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Do., 07.12.2017

Freispruch für 53-jährige Bielefelderin – Versicherung zahlt bislang nicht für das eigene Haus Brandstiftung nicht nachzuweisen

Bei dem Brand am 12. September 2016 lag der Verdacht nahe, dass die Bewohnerin das Feuer mit einer Zigarette ausgelöst haben soll.

Bei dem Brand am 12. September 2016 lag der Verdacht nahe, dass die Bewohnerin das Feuer mit einer Zigarette ausgelöst haben soll. Foto: Guido Vogels

Bielefeld (WB/swa). Finanziell steht sie vor dem Ruin, strafrechtlich ist eine 53-jährige Bielefelderin am Mittwoch vom Amtsgericht freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihr vorgeworfen, fahrlässig mittels einer Zigarette das eigene Wohnhaus in Brackwede in Brand gesetzt zu haben.

Es war am 12. September des vergangenen Jahres, als die Bielefelder Feuerwehr um 0.36 Uhr zu einem Großbrand in der Kulbrockstraße gerufen wurde. Nach umfangreichen Löscharbeiten konnten 40 Brandbekämpfer einen ausgedehnten Großbrand, der auf den Dachstuhl überzuspringen drohte, verhindern. Der Sachschaden am Zweifamilienhaus beläuft sich dennoch laut Versicherung auf 280.000 Euro.

Beschuldigte war in der Tatnacht stark alkoholisiert

Die Vermutung des Brandsachverständigen Edgar Aust sowie der ermittelnden Staatsanwaltschaft ging dahin, dass die Eigentümerin des Hauses fahrlässig den Brand ausgelöst hat. Die Polizei fand sie am Brandhaus stark alkoholisiert vor. Neben der 53-Jährigen musste auch ihr Ehemann (63) aufgrund einer Rauchgasvergiftung notärztlich versorgt werden.

»Wir arbeiten nach dem Ausschlussverfahren«, erklärte Aust am Mittwoch in der strafrechtlichen Aufarbeitung des Brandgeschehens vor dem Amtsgericht. Äußere Einflüsse wie Wetterkapriolen oder einen technischen Defekt von Elektrogeräten hätte es nicht gegeben, so der 72-Jährige. Auch die elektrischen Leitungen in dem 80 Jahre alten Haus sollen nicht Ursache für den folgenschweren Brand gewesen sein.

Gutachter geht von fahrlässiger Brandlegung aus

»Da keine anderen Auslöser in Frage kommen, gehe ich von einer vorsätzlichen oder fahrlässigen Brandlegung aus«, sagte der Sachverständige. Er bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dass die alkoholisierte Hauseigentümerin das im Obergeschoss befindliche Wohnzimmersofa mit einer Zigarette entzündet hatte, auf 90 Prozent. »Um die exakte Ursache nennen zu können, müsste ich aber Hellseher sein«, so Aust.

So steckten die Juristen am Mittwoch in der Bredouille. Ohne den exakten Ort des Entstehungsbrandes zu kennen, konnte das Amtsgericht keine Feststellungen dazu treffen, was die tatsächliche Ursache des Feuers war. »Es gibt begründete Zweifel. Aber deswegen kann ich die Angeklagte nicht verurteilen«, sagte Richter Alexander Bienias, sodass auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft auf Freispruch plädierte.

Versicherung will nicht für Schaden zahlen

Verteidiger Jerrit Schöll hatte zuvor eine Einstellung des Verfahrens abgelehnt. »Wir brauchen einen klaren Freispruch für die folgende zivilrechtliche Auseinandersetzung«, so der Anwalt. »Für die existenzielle Zukunft meiner Mandantin geht es um viel.« Bislang weigert sich die Versicherung, den Großteil der Schadenssumme zu begleichen.

Das Ehepaar wohnt mittlerweile wieder im Brandhaus, jedoch hat sich wegen des Löschwassers massiver Schimmel ausgebreitet. »Wir müssen wohl bald wieder ausziehen«, bedauerte die Brackwederin ihre aktuelle Lage.

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