Di., 31.10.2017

Ärzte ermöglichen Mansoor (9) aus Afghanistan in Bielefeld den Start in ein gesundes Leben OP in Deutschland war die letzte Chance

Gisela Bröenhorst (links) vom Verein »Kinder brauchen uns« besucht Mansoor Hotak und Gastmutter Talihe Belgeli vor seiner Abreise nach Afghanistan, um sich noch einmal nach der Genesung des Jungen zu erkundigen.

Gisela Bröenhorst (links) vom Verein »Kinder brauchen uns« besucht Mansoor Hotak und Gastmutter Talihe Belgeli vor seiner Abreise nach Afghanistan, um sich noch einmal nach der Genesung des Jungen zu erkundigen. Foto: Lydia Böhne

Von Lydia Böhne

Bad Oeynhausen/Bielefeld (WB). An den Abschiedsschmerz mag Gastmutter Talihe Belgeli noch gar nicht denken, wenn Mansoor im November zurück in seine Heimat Afghanistan fliegt. Sieben Monate ist der Neunjährige wegen schwerer Osteomyelitis erfolgreich in Deutschland behandelt worden.

Die Behandlung machte der Verein »Kinder brauchen uns« möglich. Seit der Gründung 2001 sind 700 Kinder in Deutschland kostenlos behandelt worden. In Afghanistan wäre eine medizinische Versorgung nicht möglich gewesen. Als Mansoors Ärzte im Oktober 2016 an ihre Grenzen gestoßen waren und keine weitere Behandlung für das Kind bieten konnten, schaltete sich auch bei ihm der Verein ein und organisierte eine stationäre Behandlung im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld. Wegen einer Verkrümmung der Knochen hatte man Mansoor einen externen Fixateur gesetzt. Mangelhaftes Material und fatale hygienische Bedingungen hatten dann zu einer schweren Osteomyelitis in seinem linken Bein geführt.

Vier Monate im Krankenhaus

Das Evangelische Krankenhaus Bielefeld hat Mansoor (links) und seinen Freund Abdullah kostenlos behandelt.

Während Mansoor sich auf die Reise nach Deutschland vorbereitete, begab sich Gisela Bröenhorst derweil auf die Suche nach einer Gastfamilie und wurde in Bad Oeynhausen bei Nedim und Talihe Belgeli fündig. Als Mansoor am 12. März am Flughafen Düsseldorf landete, nahmen sie ihren Gast in Empfang. »Er hat schnell Vertrauen zu uns aufgebaut«, erinnert sich Talihe Belgeli. Wenige Tage später folgte die erste von vier Operationen. »Zunächst haben sie den Fixateur entfernt, er war inzwischen eingewachsen«, weiß Gisela Bröenhorst. Es waren deshalb drei Dialysen notwendig, um sein vergiftetes Blut zu säubern und die Altschäden der Operation in Pakistan zu beseitigen.

Insgesamt verbrachte Mansoor vier Monate im Krankenhaus. Seine Gastmutter besuchte ihn drei bis viermal die Woche. Mit seinem Zimmergenossen Abdulla (8), der ebenfalls vom Verein nach Deutschland geholt worden war, schloss er schnell Freundschaft.

»Wir brauchen Familien, die mit vollem Herzen dabei sind«

Mansoor puzzelte, malte, spielte mit den Nachbarskindern und besuchte einmal die Woche seinen Freund Abdullah bei seiner Gastfamilie in Schnathorst. Am 15. Juli wurde Mansoor dann für eine Erholungspause entlassen.

Alle zwei Wochen kann er mit seinen Eltern telefonieren. Internet hat Mansoors Familie in Afghanistan nicht. Trotz des Heimwehs fühlt sich der Neunjährige bei seiner Familie auf Zeit sehr wohl. »Er hat auf einmal Mama zu mir gesagt und spricht immer von seiner Mama hier und seiner Mutter in Afghanistan«, erzählt Talihe Belgeli. Gisela Bröenhorst weiß, wie wichtig Bezugspersonen für die Kinder sind und meint: »Wir brauchen Familien, die mit vollem Herzen dabei sind«.

Keine weitere Operation mehr nötig

Röntgenbilder zeigten dann Anfang Oktober, dass Mansoors Körper sich so gut erholt hat, dass neu gebildetes Knochenmark eine Operation zur Korrektur der Achsfehlstellung des Beines nicht mehr notwendig macht.

Am Flughafen Düsseldorf empfangen die qualifizierte Tagesmutter Talihe Belgeli und ihr Mann Nedim den neunjährigen Mansoor.

Dass Mansoor im November gemeinsam mit Abdullah zurück nach Afghanistan fliegt, macht Talihe Belgeli traurig. »Er sagt aber, wenn er groß ist, will er mich in Deutschland besuchen kommen«, ergänzt die Mutter von vier Kindern. Für die vollständige Genesung wird Mansoor sein Antibiotikum mitnehmen.

Auch eine Spardose, in der er Gelder gesammelt hat, die für ihn gespendet wurden, nimmt er mit. Mit dem Geld möchte er seiner Familie unterstützen. Weil der Vater seine Arbeit verloren hatte, musste er wegen der Kosten für Mansoors Behandlung in Afghanistan Schulden machen. Seine Gastmutter lobt ihn als hilfsbereiten Jungen.

Interessierte Gastfamilien können sich bei Gisela Bröenhorst unter Telefon 05732/3000 melden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kinder-brauchen-uns.net.

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