Di., 09.01.2018

BUND glaubt nicht an Erfolg der Aktion – »aus Steuergeldern finanzierter purer Aktionismus« Kritik an großer Wildschweinjagd

Tier- und Naturschützer kritisieren die für heute geplante große Wildschweinjagd in Bielefeld.

Tier- und Naturschützer kritisieren die für heute geplante große Wildschweinjagd in Bielefeld. Foto: dpa

Bielefeld (WB). Der Bund für Tier- und Naturschutz (BUND) Ostwestfalen kritisiert die für Dienstag in Bielefeld geplante Wildschweinjagd mit mehr als 100 Jägern. Wie berichtet, soll damit einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest entgegen gewirkt werden.

Die Tierschützer kritisieren, dass die geplante Drückjagd »eine besonders inhumane Form der Jagdausübung« sei. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (DVT) habe festgestellt, dass bei untersuchten Drückjagden auf Wildschweine in Hessen nur etwa ein Drittel mit Blattschuss erlegt würden. Mehr als 60 Prozent der Tiere habe man »am Rückenmark schwer verletzt, ein Bein zersplittert oder den Kiefer weggeschossen«. Viele der angeschossenen Tiere würden auch bei Nachsuchen nicht aufgefunden, so dass »schwer verletzte Schweine irgendwo im Dickicht verbluten, verhungern oder ihr Leben als Krüppel« weiterfristen müssten. Versprengte Frischlinge fänden oft nach ihrer panischen Flucht nicht zur Rotte zurück, die für sie lebenswichtig ist.

Tiere in Todesangst

Auch kritisieren die Tierschützer, dass durch Drückjagden zwangsläufig auch die Anzahl der Wildunfälle durch die in Todesangst flüchtenden Tiere zunähmen. Die Kollision mit einem Wildschwein sei für den Fahrer eines Pkw lebensgefährlich. Versuchten die überlebenden Tiere nach tagelangem Umherirren in ihr Revier oder zu ihrem Familienverband zurückzukehren, stellten sie über den Tag der Drückjagd hinaus eine erneute Gefährdung für Autofahrer dar.

Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, so der BUND, dass die »rücksichtslose Bejagung« von Wildschweinen keinen Populationsrückgang nach sich zieht, weil durch den Abschuss der Leitbachen die Fortpflanzungsregularien der Rotte gestört würden und die Vermehrung sich unkontrolliert vervielfache. Es stelle sich daher die Frage, ob diese Jagden nicht »purer Aktionismus aus Steuergeldern finanziert« sei. Schließlich ließen sich die Bundesländer diese Jagden mehrere Millionen Euro kosten.

Jäger als Verursacher der Ausbreitung?

Die Tierschützer sehen die Jäger selbst als mögliche Verursacher der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. »Ein erhöhtes Risiko bringt vor allem der Jagdtourismus mit sich, indem die Jäger mit dem Blut und den Ausscheidungen infizierter Tiere direkt in Kontakt kommen können. Kleidung, Schuhwerk und Jagdgeräte nach jedem Jagdausflug so zu desinfizieren, dass eine Weiterverbreitung der Viren ausgeschlossen ist, scheint illusorisch,« schreibt der Verein in einer Stellungnahme.

Osteuropäische Nachbarländer, in denen die Schweinepest bereits grassiert, seien besonders beliebte und viel besuchte Jagdgebiete für deutsche Jäger. Deshalb müsste der Jagdtourismus in betroffenen Länder für die Dauer des Seuchenzuges und eine nachträgliche Karenzzeit durch behördliche Anordnung ausgesetzt werden.

Kommentare

Alles nur ein Alibi für die eigene Befriedigung

Die Schweinepest werden weder die Jäger, noch andere Maßnahmen langfristig von Deutschland fernhalten. Dafür gibt es einfach zu viele Möglichkeiten der Einschleppung.

Letztendlich müssten die Jäger sich ja eigentlich freuen wenn die ASP hier ausbricht. Seit Jahren werden sie trotz extrem steigender Abschusszahlen der wachsenden Population dieser Tiere nicht Herr. In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt / Setzen 6. Die Schweinepest würde dieses Problem sicher effizienter lösen.
Doch dank Lobbyarbeit und jeder Menge jagender Politiker, werden nun selbst die letzten kleinen Maßnahmen bezüglich Tierschutz außer Kraft gesetzt und man gibt den Hobbyjägern einen Persilschein für jegliche Greultaten an diesen Tieren.

Gleichzeitig jammern jetzt schon all die Betreiber der großen Tier KZs und bangen um ihre Existenz. Auch hier ging und geht es nie um das Wohl der Tiere, sondern ähnlich wie bei den Jägern, nur um die eigenen Interessen!

Wer wirklich Natur- und Tierschutz betreiben will, kann dies im örtlichen Tierheim oder einer regionalen Gruppe des BUND oder NABU tun.
Wer aber stattdessen aber ohne Hungersnot oder andere Zwänge seine Freizeit freiwillig damit verbringt Tiere zu töten, sollte das Wort Tierschutz nicht in den Mund nehmen!


Sebastian muss noch lernen

Ich bin der Meinung, dass man das, was Sie da schreiben so nicht stehen lassen kann - es ist zum Teil schlichtweg falsch:
Leitbachen verwechseln Sie mit führenden Bachen. Die Leitbache hat in der Regel die Rotte im Griff, die führende Bache kann auch ein Jährling (Überläufer) sein, die bereits Frischlinge hat.
Dass auch Spaziergänger und Hunde sich im Wald erholen, schwächt ja in keiner Weise das Argument ab, dass eine Jagd in Armeestärke, wie sie jetzt stattgefunden hat, das Wild - und nicht nur die bejagten Wildschweine - erheblich beunruhigt.
Jagden, wie sie heute stattgefunden haben, gibt es in letzten 20 Jahren schon immer. Und was war und ist das Resultat? Sind die Wildschweine weniger geworden oder doch eher mehr? Was meinen Sie, Sebastian? Und warum sollte es dieses Mal anders sein? Die Jagd ist kontraproduktiv. Sie führt nicht zur nachhaltigen Reduzierung des Bestands - im Gegenteil, die Tiere kompensieren die Verluste durch höhere Geburtenraten.

Aus dem Tierschutz gibt es entgegen Ihrer Kenntnis auch Gegenkonzepte. Erst gestern habe ich bei Wildtierschutz Deutschland von der Möglichkeit der Schwangerschaftsverhütung bei Wildschweinen gehört.

Vielleicht, Sebastian, sollte man sich mit diesem brisanten Thema einfach mal mehr beschäftigen und nicht nur auf den Zug aufspringen.

Unverstand

Wer sich selbst " Misanthrop" nennt, wer die Notwendigkeit der erfolgten Jagd im allgemeinen anzweifelt, der sollte sich endlich mal die richtigen Gedanken machen oder seine Konsequenzen ziehen !

Wahr gesprochen!

Endlich ein Artikel, der auf die Probleme hindeutet!
Meine Frau arbeitet im KFZ-Gewerbe und kann es bestätigen, dass zu Jagdzeiten die (Wild)Verkehrsunfälle ansteigen! Ich bleibe dabei! Wenn der Müll an der Autobahn das Problem ist sollen die Grünen gefälligst den Müll wegräumen statt Tiere umzubringen!

Kritik an Wildschweinjagd

Das Problem ist nicht die Jagd, sondern die tierquälerische, allein auf Profit orientierte Schweinhaltung in Ställen. Dieses Problem wird auch nicht in östlichen Ländern, sondern in Ostwestfalen produziert. Das Problem ist auch nicht allein von den Landwirten zu verantworten, sondern auch von Verbrauchern, die nicht bereit sind, einen angemessenen Preis für gesundes, tiergerecht erzeugtes Fleisch zu bezahlen. In unserer Kulturlandschaft ist eine gezielte Jagd zur Regulierung der Wildpopulationen unabdingbar.

Bei diesem Artikel gibt es meiner Meinung nach einige Punkte, die so nicht stehen gelassen werden können. Der Abschuss der Leitbachen ist schlichtweg nicht erlaubt und zieht eine Anzeige oder Selbstanzeige nach sich. Auch die Argumente das durch die Jagd das Wild unnötig beunruhigt würde und es somit zu Gefährdung des Straßenverkehrs kommt ist zwar schön überzogen beschrieben, doch was sieht man den heutzutage in unseren Wäldern. Spaziergänger, Mountainbiker und Hundebesitzer die mit Ihren unausgebildeten und unangeleiten Hundenmitten durch den Wald trampeln, wie wird denn diese Beunruhigung des Wildes gewertet? Dauerhafte Stressituation fürs Wild und somit dauerhafte Gefährdung des Straßenverkehrs? Ich würde gerne einmal die Meinungen der Leute hören, die diese Art der Seuchenvermeidung anzweifeln,wenn die ASP hier wirklich ausbricht und tausende Schweine in den Ställen notgeschlachtet werden müssen! Wie würden Sie sich verhalten wenn ihr Betrieb, Arbeitsplatz, Existenz davon abhängt? Sich einfach nur hinstellen und sagen das solche geplanten Jagden schlecht sind und keinen Nutzen hätten, ist die einfachste und beste Lösung sich unter dem Deckmantel Naturschutz / Tierschutz zu verstecken, bisher habe ich keine Vorschläge aus dieser Richtung vernommen wie aus der Ruchtung denn eine Seuchenausbreitung verhindert werden soll?! Man sollte sich mit diesem brisanten Thema einfach mal mehr beschäftigen und nicht nur auf den Zug aufspringen und alles glauben und weiterverbreiten was man mal gerade so zwischendurch gelesen, gesehen oder erzählt bekommen hat. Es gibt halt auch hier, wie bei vielen Sachen, zwei Seiten der Medaille!

Jagd ist ein brutales Hobby. Man muss schon ziemlich verroht sein, um an sowas Freude zu finden. Und dennoch finden die Vereine derzeit enormen Zulauf, seit neuester Zeit besonders auch von Frauen. Was sagt uns das über die heranwachsende Gesellschaft? Ganz genau; die schönen Zeiten sind endgültig vorbei.
(zum Glück gibt es noch einige wenige Tierschützer)

7 Kommentare

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