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So., 24.09.2017

CDU und SPD stürzen auch in Bielefeld ab – größte Gewinne für FDP – starke AfD - mit Video Wiebke Esdar holt das Direktmandat

CDU-Kandidat Michael Weber und Lena Strothmann (Mitte) gratulieren Wiebke Esdar zum Sieg.

CDU-Kandidat Michael Weber und Lena Strothmann (Mitte) gratulieren Wiebke Esdar zum Sieg. Foto: Thomas F. Starke

Von Hans-Heinrich Sellmann und Michael Schläger

Bielefeld/Werther (WB). Mit einem Start-Ziel-Sieg hat SPD-Kandidatin Wiebke Esdar den Bundestagswahlkreis 132 gewonnen. Sie vertritt künftig Bielefeld und Werther in Berlin. Zusammen mit Britta Haßelmann (Grüne), deren Einzug vorher abgesichert war.

Bis zum Schluss zittern musste Friedrich Straetmanns, der Kandidat der Linken. Die Landesliste seiner Partei zog bis 0.15 Uhr bis Platz elf. Ob Überhangmandate ihn in den Bundestag bringen würden, blieb zunächst offen.

Zweitstimmen-Ergebnis drückt bei der SPD die Stimmung

Anders als noch vor vier Jahren, als sich Christina Kampmann (SPD) und Lena Strothmann (CDU) ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, war am Sonntag recht schnell klar, dass CDU-Kandidat Michael Weber den Kürzeren ziehen würde. Bereits um 19.45 Uhr sprach Volker Fliege vom Rathaus-Wahlteam davon, dass sich das Ergebnis zugunsten Esdars verfestige, um 19.57 Uhr lag die Sozialdemokratin erstmals mit drei Prozentpunkten vorne. Am Ende lag sie bei 33,1 Prozent gegenüber 30,6 von Michael Weber.

Auf die Stimmung drückte auch bei der SPD der Blick auf das Zweitstimmen-Ergebnis: 25,4 Prozent bedeuteten noch mal 7,1 Prozentpunkte weniger als 2013 und damit einen nie dagewesenen Tiefpunkt. Die CDU blieb zwar stärkste Kraft, büßte aber noch mehr ein und rutschte ebenfalls erstmals unter die 30-Prozent-Marke (27,7 Prozent/minus 7,7 Prozentpunkte). Nicht etwa die AfD (9,0/+5,7), sondern die FDP verzeichnete die größten Zuwächse (11,5/+7,5/Platz 3!). Die Grünen bestätigten in etwa ihr Ergebnis (11,1), die Linken legten um 2,6 Prozentpunkte zu auf ebenfalls 11,1.

Weber: »Am Ende hat es nicht gereicht«

Wahlsiegerin Dr. Wiebke Esdar freute sich über das deutliche Ergebnis, sagte, schon im Wahlkampf habe sie eine positive Grundstimmung in der Bevölkerung gespürt. Es sei aber richtig, wenn die SPD in Berlin jetzt in die Opposition gehe. Die Große Koalition sei deutlich abgewählt worden. »Wir dürfen auch nicht der AfD die Rolle als Oppositionsführer überlassen.«

Der am Ende unterlegene CDU-Kandidat Michael Weber sprach von einem sehr intensiven Wahlkampf, den seine Partei geführt habe, bedauerte, dass es am Ende nicht für ihn gereicht habe. Auch aus seiner Sicht ist das Abschneiden der AfD schockierend. »Jetzt müssen die anderen Parteien verantwortungsvoll miteinander umgehen«, sagte er im Hinblick auf eine mögliche Jamaika-Koalition in Berlin.

Grüne, FDP und Linke zufrieden

Als Parlamentarische Geschäftsführerin erlebte Britta Haßelmann den Wahlabend in Berlin, war aber hochzufrieden mit ihrem Abschneiden in der Heimat: »Das war nur möglich durch die enorme Unterstützung der Bielefelder Grünen.« Am Ende hätten die grünen Themen doch noch funktioniert. Dass sie bei der Wahlparty im Ratssaal schon mal als Mitglied einer Jamaika-Bundesregierung gehandelt wurde, wiegelte Haßelmann ab: »Es geht jetzt um alles andere als Personalien.«

Mehr als zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Partei zeigte sich die FDP-Kandidatin Jasmin Wahl-Schwentker. Beim möglichen grünen Koalitionspartner in Berlin erkennt sie eine gewisse »Miss-Stimmung« gegenüber den Liberalen. »Man muss aber miteinander reden. Wichtig ist, dass sich möglichst viel von unserem Programm in einer neuen Regierung wiederfindet.«

Clausen: »Klatsche« für die Große Koalition

Johannes Brinkrolf, Direktkandidat der AfD in Bielefeld, freute sich, »dass es uns in einer eigentlich rot-rot-grünen Stadt gelungen ist, ein so gutes Ergebnis zu erzielen.« In Berlin müsse es jetzt als erstes einen Untersuchungsausschuss wegen der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel geben.

Nachdem sich die Schockstarre im Großen Ratssaal nach der 18-Uhr-Prognose für den Bund etwas gelegt hatte, sprach Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) von einer »Klatsche« für die Große Koalition. Für ihn sei der Verzicht seiner Partei auf eine Fortsetzung der Großen Koalition keine Überraschung.

Als Wahlleiter hatte Clausen 1882 ehrenamtliche Wahlhelfer im Einsatz. Nach den Pannen bei der Landtagswahl waren mehr »Profis aus der Stadtverwaltung« integriert. Achtmal musste am Wahlabend die »Task Force« des städtischen Wahlteams ausrücken, um Wahlvorstände vor Ort zu unterstützen. Ein Briefwahlbezirk musste komplett neu ausgezählt werden.

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