Mi., 03.01.2018

Carola und Martin Lorenz aus Löhne und viele andere Fahrgäste warten Silvester vergeblich auf Eurobahn Nach Zugausfall »Asyl« im Brauhaus

Brauhaus-Mitarbeiterin Sarah Weidmann gewährte Martin Lorenz und dessen Frau Carola spontan »Asyl«.

Brauhaus-Mitarbeiterin Sarah Weidmann gewährte Martin Lorenz und dessen Frau Carola spontan »Asyl«.

Bielefeld (WB/hu). Eigentlich hatten Carola und Martin Lorenz aus Löhne (Kreis Herford) ihre Silvesterfeier in Bielefeld genau geplant – und dann kam doch alles anders. Da ein Zug der Eurobahn zwar im Bahnhof bereit stand, aber dann doch nicht nach Löhne fuhr, stand das Ehepaar zunächst verdutzt am Bahnsteig, um dann bis in die frühen Morgenstunden »Asyl« im Brauhaus Joh. Albrecht zu finden.

Eigentlich hätte der RE 78 zwischen Bielefeld und Nienburg (Weser) den Bielefelder Hauptbahnhof in dieser Nacht um 1.45 Uhr verlassen sollen. Der Grund dafür, dass er nicht fuhr, sei die plötzliche Krankmeldung des Lokführers gewesen, erklärt Danica Dorawa, Pressesprecherin der Keolis Deutschland GmbH & Co. KG, zu der die Eurobahn gehört. »Bis der Ersatz einsatzfähig war, fiel die Leistung dadurch leider ersatzlos aus«, erklärte die Unternehmenssprecherin.

Eurobahn prüft den Vorfall

Betroffen von dem Zugausfall waren laut Martin Lorenz auch noch zahlreiche andere Fahrgäste. »Auf Gleis  5 war der Bahnsteig voll«, so der Löhner. Der Zug habe bereits direkt am Gleis gestanden, sei jedoch dunkel und verschlossen gewesen. Nachdem er und seine Frau sehr zeitig am Bahnhof gewesen seien in der Hoffnung, dass der Zug schon bereit zum Einsteigen sei, hätten sie zunächst gedacht, dass das Personal noch komme. »Zwei Minuten vor der Abfahrt wurde dann in der Anzeige dargestellt: ›Zug fällt heute aus‹«, schildert Martin Lorenz das Geschehen.

Warum die Passagiere erst kurz vor der Abfahrt informiert wurden, will die Eurobahn laut Danica Dorawa nun klären. »Wir prüfen auch, wieso die Kommunikation an die Fahrgäste nicht ausreichend stattgefunden hat.«

Für das Löhner Ehepaar ging der Abend dann dort weiter, wo es ihn schon zuvor verbracht hatte: im Brauhaus Albrecht am Klosterplatz. Weil dort ein «offenes Ende« angekündigt worden sei, gingen die Lorenz’ dorthin zurück, »und unsere Bedienung Sarah Weidmann freute sich herzlich, dass wir schon 45 Minuten nach der Verabschiedung wieder da waren«, so Martin Lorenz.

Kein Ersatzpersonal?

Außerdem schaute die Mitarbeiterin nach der nächsten Verbindung nach Löhne – dies sei dann der Zug der Westfalenbahn um 4.26 Uhr gewesen. »Wir verbrachten dann noch ungewollte, aber schöne zwei Stunden im Brauhaus, das uns Asyl gewährte«, so Lorenz. Kritik übt der Löhner daran, dass bei Ausschreibungen für Bahnlinien der günstigste Anbieter gewinne. »Und wir wissen aus langjähriger Erfahrung beim Bahnfahren: Es gibt bei den neuen privaten Länderbahnen kein Ersatzpersonal und keine Ersatzfahrzeuge.«

Marianne Klockow vom Kundencenter der Eurobahn erklärte dazu am Dienstag: »Natürlich haben wir die so genannten Bereitschaften, aber bei der Größe unseres Liniennetzes kann natürlich nicht an jedem Haltepunkt ein Mitarbeiter anwesend sein. Bis zur Übernahme eines Dienstes kann dann eine Zugleistung leider ausfallen.« Im Rahmen der Mobilitätsgarantie NRW biete die Eurobahn in so einem Fall eine Erstattung von Taxikosten. Marianne Klockow bat das Ehepaar außerdem um Entschuldigung und sagte zu, dass das Unternehmen die während der Wartezeit entstandene Brauhaus-Rechnung übernehmen werde.

 

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