnraum. Dieses Problem spiele in seinem Wahlkampf in Bielefeld eine wichtige Rolle. Das Besondere: Friedrich Straetmanns ist selbst Vermieter und sieht keinen Widerspruch darin, Wohnraum zu vermieten und sich gleichzeitig für Belange von Mietern einzusetzen. Wenn man so will, orientiert er sich an der Dialektik – der Lehre von den Gegensätzen und ihrer Aufhebung. Das nennt man dann Synthese. Oder wie Straetmanns sagt: »Ich bin streitbar, aber auch kompromissfähig.«

Keine Kompromisse geht er ein, wenn es um seine Leidenschaft geht. Sein Herz hängt am DSC Arminia Bielefeld, er ist Mitglied des Ehrenrates. »Wenn es um den Verein und die Mannschaft geht«, sagt Straetmanns, »kommt es nicht auf die Partei an.«

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Teil 1: Christian Sauter (FDP) aus Extertal

Teil 2: Kerstin Vieregge (CDU) aus Extertal

Teil 3: Udo Hemmelgarn (AfD) aus Harsewinkel

Teil 4: Wiebke Esdar (SPD) aus Bielefeld

Teil 5: Oliver Vogt (CDU) aus Espelkamp

Teil 6: Frank Schäffler (FDP) aus Bünde

Teil 7: Ute Koczy (Grüne) aus Lemgo

Teil 8: Henning Welslau (SPD) aus Bielefeld

Teil 9: Michael Weber (CDU) Bielefeld

 

 

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